07.08.2014 | Von Die Stiftung

Öfter mal ne‘ 5 vor dem Komma

In Ausgabe 4/2014 von DIE STIFTUNG haben wir einen verkürzten Blick auf die Anlageergebnisse von Stiftungsfonds geworfen. Dabei weist die Vielzahl der stiftungsgeeigneten Produkte ordentliche Resultate aus. Viele Stiftungsfonds zeigen eine 5 vor dem Komma, wohlgemerkt für 6 Monate.

In Ausgabe 4/2014 von DIE STIFTUNG haben wir einen verkürzten Blick auf die Anlageergebnisse von Stiftungsfonds geworfen. Dabei weist die Vielzahl der stiftungsgeeigneten Produkte ordentliche Resultate aus. Viele Stiftungsfonds zeigen eine 5 vor dem Komma, wohlgemerkt für 6 Monate.
Von Tobias M. Karow



Nicht weniger als 5 Stiftungsfonds konnten in den ersten sechs Monaten 2014 mehr als 5% für ihre Anleger erwirtschaften. Das allein liegt schon oberhalb dessen, was Stiftungen für das Gesamtjahr von ihrer Kapitalanlage erwarten. 5% heißt aber auch, dass hier ganz offensichtlich mehr am Aktien- denn am Anleihemarkt agiert, dem Aktiensegment mehr Mut entgegengebracht wurde. Dafür spricht auch, dass weitere 7 Fonds mehr als 4% an Rendite eingefahren haben, insgesamt also gut ein Drittel der betrachteten Stiftungsfonds die durchschnittlichen Erwartungen von Stiftungen bereits überboten haben. Stiftungsfonds bzw. stiftungsgeeignete Fonds können eben doch, wider alle Skepsis, Ergebnisse produzieren, die Stiftungen helfen, ihre Ziele zu realisieren.

3,7% Wertzuwachs im Mittel
Im Mittel lag der Wertzuwachs bei 3,7%, wobei kein einziger Fonds die Minuszone gestreift hat. Fonds mit einer 1 vor dem Komma, wie der Nationalbank Stiftungsfonds oder der NV Strategie Stiftung bilden schon die Ausreißergruppe nach unten. Allerdings wiesen beide Fonds auch schon in den Vorjahren eher unterdurchschnittliche Performancezahlen aus. In keinem Jahr seit Beginn der Analyse konnte eines der beiden Produkte mehr als 2% erwirtschaften. Beide Fonds zählen vom Typ her zu den defensiven Produkten, jedoch könnte defensiv hier auch für übervorsichtig stehen. Zudem ist interessant, dass das durchschnittliche Fondsvolumen der Stiftungsfonds mittlerweile bei gut 180 Mio. EUR angesiedelt ist, wobei diese Angabe von den fünf Goliathfonds verzerrt wird. Ohne beispielsweise den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, den Deka Stiftungen Balance oder den DWS Stiftungsfonds liegt das Durchschnittsvolumen mittlerweile bei etwas mehr als 79 Mio. EUR. Auch wenn nicht in jedem Fonds nur Stiftungen investiert sind, scheinen Stiftungen die für sie geschaffene Produktkategorie mehr und mehr zu akzeptieren.

LunRo-Fonds
Spitzenreiter die Wertentwicklung betreffend ist der BKC Treuhand Portfolio. Noch im vergangenen Jahr stand hier gerade eine schwarze Null auf der Habenseite, jetzt stürmt der Fonds mit mehr als 6% Plus nach vorne. Der Chart des Fonds malt ein klassisches LunRo-Bild, der Preis des Fondswerts bewegt sich also von links unten nach rechts oben. Man könnte vermuten, dass diese tolle Wertentwicklung einem hohen Aktienanteil geschuldet ist. Dieser liegt aber nicht einmal bei 15%, weshalb andere Faktoren ausschlagend gewesen sein müssen. Das Anleiheportfolio jedenfalls ist interessant zusammengesetzt. Vor allem in den Rating-Bereichen BBB, BBB- und BBB+ wurden Papiere allokiert. Unter den Top-5-Ländern befinden sich neben Frankreich und Spanien auch Portugal und Mexiko. Letzteres ist mit einer bis 2023 laufenden Anleihe im Portfolio vertreten, hier sieht das Fondsmanagement also Chancen, die Risiken aus der Zinsveränderung heraus zu überkompensieren. Es macht richtiggehend Spaß, bei einzelnen Stiftungsfonds in die Portfolios zu blicken. Und mit gut 6% Performance kann jede Stiftung sehr gut leben, zumal am 17. Februar 3,11 EUR an die Anteilseigner ausgeschüttet wurden.

Draw downs im Griff
Ebenfalls mit gut 5% „vorne“ liegt der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Das Portfolio aus value-seitig interessant bewerteten Aktien konnte abermals einen schöne Zuwachs verzeichnen – mit einem einzigen Schönheitsfehler: Im Juli ging es ein wenig bergab, um gut 2% gab die Fondsnotierung nach, bei allerdings deutlich stärker reagierenden Aktienmärkten. Das Portfolio besteht aus Aktien. Metro ist ein Beispiel für eine unterbewertete Aktie, die dem Fondsmanagement um Frank Fischer gut gefallen. Ebenso Ciments Francais oder WMF, also Firmen mit einem klar definierten Geschäftsmodell sowie einer günstigen Bewertung, die Spielräume nach oben eröffnet. Genau dieses Potential ermäßigt das Risiko nach unten, denn Valuetitel wie im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen werden eben nicht zum fairen Preis erworben, sondern mit einem gehörigen Abstand dazu. Das macht den Ansatz so besonders und vor allem auch stiftungsgeeignet. Stiftungen erhalten in der A-Tranche zudem halbjährlich eine Ausschüttung. Außerdem wird mit einer atmenden Cashquote gearbeitet und die Investitionsquote je nach Marktlage nach oben und unten gefahren, um so die für Stiftungen kritischen draw downs im Griff zu behalten. Mit 4,8% Halbjahresergebnis ist ebenfalls der Fonds für Stiftungen Invesco auf dem richtigen Weg gewesen. Im Fonds überwiegen Aktien mit einem Anteil von gut 47%, Rentenpapiere werden mit lediglich einem Drittel gewichtet. Hinzu kommt ebenfalls noch eine Cashkomponente. Es fällt auf, dass die Top-Positionen von Anleihen besetzt werden, das Aktienengagement entsprechend recht kleinteilig zusammengefügt sein muss. Am Chart ist zudem die starke Phase zwischen April und Juni zu erkennen, in der fast drei Viertel der Erträge erwirtschaftet wurden. Die jüngste Schwäche an den Märkten hat sich auch noch kaum auf den Fondspreis ausgewirkt, was für die Aktienauswahl spricht.

Topbildung?
Beim Stiftungsfonds Westfalen wiederum fällt beim Blick auf den Kursverlauf eine Topbildung seit Anfang Juni 2014 auf, was darauf hindeutet, dass das Fondsmanagement die aktuelle Konsolidierung in irgendeiner Weise erahnt und sich dementsprechend aufgestellt hat. Der Chart ist davon geprägt, dass Kursrücksetzer sehr rasch wieder aufgeholt wurden – eine für Stiftungen wichtige Information. Ein Fonds, der 5% Kursrückschlag erleidet, und diesen erst über Jahre hinweg wieder aufholt, ist vielleicht zu vorsichtig unterwegs oder setzt im Nachgang des Kursrücksetzers auf eine falsch akzentuierte Allokation. Der Stiftungsfonds Westfalen schafft es aber, diese Schwächephasen schnell auszumerzen, was ein Qualitätskriterium ist. Gleiches gilt für den Warburg Stiftungsfonds, dessen Chart ebenfalls die Geschichte eines stetigen Aufwärtstrends erzählt. Geringe Schwankungen, stetige Zuwächse – auch dieser Chart ist der eines LunRo-Fonds. Selbst die jüngsten Durchhänger konnten dem Fonds bislang nichts anhaben. Vielleicht auch deshalb weil das Portfolio zu 70% aus Renten und nur 23% aus Aktien besteht. Ebenfalls investiert der Fonds in andere Fonds, was die Wertentwicklung im Fall der Fälle glätten kann. Größte Position ist ein ETF auf einen Euroland-Anleiheindex. Insofern also aktiv mit so einem passiven Instrument umgegangen wird, kann auch dies einem Stiftungsfonds gut zu Gesicht stehen.

DEKA-Fonds geben Gas
Richtig Gas gegeben haben auch die beiden DEKA-Fonds Stiftungen Balance und Kommunal Euroland Balance. Auch hier fing das Jahr etwas holprig an, aber ab Mitte April zündete der Fonds die zweite Stufe. Der Anstieg des Fondspreises erfolgte stetig und zeigte sogar dem hüstelnden Aktienmarkt die Stirn. Im Portfolio machen Anleihen etwa die Hälfte des Portfolios aus, Aktien wiederum werden mit gut 27% gewichtet. Eine fast schon klassische Allokation, die über die Kassehaltung Raum für eine konstruktive Haltung gibt im Falle eindeutiger Signale von Seiten der Märkte. Top-Positionen sind Bundesanleihen, tendenziell lang laufend bis ins Jahr 2022 hinein. Eine achtjährige Restlaufzeit spricht für Vertrauen darin, dass die Zinsen nicht schnell oder wenn doch nur marginal anziehen werden. Am Chart ist zudem noch keine Top-Bildung zu erkennen, wären die jüngst schwachen Tage an den Aktienmärkten nicht gewesen, der Fonds würde vermutlich auf Hoch notieren. In der Fünfjahres-Betrachtung fällt zudem auf, dass sich die Aufwärtsbewegung beschleunigt hat, der Aufwärtstrend also etwas steiler gestellt wurde. Auch das kann eine wichtige Information speziell für Stiftungen sein, denn ein Fonds, der immer wieder mal etwas mehr Momentum aufbaut, kann allokativ phasenweise wertvolle Beiträge zu den Erträgen liefern. Was auffällt, ist das, egal ob groß oder klein, die verschiedenen Investmentstile gute bis sehr gute Ergebnisse abgeliefert haben. Fast kein Fonds fällt nach unten aus dem Raster, Stiftungen hätten mit einer Mischung von vier bis fünf Stilen im ersten Halbjahr auf jeden Fall im Sinne ihrer Zweckerfüllung genügend Erträge erwirtschaften können. Auch sollten Stiftungen darauf achten, dass fast jeder Fonds zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt ausschüttet. Eine Stiftung also, die über Stil, Volumen und Art allokiert, kann zudem über die Ausschüttungsfrequenz diversifizieren und somit ihre Liquiditätssituation optimieren.

Fazit
Good Job, würden die Amerikaner sagen. Die meisten Stiftungsfonds dürften mit ihren Anlageergebnissen Zufriedenheit bei ihren Anlegern ausgelöst haben. Einmal stimmen die Zahlen vor dem Komma in den meisten Fällen, zum anderen verzeichneten fast alle Fonds nur niedrige Schwankungen, so dass Stiftungen in der Regel ruhig geschlafen haben dürften. Aber, wie immer, gibt es auch eine andere Seite der Medaille. Die Schwankungsarmut könnte auch als Ruhe vor dem Sturm gedeutet werden. Erst kürzlich wies eine Studie darauf hin, dass neue Belastungstests für Banken im Herbst neue Schockwellen an den Märkten auslösen könnten. Dann dürfte so ein bisschen Speck am Stiftungsfondsgürtel ziemlich nützlich sein.

 

 

Lesetipp: Die detaillierte Halbjahresanalyse zu den von DIE STIFTUNG analysierten Stiftungsfonds finden Sie im Rahmen der Fonds-Rubrik in der Stiftungsfonds-Tabelle in der aktuellen Ausgabe 4/2014.

Lesetipp II: Im Interview erörtert Dennis Bützer, Fondsmanager des Sarasin Fairinvest Universal, den Ansatz hinter dem Fonds und beschreibt die Herausforderungen in der Asset Allocation.

Lesetipp III: Auch in diesem Jahr hat Renditewerk den ‚Stiftungsfonds des Jahres 2014’ ausgezeichnet.

 

Über Fragen, Anregungen oder Kritik freut sich Verlagsleiter und Stiftungsfondsexperte Tobias Karow unter karow@die-stiftung.de

Artikel teilen