24.06.2015 | Von Die Stiftung

Neues vom FondsFischer: „Nachhaltigkeit ist nicht schwarz und nicht weiß“

Im Gespräch mit Norbert Wolf, Steyler Ethik Bank, über den neuen Steyler Fair und Nachhaltig – Stiftungsfonds und dessen Alleinstellungsmerkmale – auch vor dem Hintergrund einer Zinswende.

DIE STIFTUNG: Was ist die Idee hinter dem neuen Steyler Stiftungsfonds?
Norbert Wolf: Nachdem wir in den vergangenen Jahren mehr als 200 Treuhandstiftungen gegründet haben und hier auch erhebliche Mittel verwalten müssen, waren wir auf der Suche nach einer Lösung, die die finanziellen Aspekte mit nachhaltigen Kriterien in Einklang bringen kann. Es geht uns um die Bewahrung der Schöpfung, und aus dieser Sichtweise heraus ist die Nachhaltigkeit der Geldanlage fast schon ein Pflichtprogramm für Stiftungen. Für Stiftungen lässt sich das in unseren Augen am besten durch einen Fonds umsetzen, bei dem wir uns um die Nachhaltigkeit kümmern und unser Partner Warburg Invest um den Rest.

DIE STIFTUNG: Wo grenzt sich Ihr Nachhaltigkeitskonzept von der Konkurrenz ab?
Wolf: Grundlage bilden natürlich die weltweit gültigen Nachhaltigkeitsrichtlinien der Steyler Missionare, die diese vor über 15 Jahren festgelegt haben. Mit der Rating-Agentur oekom research wurde das dann operationalisiert. Auf der Grundlage von 200 Kriterien erstellt  oekom research ein Umwelt-, Sozial- und Kulturrating von ca. 3.500 Unternehmen und knapp 60 Staaten und liefert die Basis für unser Anlageuniversum. Zusätzlich verfügen wir über einen Ethik-Anlagerat, bestehend aus Vertretern der Finanzwirtschaft und Wissenschaft und Moraltheologen. Er beobachtet und bewertet aktuelle Marktentwicklungen und gibt ganz konkrete Handlungsempfehlungen für den Kauf oder Verkauf von Titeln, da sich das Verhalten ja auch laufend ändern kann. Nachhaltigkeit ist nicht schwarz-weiß, sondern hat viele Graustufen und bedarf daher in vielen Fällen einer intensiven Auseinandersetzung und dynamischen Analyse. Im Ethik-Anlagerat bekommen wir auch die internationale Perspektive über unsere Ethik-Scouts gespiegelt. Die Scouts bestehen aus rund 100 ausgewählten Steyler Missionaren, die durch ihre internationale Projektarbeit das ethische Verhalten von Unternehmen vor Ort mit beobachten. Sie berichten an uns, wie ernst es Unternehmen mit der Nachhaltigkeit nehmen. Als Beispiel kann ich Anglo American nennen, den Bergbauriesen, den wir kürzlich komplett aus dem Anlageuniversum verbannt haben. Warum? Unsere Ethik-Scouts meldeten desaströse soziale und ökologische Auswirkungen des Mineroduto-Projekts, einer 530 km langen Eisenerz-Pipeline, die derzeit von Anglo American im Staat Minas Gerais in Brasilien gebaut wird. Bei der Aufarbeitung des Erzgesteins werden 2,5 Millionen Liter Wasser pro Stunde verbraucht. Darunter leiden geschätzt 950.000 Menschen sowie Fischfang, Landwirtschaft und Tourismus, da das gesamte Wasservolumen nicht recycelt wird, sondern ungefiltert mit allen Chemikalien in die Flüsse und ins Meer abfließt.

In solchen Fällen wollen wir dynamisch agieren und weichen dann auch von dem ab, was uns oekom research zunächst  zuliefert. Außerdem suchen wir in solchen Fällen den Dialog mit den betroffenen Unternehmen. Denn wir wollen, dass auch tatsächlich etwas passiert. Durch die Veröffentlichung der Missstände ist Druck auf die Unternehmen entstanden. Sie müssen reagieren, ihre Politik ändern und merken, dass sie unter Beobachtung stehen. Das gibt uns die Hoffnung, die Situation der Menschen verbessern zu können.

DIE STIFTUNG: Jetzt setzt Ihr Fonds auf eine 70-zu-30-Allokation. Ist eine weniger atmende Konstruktion noch zeitgemäß?

Wolf: Viele Stiftungen tun sich immer noch schwer mit höheren Aktienquoten, das belegen auch Gespräche mit der Stiftungsaufsicht. Wenn die Anlagerichtlinie einer Stiftung eher vorsichtig ausgelegt ist, wir aber eigentlich höhere Aktienquoten aufbauen wollen, dann würde das nicht zusammenpassen. Unser Fonds würde in dieser Sichtweise bei vielen Stiftungen einfach durch den Rost fallen.

DIE STIFTUNG: Wenn Sie die Quote von 30% Aktien ausschöpfen, was sind das dann für Aktien?
Wolf: Wir sind zunächst einmal in Standardwerten engagiert, dazu nutzen wir die Chance, auch im Mikrofinanzbereich anzulegen.

DIE STIFTUNG: Wie machen Sie das?
Wolf: Über einen öffentlich zum Vertrieb zugelassenen Fonds. Auf den Rentenbereich wirkt dieses Investment stabilisierend, hinzu kommt das entwicklungspolitische Moment, welches wir gerne im Portfolio berücksichtigen. Wir halten Anteile an Standardwerten, die bei den oekom-Ratings richtig gut abschneiden. Für uns sind das Basisinvestments, bei denen man auf die nachhaltige Rendite im Sinne des Bestands und der Beständigkeit des Unternehmens setzen kann. Auf der Rentenseite, die gut zwei Drittel des Depots ausmacht, sind wir teilweise abgesichert unterwegs, aber wir sehen keine Zinswende am Horizont. Die Ankaufprogramme der EZB haben ja gerade erst begonnen.

DIE STIFTUNG: In was für Anleihen sind Sie investiert?
Wolf: Zu 10% in der Peripherie, etwa Italien oder Spanien, vor allem aber in Anleihen europäischer Unternehmen. Der Anteil an Anleihen US-amerikanischer Unternehmen beläuft sich auf 7%. US-Staatsanleihen wandern aufgrund der Todesstrafenproblematik nicht ins Depot. Jedes Quartal bekommt der Fondsmanager von uns das Anlageuniversum zugeliefert, und nur in diesem darf er sich bewegen.

DIE STIFTUNG: Also gibt es einen Fondsmanager?
Wolf: Einen für die Rentenseite und einen für die Aktienseite.

DIE STIFTUNG: Aber verderben nicht viele Köche auch den Brei?
Wolf: Das kann ich so nicht bestätigen. Jeder ist in seinem Bereich ein Experte, würde einer alles machen, würde eine Sphäre sicherlich leiden.

DIE STIFTUNG: Auf welche Ausschüttungen können sich Stiftungen denn freuen?
Wolf: Ich denke, wenn wir auf zwischen 1,5 und 2,5% nach Kosten kommen, die wir einmal im Jahr ausschütten, wäre das angesichts des allgemeinen Umfelds ein gutes Ergebnis. Treiber hierbei sind Aktien und Wandelanleihen, künftig wird es eben weniger über die Anleiheseite kommen. Irgendwann wird zudem der Punkt kommen, an dem die Zinsen nachhaltig drehen, so schnell können Sie dann nicht reagieren. Wir müssen uns positionieren: Nur auf das zu warten, was passiert, wäre in meinen Augen der größere Fehler. In den vergangenen zwei Jahren konnte man reichlich stille Reserven aufbauen, das zeigt ja auch eine Vielzahl von Stiftungsfonds.

DIE STIFTUNG: Also müssen sich Stiftungen jetzt durchaus mal auf sieben magere Jahre einstellen?
Wolf: Für mich wird das so weit gehen, dass wir in ein paar Jahren bei Barreserven negative Zinsen sehen werden. Bei den Anleihen wird die Null also erstmal zur Normalität werden. Das wird kommen.

DIE STIFTUNG: Kann eine Stiftung all diese Rahmenbedingungen nachvollziehen?
Wolf: Transparenz ist für mich enorm wichtig, insbesondere weil ein Stiftungsvorstand wissen muss, was in seinen Anlagen passiert. Mehr noch als der Privatier, denn der wird ja nicht von der Stiftungsaufsicht oder dem Finanzamt kontrolliert.

DIE STIFTUNG: Und wie stehen Sie zu einer homogenen Anlegerschaft im Fonds? Für uns ist das ein Kern-Kriterium eines stiftungsgeeigneten Fonds.
Wolf: Wir sind natürlich sehr stark im kirchlichen Bereich aktiv, und derzeit stammt auch ein Großteil der Anleger aus diesem Segment. Bisher haben sich konkret fünf Stiftungen für ein Investment in den Fonds entschieden. Dazu wird unser Steyler Stiftungszentrum die von ihm verwalteten 25 Mio. EUR ebenfalls sukzessive in den Fonds investieren. Dahinter verbergen sich wiederum mehr als 200 Treuhandstiftungen, die aber jede für sich soziale Projekte unterstützt.

DIE STIFTUNG: Das ist eine schöne Basis, auch für gemeinnützige Stiftungen. Haben Sie vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

Quick Facts zum Steyler Fair und Nachhaltig Stiftungsfonds

WKN: A111ZH (Anteilsklasse R), A111ZJ (Anteilsklasse I, 500.000 EUR)

ISIN: DE000A111ZH7 (Anteilsklasse R), DE000A111ZJ3 (Anteilsklasse I, Mindestanlage: 500.000 EUR)

Verwaltungsgebühr: 1,2% (Anteilsklasse R), 1,0% (Anteilsklasse I)

Besonderheit: Über Verwaltungsgebühr werden ganz normal Fondsmanagement und Administration beglichen, die übrig bleibende Marge wird in ein Sozialprojekt investiert, analog zum Steyler Fair und Nachhaltig-Aktienfonds, bei dem dieser Mechanismus bereits zur Anwendung kommt. Zuletzt war dies hier ein Krankenhaus im Südsudan, das eine Solaranlage zum Betrieb des hauseigenen Stromversorgung gebaut hat. Etwas mehr als 40.000 EUR wurden hier aus der Verwaltungsgebühr zur Verfügung gestellt.

 

Norbert Wolf Norbert Wolf ist seit 1997 Geschäftsführer der Steyler Bank. Der verheiratete Vater von drei Kindern hat sich der Förderung von ethischem Handeln im Bankgeschäft verschrieben. Unter seiner Führung wandelte sich die Steyler Ethik Bank zu einem modernen Finanzdienstleister, der die ganze Palette von Bankdienstleistungen anbietet – vom Girokonto über Geldanlage und Baufinanzierungen sowie Versicherungen bis hin zur Einführung der Steyler Fair und Nachhaltig-Fondsfamilie und Gründung der Steyler Bank-Stiftung und des Steyler Stiftungszentrums. Selbstverständlich immer auf Grundlage der ethischen und nachhaltigen Integrität.

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