30.06.2017 | Von Die Stiftung

So denken Stiftungen über ihre Vermögensanlage

Aktuelle Zahlen und Fakten aus dem Stiftungspanel des Bundesverbandes

Über die Hälfte der Stiftungen mit einem Kapital unter einer Million Euro setzt bei der Vermögensanlage weder auf Immobilienfonds noch eigene Immobilien. (Urheber: Petra Dirscherl/pixelio.de)

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat sein Stiftungspanel zuletzt rund um das Thema „Stiftungen in der Niedrigzinsphase“ befragt und die Ergebnisse veröffentlicht.

In den Jahren 2015 und 2016 lagen jeweils mehr als 80 Prozent der befragten Stiftungen mit der Rendite ihrer Vermögensanlage über der jeweiligen durchschnittlichen Jahresinflationsrate. Inzwischen glauben nur noch rund zwei Drittel, 2017 mit ihrer Rendite die zum Befragungszeitpunkt prognostizierte Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent übertreffen zu können; bei kleinen Stiftungen mit einem Kapital unter 1 Million Euro sind es sogar nur 55,8 Prozent (n=120).

Vermögensanlage und  gesellschaftliche Rendite

Als eine von mehreren Handlungsoptionen in Zeiten niedriger Zinsen rückt die wirkungsorientierte Vermögensanlage in den Fokus: 22,1 Prozent der befragten Stiftungen haben Teile des Vermögens wirkungsorientiert angelegt (n=231). Dieser Anteil überrascht zunächst, es gibt jedoch zahlreiche Stiftungen, die schon seit langem „Impact Investing“ betreiben, ohne es so zu nennen. Das können Umweltstiftungen sein, die ihre Flächen unter naturschutzfachlichen Auflagen verpachten, oder die großen, traditionsreichen Anstaltsträgerstiftungen.

Von den 164 Befragten, deren Stiftungsvermögen bisher nicht wirkungsorientiert angelegt ist, haben es künftig fast 10 Prozent vor. Der am häufigsten genannte Grund, warum eine wirkungsorientierte Vermögensanlage für viele der dazu befragten Stiftungen noch kein Thema ist, lautet „Unsere Anlagestrategie / Anlagerichtlinien sehen das nicht vor“ (50,0 Prozent, n=164, Mehrfachnennungen möglich).

Investitionen in Sachwerte gefragt

36,5 Prozent der befragten Stiftungen haben ihr Vermögen in Immobilien angelegt, ein Drittel (auch) in Immobilienfonds (Mehrfachnennungen möglich). Bislang haben 17,4 Prozent der Stiftungen, die in Immobilien oder Immobilienfonds investieren, dabei den Aspekt der Wirkungsorientierung berücksichtigt (n=155).

Über die Hälfte der Stiftungen mit einem Kapital unter einer Million Euro hat weder Immobilienfonds noch Immobilien im Portfolio (56,7 Prozent, n=120). Insbesondere kleine Stiftungen können sich Immobilien schlicht nicht leisten: Knapp 60 Prozent von ihnen sagen, wegen fehlender finanzieller Mittel auf ein Immobilieninvestment verzichten zu wollen (59,8 Prozent, n=87).

Nicht mehr Kooperationen oder Fundraising

Nur knapp 30 Prozent der befragten Stiftungen planen, wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase verstärkt zu kooperieren (27,1 Prozent). Ähnlich sieht es beim Fundraising aus, hier werden niedrige Zinsen nicht unbedingt zu einer Ausweitung entsprechender Aktivitäten führen: Weniger als ein Drittel der befragten Stiftungen möchten wegen der schlechten Ertragslage mehr Mittel einwerben. Doch die Zahl derjenigen, die dazu nicht bereit sind, überwiegt mit 40 Prozent.

Kooperation und Fundraising stellen also nur für manche Stiftungen und sicher nur zwei von mehreren möglichen Lösungswegen in schwierigen Zeiten dar. Sie sollten demnach nicht reflexhaft als Stichworte genannt werden, wenn nach dem Umgang von Stiftungen mit der Ertragskrise gefragt wird.

Über die Autorin: Dr. Antje Bischoff ist studierte Biologin und verantwortet die Stiftungsforschung im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Eckdaten zur Befragung:

Erhebungsmethode: Online-Befragung unter den Teilnehmenden des Stiftungspanels

Erhebungszeitraum: 25. Januar bis 7. Februar 2017

Stiftungen im Panel: 561 im Erhebungszeitraum

Rücklaufquote: 45,6 Prozent (sofern nicht anders angegeben, beziehen sich alle Prozentangaben auf n=255.

Detaillierte Ergebnisse der Befragung sind im Stiftungsfokus Nr. 11 „Stiftungen in der Niedrigzinsphase – aktuelle Zahlen und Fakten“ veröffentlicht.

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