19.06.2017 | Von Die Stiftung

„Aktive Durationssteuerung bleibt Erfolgsfaktor“

Julien Schütte studierte Volkswirtschaftslehre in Hamburg. Nach einer Station bei der Commerzbank wechselte er 2012 zum Bankhaus Lampe. Schütte besitzt mehr als zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierspezialist und Portfoliomanager. (Urheber: LAM)

DIE STIFTUNG: Herr Schütte, Sie haben das Rentenportfolio des LAM-Stifterfonds übernommen. Es fällt auf, dass – Stand 2. März – mehr als 30 Prozent des Fondsvermögens in Anleihen mit mehr als fünfjähriger Restlaufzeit investiert sind. Welche strategische Weiterentwicklung Ihres Segments streben Sie an?
Julien Schütte: In der Rentenanlagestrategie sind derzeit keine substantiellen Änderungen geplant. Die aktive Durationssteuerung ist und bleibt der Haupterfolgsfaktor, um einen Zusatzertrag für das Portfolio zu generieren. Mehr als 30 Prozent des Fondsvermögens sind in den genannten Anleihen investiert, wobei zurzeit ein Großteil durch Zinssicherungsgeschäfte immunisiert ist. Aktuell bevorzuge ich strategisch Bonitäts- gegenüber Zinsrisiken, da die vereinnahmten Risikoaufschläge einen gewissen Puffer bei leicht steigenden Zinsen bieten können. Insbesondere Unternehmensnachranganleihen bieten meiner Ansicht nach zurzeit eine attraktive Rendite bei geringem Zinsänderungsrisiko. Der Fonds investiert als Beimischung auch in kurzlaufende Nachranganleihen, die im Gegensatz zu vergleichbaren Unternehmensanleihen noch mit deutlich positiven Renditen notieren.

DIE STIFTUNG: Seit Februar darf die Aktienquote 30 statt 25 Prozent betragen. Hinweis, dass Anleihen auf Sicht minderattraktiv sind, wenn ausschüttungsfähige Erträge gefragt sind?
Schütte: Aktien sind für uns ein wichtiger Bestandteil, nachdem das langanhaltende Niedrigzinsumfeld zu einer Erosion der Kuponzahlungen bei Rentenanlagen geführt hat. Neben der Stärkung der ordentlichen Erträge durch Dividenden sehen wir auch wieder vermehrte Chancen am Aktienmarkt, die wir durch die leichte Erhöhung der Aktienquote nutzen möchten. Anleihen schätzen wir aber nicht als grundsätzlich minderattraktiv ein.

DIE STIFTUNG: Gleichzeitig wurde das Risikomanagement geändert. Bedeutet das ein erhöhtes Volatilitätsrisiko für die Fondsnotierung?
Schütte: Nein, erklärtes Ziel des Fonds bleibt auch zukünftig eine angemessene mittel- bis langfristige Wertentwicklung bei zugleich moderaten Kursschwankungen. Die Anpassung im Risikomanagement soll gerade eine Glättung der Schwankungsbreite des Anteilspreises erlauben und gleichzeitig Wiedereinstiegsmöglichkeiten eröffnen. Unserer Einschätzung nach steht ein auf starre Wertuntergrenzen ausgelegtes Risikomanagement dem primären Ziel des langfristigen Werterhalts entgegen, da es zu einer gewissen Prozyklizität in der Anlagepolitik führen kann. Wir haben stattdessen ein stringentes Risikomonitoring mittels Szenario-Analysen, Stresstests sowie einer kontinuierlichen Überprüfung der Risikoparameter implementiert. Gleichzeitig wollen wir die Möglichkeit erhalten, bei stärkeren Verwerfungen am Markt antizyklisch investieren zu können.

DIE STIFTUNG: In den vergangenen zwei Jahren performte der Fonds schwächer im Vergleich mit sehr erfolgreichen Jahren zuvor. Ist daher die Ausweitung des Anleiheuniversums unterhalb BBB- angedacht?
Schütte: Sicherlich waren einzeln betrachtet die letzten zwei Jahre durch die stark volatilen Marktverhältnisse schwierig. Langfristig gesehen, konnten wir aber seit Auflage des Fonds die selbst auferlegte Messlatte von durchschnittlich drei Prozent p.a. nach Kosten nicht nur erreichen, sondern auch deutlich übertreffen. Eine Ausweitung des Anlageuniversums unterhalb des Investmentgrade-Universums halte ich nicht für zielführend, da die zu vereinnahmenden Risikoaufschläge in keinem attraktiven Verhältnis zu den erhöhten Ausfallrisiken stehen.

Artikel teilen