12.01.2018 | Von Tobias Anslinger

„Potential des Dax noch bis 14.000 Punkte“

Der Konjunkturmotor brummt, der Dax ist im Höhenflug. 2018 verspricht ein wirtschaftlich tolles Jahr zu werden. Markus Tischer, Portfoliomanager bei Bantleon, ist zurückhaltender. Er glaubt die ersten Gewitterwolken am Horizont zu erkennen.

Dax Aktien
Ein Rückschlag im Dax könne 15 bis 20 Prozent vom erreichten Höchststand ausmachen, meint der Experte. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

DIE STIFTUNG: 2018 scheint auf den Finanzmärkten ein tadelloses Jahr zu werden. Die deutsche Konjunktur läuft auf Hochtouren, was man am Ifo-Erwartungsindex und am BME-Einkaufsmanagerindex ablesen kann. Das BIP ist um 2,2 Prozent gewachsen, der staatliche Überschuss legte zu.

Tischer Bantleon
Markus Tischer. Foto: Bantleon

Markus Tischer: Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Aktienbewertung – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis und basierend auf den Ertragsschätzungen für 2018 – mit einem Wert von etwa 14 unterhalb des langfristigen historischen Durchschnitts liegt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 ist der Dax zudem günstiger bewertet als der MSCI World, für den das 17-fache der Gewinne bezahlt werden muss.

Und auch die für quantitativ gesteuerte Investmentfonds wichtige Markttechnik spricht für zunächst weiter steigende Notierungen: Der Dax handelt noch komfortabel oberhalb seines 6-Monats-Durchschnitts und die 200-Tage-Linie ist derzeit noch über 5 Prozent entfernt. Erst ein Unterschreiten dieser Kursmarken erhöht das Risiko von Absicherungsverkäufen deutlich. Den Ausblick für deutsche Standardwerte für die erste Jahreshälfte 2018 dürfte daher eigentlich nichts trüben.

DIE STIFTUNG: Eigentlich…

Tischer: Ja eigentlich, denn sowohl von fundamentaler als auch von markttechnischer Seite ziehen die ersten Gewitterwolken auf. Unsere konjunkturellen Frühindikatoren, die einen deutlichen Vorlauf vor den offiziellen Frühindikatoren haben, prognostizieren für das erste Quartal 2018 ein Ende des aktuellen Aufschwungs und zumindest eine konjunkturelle Delle. Die Historie zeigt: Wenn sich die Konjunktur abschwächt, ist das Rückschlagrisiko für den Aktienmarkt besonders hoch.

DIE STIFTUNG: Was lässt sich noch mit Zurückhaltung in die Zukunft blicken?

Tischer: Dass der Dax vor einer großen charttechnischen Herausforderung steht: Im Bereich zwischen 13.900 und 14.000 Punkten verläuft in den kommenden Monaten eine Trendparallele jenes Aufwärtstrends, der seinerzeit die Finanzkrise beendet und durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken eine neue Aktienmarktära eingeläutet hat. Schon im April 2015 wurde dieser Widerstand erfolglos getestet. Die Marktreaktion war damals heftig. Der Dax verlor in den folgenden Monaten bis zu 30 Prozent seines Wertes.

DIE STIFTUNG: Wie lauten Ihr Fazit und Ausblick daher?

Tischer: Mit der nächsten signifikanten Kursrallye verschlechtert sich das Chance-Risiko-Verhältnis für eine Investition in deutschen Standardwerten sukzessive. In den kommenden Monaten sollte der Anlagestil daher von „aggressiv“ auf „defensiv“ umgestellt werden. Potential besteht beim Dax noch bis etwa 14.000 Punkte. Ein Rückschlag kann aber ohne Probleme 15 bis 20 Prozent vom jeweils erreichten Höchststand ausmachen.

Dieser Cocktail aus konjunktureller Schwäche und technischen Widerständen könnte im 1. Quartal 2018 eine überraschende Trendwende auslösen. Nutznießer dieser Entwicklung dürfte der sichere Hafen des Anleihenmarktes sein, der von der Veränderung der Kapitalmarktströme profitieren sollte.

Zur Person: Markus Tischer ist Leiter Portfoliomanagement Multi-Asset beim Assetmanager Bantleon.

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