30.11.2017 | Von Die Stiftung

„Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau“

Im Gespräch mit Andreas Stehr, Fondsmanager des von Warburg Invest gemanagten Steyler Fair und Nachhaltig Stiftungsfonds, über Chancen ethischer Geldanlage

Andreas Stehr
Andreas Stehr ist seit 2008 für die Warburg Invest tätig. © Warburg Invest

DIE STIFTUNG: Herr Stehr, Ihr Fonds wendet sich besonders an risikoaverse, ethisch anspruchsvolle Stiftungen und Non-Profit-Organisationen. Erreichen Sie diese Zielgruppe und welches Feedback erhalten Sie?
Andreas Stehr: Die größten Investoren in diesem Fonds sind derzeit noch Institutionen der Steyler Mission, die eine Portfoliomanagementlösung mit den entsprechenden Parametern suchten. Aber auch Nicht-Steyler-Institutionen sind über die Steyler Ethik Bank an dem Fonds beteiligt. Der Drittvertrieb über Vermögensverwalter sowie andere Banken wurde im Rahmen eines Projektes gerade aufgenommen.

DIE STIFTUNG: Der Fonds ist aktuell stark in Finanz- und Versicherungstitel investiert. Was ist daran ethisch besonders wertvoll?
Stehr: Der Finanzsektor generell erfüllt eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion, beispielsweise ermöglichen Hypothekendarlehen den Erwerb von Wohneigentum und Wohngebäudeversicherungen den Schutz vor existenzbedrohenden Risiken. Der Steyler Stiftungsfonds investiert auch im Finanzsektor ausschließlich in Unternehmen, die dem Oekom-Prime-Standard entsprechen und die vom Ethik-Anlagerat nicht abgewählt worden sind – also nachhaltig auf höchstem Niveau sind. Auf der für das Portfoliomanagement relevanten Positivliste stehen aktuell beispielsweise Aareal Bank und ING, nicht jedoch Allianz, Barclays und Deutsche Bank. Das Investment in Financials lässt sich hinsichtlich seiner Risikostruktur in der Hauptsache in 45 Prozent Pfandbriefe/Covered Bonds, 16 Prozent öffentliche Banken (KfW/Rentenbank) und 28 Prozent Senior-Unsecured-Anleihen von börsennotierten Banken bzw. Versicherungen (z.B. NN Group, Intesa) untergliedern.

DIE STIFTUNG: Auf der Anleiheseite beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit derzeit mehr als fünf Jahre. Wie genau sichern Sie das Zinsänderungsrisiko ab – oder sehen Sie auf Sicht keine spürbaren Zinserhöhungen in Europa?
Stehr: Die Zinssensitivität für den Wertpapierbestand liegt aktuell bei 5,5 Prozent. Das für uns relevante Risikomaß richtet sich allerdings auf den Gesamtfonds, also inklusive nicht zinstragender Instrumente und der Kasse. Auf dieser Ebene betrachtet, ist die modifizierte Duration mit 3,7 Jahren sehr gering. Sie beschreitet den goldenen Mittelweg im Zielkonflikt zwischen einer zu kurzen (Problem Negativverzinsung) und einer zu langen (Problem Kursrisiken aufgrund erwarteter Zinssteigerungen) Durationspositionierung, den das aktuelle Kapitalmarktumfeld dem Management von verzinslichen Anlagen auferlegt.

DIE STIFTUNG: Im rollierenden Jahresergebnis stand der Fonds per Mitte August im Minus. Welche Rendite und welche Ausschüttung sind für das Jahr 2017 realistisch?
Stehr: Bezogen auf das laufende Jahr liegt die Performance aktuell bei 0,8 Prozent. Insbesondere hinsichtlich des europäischen Aktienmarktes halten wir für die nächsten Monate eine positive Entwicklung für wahrscheinlicher. Trotz eher defensiver Ausrichtung gegenüber dem Einsatz von Aktien (max. 30 Prozent zulässig) sind wir mit gut 20 Prozent in Aktien investiert. Wir erwarten auch nicht, dass die EZB noch 2017 eine Kehrtwende in ihrer Geldpolitik vollziehen wird. Eine Jahresrendite in Richtung von 1,5 Prozent wäre vor diesem Hintergrund machbar. Im Vergleich zu den Vorjahren sollten wir für das laufende Geschäftsjahr eine höhere Ausschüttung anpeilen können. Langfristig streben wir eine Ausschüttung von jährlich zwei Prozent an.

Zur Person: Andreas Stehr ist seit 2008 für die Warburg Invest tätig. Die besondere Leidenschaft des Bankkaufmanns, Diplom-Volkswirts und Certified Sustainability Investment Managers gilt dem Bereich nachhaltige Investments.

 

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