30.03.2017 | Von Die Stiftung

„Keine schlaflosen Nächte wegen steigender Zinsen“

Im Gespräch mit Bassem Diab, Executive Director bei J.P. Morgan Asset Management.

Bassem Diab ist Executive Director im regionalen Bankenvertrieb bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. (Urheber: J.P. Morgan Asset Management )

DIE STIFTUNG: Niedrige Zinsen bringen Stiftungen in ein Dilemma, weil sie das Risiko in vermeintlich risikoreiche Investments scheuen. Was raten Sie solchen eher defensiv orientierten Investoren aktuell, die dennoch eine Rendite benötigen?
Bassem Diab: Wir raten zu Income-Lösungen. „Income“ bedeutet Ausschüttung oder Ertrag. Bei einem sogenannten Multi Asset Income-Fonds erstellt das Fondsmanagement ein Portfolio aus einer Vielzahl ertragsstarker Anlageklassen.

DIE STIFTUNG: Was ist daran anders als bei einem normalen vermögensverwaltenden Fonds und Stiftungsfonds?
Diab: Es gibt einen Hauptunterschied: Während viele vermögensverwaltende Fonds und Stiftungsfonds Kapitalerhalt und -wachstum bei vorgegebenem Chancen-Risiko-Profil zum Ziel haben und die sich daraus ergebenden Erträge ausschütten, werden Income-Mischfonds gezielt auf die Ausschüttung hin gemanagt. Anders formuliert: Das Management der regelmäßigen Erträge steht im Vordergrund und daraus ergibt sich der langfristige Vermögensaufbau. Aus Sicht der Stiftungen führt dies zu einer klaren Trennung von Ertrags- und Vermögenssphäre. Daher stellen diese Multi Asset Income-Konzepte eine interessante Ergänzung für Stiftungen dar.

DIE STIFTUNG: Mit einem Anleihen-Anteil von knapp 50 Prozent in Ihrem „Global Income Fund“ stellt sich aber die Frage, wie Sie diese Ausschüttungen im Umfeld der niedrig verzinsten Anleihen erzielen wollen?
Diab: Wir finden nach wie vor viele Anlageklassen mit attraktivem Ertragsniveau – und zwar sowohl in der Welt der Anleihen als auch der Aktien. Es ist aber wichtig, über den Tellerrand der klassischen „sicheren Anlagehäfen“ hinauszublicken und den Anlagefokus nicht zu eng zu fassen. Neben Staatsanleihen gibt es andere Segmente der Anleihenmärkte, die noch viel Renditepotenzial bieten – wie Hybridanleihen. Wir mögen beispielsweise auch Hypothekenanleihen aus dem nichtstaatlichen Bereich. Diese sind ein Diversifikator, wie wir ihn sehr gern für unsere Income-Fonds nutzen, denn die Anlageklasse bringt bei steigender Zinsvolatilität Ruhe ins Portfolio. Aktien wiederum weisen im Vergleich zu niedrig verzinsten Staatspapieren attraktive Dividenden auf. Zusätzlich nutzen wir „opportunistische“ Anlageklassen wie Real-Estate-Investment-Trusts, also Immobilienaktien oder Wandelanleihen, die weitere Diversifikationsmöglichkeiten und zusätzliche Ertragsquellen bieten.

DIE STIFTUNG: Wie sichern Sie den Fonds gegen negative konjunkturelle Einflüsse ab, ohne Chancen zu vergeben, an positiver Entwicklung zu partizipieren?
Diab: Wir nutzen für den Global Income Fund keine Absicherungsstrategien im Sinne von Derivaten. Allerdings ist der Fonds zu jeder Zeit sehr breit gestreut – deutlich über 1.900 Emittenten aus und rund 50 Ländern. Selbstverständlich passen wir die Positionierung auch an das konjunkturelle Umfeld an und positionieren uns je nach Marktlage risikoreicher oder -averser. Wir überprüfen jederzeit, ob eine Investition das richtige Verhältnis von Risiko und Ertrag aufweist. Wir suchen nicht nach der höchsten Rendite, sondern nach dem besten Risiko-Ertrags-Verhältnis für unsere Anlagen. Je mehr das Risiko ausbalanciert wird, umso stabiler wird sich das Portfolio verhalten: Für uns liegt der Schlüssel in der Diversifikation, darüber hinaus achten wir natürlich auch auf die Bewertungen und die technischen Marktfaktoren. All das kann das Marktrisiko natürlich nicht komplett ausschalten, aber es hilft, für alle Fälle gewappnet zu sein.

DIE STIFTUNG: Auf welche Länder und Regionen werfen Sie in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk und warum?
Diab: Wir betrachten das Portfolio weniger auf Länder- und Regionenebene, als auf Basis von Anlageklassen. Das Fondsmanagement orientiert sich bei der Auswahl an einer vierteljährlichen Analyse der Attraktivität der verschiedenen Anlageklassen und entscheidet, wie stark jede Anlageklasse berücksichtig werden soll. Die Entscheidung, welche Income-Anlagen innerhalb einer Anlageklasse zum Tragen kommt, übernimmt dann das jeweilige Spezialistenteam. Durch diese „Bottom-up“-Portfoliokonstruktion sind aktuell die Regionen USA und Europa am stärksten im Portfolio berücksichtigt – mit einem starken Übergewicht in den USA. Trotz der Zinserhöhungen in den USA bleibt die globale Geldpolitik insgesamt expansiv und wird einen signifikanten Anstieg der Anleihenrenditen wahrscheinlich verhindern. Dadurch verringert sich auch die Gefahr einer problematischen Aufwertung des US-Dollars.

DIE STIFTUNG: Wenn aufgrund der Anpassung des Zinsniveaus in den USA die Zinssteigerungen kommen, würden Sie dann auch die Strategie des Fonds anpassen?
Diab: Die Gefahr der steigenden Zinsen in den USA sehen wir weniger dramatisch als manche Marktteilnehmer: Seit Auflage unseres Global Income Funds gab es bereits elf Mal Phasen steigender Zinsen. In jeder konnte der Fonds den breiten Anleihenindex übertreffen und bis auf einmal sogar ein positives Ergebnis erzielen. Als Multi-Asset-Manager haben wir aber immer die Möglichkeit, mit Anlageklassen gegenzusteuern, die von einem solchen Umfeld profitieren würden – das bereitet unserem Fondsmanagement also keine schlaflosen Nächte.

Zur Person: Bassem Diab, Executive Director, arbeitet seit Juli 2005 im regionalen Bankenvertrieb bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Zuvor hat er drei Jahre lang institutionelle Kunden bei der Union Investment Institutional GmbH betreut. Diab ist zertifizierter Stiftungsberater (DSA).

J.P. Morgan Asset Management ist am 4. April beim „Gesprächskreis Stiftungsfonds“ in Düsseldorf vertreten, einer Veranstaltung von DIE STIFTUNG. Nähere Informationen dazu hier.

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