23.06.2017 | Von Die Stiftung

Stiftungsfonds: „Eine ganze Reihe Vorurteile“

DIE STIFTUNG lud am 30. Mai zum Gesprächskreis Stiftungsfonds nach Frankfurt. (Urheber: DIE STIFTUNG/Julia Laumer)

Frankfurt als Deutschlands Finanzplatz schlechthin bot die ideale Kulisse für den zweiten Gesprächskreis Stiftungsfonds in diesem Jahr, den DIE STIFTUNG gemeinsam mit Funds Excellence ausrichtete. Zum ersten Mal im Haus am Dom konnten wieder 30 anwesende Vertreter von Stiftungen mit Fondsexperten im bewährten Format in den Dialog treten.

Das Ziel, auch kleinere Stiftungen ohne entsprechend profundes Wissen in der Kapitalanlage zu befähigen, solide Entscheidungen zu treffen, wurde zunächst durch Lars Schmidt vorbereitet. Der Spezialist für Kapitalanlage bei Rittershaus Rechtsanwälte ging in seinem Vortrag auf die rechtlichen Grundlagen des Fondsinvestments ein, vermittelte ausführlich die Möglichkeiten, Handlungsspielräume und dessen Grenzen sowie die Pflichten des Vorstands einer Stiftung. Er wies auch darauf hin, dass es sehr viele Vorurteile gebe, was für einen Stiftungsvorstand in der Kapitalanlage erlaubt sei und was nicht.

In der Realität gebe es hingegen kaum rechtlich bindende Regulierungen – außer der Handlungsmaxime, dass Entscheidungen über die Vermögensanlage grundsätzlich „dem pflichtgemäßen Ermessen des Stiftungsvorstands“ obliegen. Dies ist schlicht die Konsequenz aus der dauernden und nachhaltigen Erfüllung des Stiftungszwecks, zu dessen Umsetzung die Kapitalanlage erfolgen solle. Außerdem erläuterte er die Struktur und die rechtlichen Rahmenbedingungen von offenen und geschlossenen Fondsprodukten.

Im Anschluss ging Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der MMD Multimanager GmbH, auf die Kriterien der Auswahl und Kombination von Stiftungsfonds ein. Ausführlich beschäftigte er sich mit dem Thema „Kosten“, um ein wenig das Vorurteil zu revidieren, Stiftungsfonds seien per se teuer. Außerdem erläuterte er die Risikoklassifizierung und Kriterien zur Stiftungseignung von diversen Fonds. Ein Fonds ist demnach für eine Stiftung als Anlageinstrument geeignet, wenn er ausgewogen investiert ist, eine regelmäßige und planbare Ausschüttung liefert, defensiv ausgerichtet ist und zudem ein geringes Risiko aufweist. Auch Transparenz, einfache Bilanzierung und stiftungsadäquate, sprich relativ niedrige Kosten seien Kriterien, die einen Fonds zum Stiftungsfonds machen – nicht jedoch die bloße Bezeichnung „Stiftungs….“ im Namen des Produkts. Hier sollten Stiftungen sorgfältig hinsehen und sich nicht von Marketing-Hülsen blenden lassen.

Vier Stiftungsfonds, vier Strategien

Nach dieser Einführung startete nach einer kleinen Pause dann die Gesprächsrunde. Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas stellte den BKC Treuhand Portfolio vor, einen Mischfonds, der gemäß einer strategisch festgelegten Allokation investiere und sich nicht von Prognosen zu Marktentwicklungen beirren lasse. „Wir glauben an Kaufkraftparitäten, auch wenn Trump das nicht versteht“, meinte er zu der latenten Gefahr einer Entwicklung hin zum Protektionismus in den USA. Auch werde in diesem Fonds, der viele kirchliche Gelder verwalte, großer Wert ökologische und soziale Nachhaltigkeit gelegt.

Dieter Ewald von Frankfurt Trust stellte einen Fonds vor, der komplett neu für Stiftungen aufgelegt wurde und als Aktienfonds zwar etwas risikofreudiger investiere, dafür aber ein Wertsicherungskonzept beinhalte, um das Verlustrisiko für Stiftungen zu begrenzen. „So kann man als Stiftung ruhig schlafen, erhält aber dennoch durch die Dividendenrendite planbare Ausschüttungen von etwa 3,6 Prozent pro Jahr“, fasst er die Vorteile dieser Strategie zusammen. Denn neben dem volkswirtschaftlichen Umfeld fließen in die Selektion der Investments auch gewisse Stimmungsindikatoren ein sowie die geopolitische Lage. Dadurch könnten Chancen genutzt werden.

Julien Schütte von Lampe Asset Management hatte mit dem LAM-Stifterfonds einen Klassiker unter den Stiftungsfonds im Gepäck: Einen sehr ausgewogenen Mischfonds, der breit gestreut über diverse Anlageklassen und Regionen investiert, und dabei Großteils in Staats- und Unternehmensanleihen, aber zu je einem Viertel auch in Aktien und gedeckte Wertpapiere investiert. „Wir haben eine sehr aktiv gemanagte Anlagestrategie und erwirtschaften so 2 Prozent Rendite pro Jahr. Und das in Kombination mit einem sehr profunden Nachhaltigkeitsansatz – hier arbeiten wir seit Jahren mit Oekom research zusammen, denn Nachhaltigkeit ist nicht nur positiv für die Gesellschaft und Umwelt, sondern ein zusätzlicher Risikofilter“, erklärte er.

Der Pioneer Funds – European Equity Target Income wiederum, den Christoph Schwarzmann von Pioneer Investments vorstellte, ist ein reiner Aktienfonds. Er ist für Stiftungen geeignet, um den Aktienanteil im Portfolio aktiv und kenntnisreich gemanagt abzubilden. Zwar unterliege der Fonds größeren Schwankungen als ein defensiver Mischfonds, dafür seien auf die Ausschüttungen zwischen 6 und 7 Prozent pro Jahr deutlich höher. „Unser Fonds ist natürlich nicht zur Alleinanlage ihres gesamten Stiftungsvermögens geeignet, aber wir sind sozusagen die Sahne auf dem Portfolio. Denn wir erzielen mit dem Fonds die Erträge, die Sie anderweitig nicht mehr verdienen können – vor allem nicht, wenn Sie sich auf Anleihen konzentrieren.“

Objektgerecht bedeutet nicht immer objektiv

Schwarzmann betonte auch, dass man als Stiftung Wert auf Neutralität in der Beratung legen sollte. „Schauen Sie genau hin, wenn Ihnen jemand ein Produkt anbietet. Denn gerade bei vermeintlich kostenfreier Beratung durch Bankberater stecken doch oft versteckte Kosten dahinter.“ Die bereits von Lars Schmidt angemahnte „objektgerechte Beratung“, zu der Finanzberater verpflichtet seien, bedeute nicht zwangsläufig auch eine „objektive Beratung“.

In der anschließenden offenen Diskussion wurden unter anderem der Einsatz von Derivaten oder der Anteil von Fremdwährungen oder Gold im Portfolio der Fonds diskutiert. Es zeigte sich, dass einige Teilnehmer im Publikum sich bereits intensiv mit diesen Themen beschäftigen und sich auch nicht scheuten, den anderen Stiftungsvertretern Tipps und Hinweise zu geben. Auch die Fondsmanager profitierten von den Kommentaren der Stiftungen und konnten Anregungen mitnehmen. Der Austausch sowohl zwischen Publikum und Experten, als auch unter den Gästen, wurde beim anschließenden Imbiss fortgesetzt, und zeigte einmal mehr die Freude an Dialog und Netzwerken im Stiftungsbereich.

Die Präsentationen der beiden Referenten sowie Informationen zu den vorgestellten Fonds finden Sie hier zum Download:

Vortrag Lars Schmidt

Vortrag Klaus-Dieter Erdmann

Informationen Bank für Kirche und Caritas eG

Informationen Frankfurt Trust Asset Management

Informationen Lampe Asset Management

Informationen Pioneer Investments Kapitalanlagegesellschaft mbH

Nächster Gesprächskreis Stiftungsfonds in Berlin

Der nächste Gesprächskreis Stiftungsfonds wird am 10. Oktober 2017 in Berlin stattfinden – im Haus Deutscher Stiftungen. Unter events@die-stiftung.de können Sie ihre Teilnahme bereits jetzt vormerken.

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