01.09.2015 | Von Die Stiftung

„Warum sollen Stiftungen nicht Vorreiter sein?“

DIE STIFTUNG diskutiert mit Dr. Stefan Arneth, Dr. Christoph Bruns, Marc Decker, Klaus-Dieter Erdmann, Nils Hemmer & Achim Lange über das richtige Risikomanagement in stiftungsgeeigneten Fonds, die richtigen Aktienquoten in Stiftungsfonds und wie eine 500.000-EUR-Stiftung heute in Fonds allokieren sollte.

DIE STIFTUNG diskutiert mit Dr. Stefan Arneth, Dr. Christoph Bruns, Marc Decker, Klaus-Dieter Erdmann, Nils Hemmer & Achim Lange über das richtige Risikomanagement in stiftungsgeeigneten Fonds, die richtigen Aktienquoten in Stiftungsfonds und wie eine 500.000-EUR-Stiftung heute in Fonds allokieren sollte.
Von Tobias M. Karow

DIE STIFTUNG: Eurokrise, Griechenland-Pleite, Staatsschuldenexzesse. Das Umfeld liest sich wie ein einziges Meer an Unwägbarkeiten. Wie sollen Stiftungen damit umgehen?
Dr. Christoph Bruns: Uns stehen magere Jahre bevor. Die Zinshausse ist vorüber, und das ist das bestimmende Thema an den Märkten. Dagegen ist Griechenland ein Zwerg, es spielt hier eigentlich keine Rolle. Wichtiger ist aber das Thema Zinswende, und die ist gerade für Stiftungen elementar. Es gibt keinen Zins mehr, daher müssen Stiftungen radikal umdenken.

DIE STIFTUNG: In der Tat: magere Jahre. Unterschreiben Sie das?
Dr. Stefan Arneth: Für die nächste Zukunft, ja. Wenn ich alles unter 4% Zins als Niedrigzins definiere, dann werden wir in der Tat magere Jahre vor uns haben. Eine nachhaltige Zinswende sehe ich nicht. Zinsanstiege könnten ein großes Risiko sein. Je stärker der Zins steigt, desto höher sind die Kursverluste. Und je nachdem, wie die Stiftung aufgestellt ist, schlägt das auch deutlich auf die Gewinn- und Verlustrechnung durch.
Klaus-Dieter Erdmann: Wobei ja steigende Zinsen zuerst auf den Schuldner durchschlagen und der größte Schuldner von allen jetzt noch mehr Schulden anhäuft. Da frage ich mich schon, wie das noch funktionieren soll.
Achim Lange: Das Entscheidende in dem Moment ist die Frage, wie das inflationäre Umfeld aussieht. Faire Aktienmarktbewertungen dürften wir schnell über Abdiskontierungsmodelle bekommen. An den Rentenmärkten das faire Zinsniveau zu bestimmen, das ist schon schwieriger. Nehmen wir die aktuelle Inflationsrate plus 100 Basispunkte bei der Zehnjahresrendite, dann sind wir hier vielleicht nahe dran. Aber diese Überlegungen sind für Stiftungen nicht so relevant, denn sie kaufen eine Anleihe zu 100, bekommen bei Fälligkeit wieder 100, und zwischendurch gibt’s den Kupon.
Bruns: Aber glauben Sie, dass es eine Rückkehr zur Normalität geben kann? Glauben wir daran, dann wird es einen Zinscrash geben, wenn nein, dann müssen wir radikal umdenken, denn dann ist die Zinsanlage gegenüber der Eigenkapitalanlage, also der Aktie, nahezu tot.

Fonds
Marc Decker ist Gründungsmitglied und als Prokurist und Senior Portfoliomanager für die SKALIS Asset Management AG mit den Schwerpunkten Unternehmensanleihen, Covered Bonds und Geldmarktprodukte tätig.

Marc Decker: Wir denken nicht, dass uns die Zinswende unmittelbar bevorsteht. Was wir in den vergangenen Monaten gesehen haben, war ein kurzer Anstieg des Zinses, der jedoch nicht nachhaltig sein dürfte. Sollte er es sein, dann können wir uns ausmalen, welche Schmerzen dies beispielsweise in Stiftungsdepots verursacht. Natürlich verbessert ein Zinsanstieg die Möglichkeiten, fällig werdende Wertpapiere wieder im Anleihebereich zu reinvestieren. Nichtsdestotrotz müssen sich Stiftungen für die Gesamtheit ihrer Anlagen dem Problem der Ertragsgenerierung stellen, um ihren Stiftungszweck nachhaltig erfüllen zu können. Zinspapiere können das derzeit und auf absehbare Zeit leider nicht in ausreichendem Maße leisten. Somit bleiben die Themen Zinswende bzw. anhaltend niedrige Zinsen für Stiftungen so oder so von elementarer Relevanz.
Nils Hemmer: Wir sehen das ähnlich. Stiftungen sind durch das niedrige Zinsumfeld stark beeinträchtigt, aber auch von einer Zinswende wären sie betroffen. Aktuell führt die Wiederanlage eines fälligen festverzinslichen Wertpapiers automatisch zu einem deutlich geringeren Zinsertrag. Damit sinkt in der Regel auch das Fördervolumen der jeweiligen Stiftung. Um dies zu vermeiden, ist es erforderlich, dass auch Stiftungen kontrolliert Marktrisiken eingehen. Viele Stiftungen haben hier ja auch bereits reagiert und ein sehr breit diversifiziertes Portfolio mit verschiedenen Anlageklassen aufgebaut.

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