21.07.2015 | Von Die Stiftung

„Eine regelmäßige Ausschüttung kommt erst an zweiter Stelle“

DIE STIFTUNG: Eine Stiftungstranche für den Bantleon Opportunities S – wie kam es dazu?
Jörg Schubert: Zahlreiche Stiftungen haben in den vergangenen Jahren den Wunsch nach einer Stiftungstranche geäußert, weil ihre Anlagevolumina für die institutionellen Tranchen nicht groß genug sind. Deshalb haben wir im Mai 2015 von Bantleon Opportunities S eine Tranche für Stiftungen aufgelegt, deren Verwaltungsvergütung mit 0,80% deutlich unterhalb der Vergütung für die Privatanlager-Tranche von 1,20% liegt. Die Mindestanlage für die Stiftungstranche beträgt 250.000 EUR.

DIE STIFTUNG: Ist die Ausschüttung für Sie das wichtigste Kriterium für die Stiftungseignung eines Fonds?
Schubert: Eine regelmäßige Ausschüttung ist wichtig, aber erst an zweiter Stelle. Zunächst muss der notwendige Ertrag erst einmal erzielt werden und zwar nachhaltig. Ein für Stiftungen geeigneter Fonds sollte – wie auch ein Fonds für institutionelle Anleger – vor allem einen zuverlässigen Ertrag erzielen. Wichtig dafür ist ein hochqualitatives Fondsinventar aus Top-Staatsanleihen und Standardaktien, die auch in Phasen massiver Marktverwerfungen liquide bleiben. Nachranganleihen sowie Anleihen und Aktien aus Schwellenländern sind entweder gar nicht oder bestenfalls in Verbindung mit einem soliden Basisportfolio als temporäre Beimischung geeignet. Das gleiche gilt für Rohstoffe und Fremdwährungen.

DIE STIFTUNG: Müssen sich Stiftungen nicht eigentlich weniger vom Duktus Stiftungsfonds als vielmehr stiftungsgeeignet leiten lassen?
Schubert: Das ist ein wichtiger Punkt. Institutionelle Investoren haben besonders hohe Ansprüche an Kapitalanlagen und prüfen Investments vorher sehr gründlich. Dabei lassen sie sich nicht von klangvollen Bezeichnungen blenden. Viele Stiftungen haben zwar nicht die Kapazitäten institutioneller Investoren, sollten Fonds aber auf jeden Fall anhand eines Kriterienkatalogs prüfen, bevor sie investieren.

DIE STIFTUNG: Wie belegen Sie die Stiftungseignung Ihres Fonds?
Schubert: Bantleon Opportunities S investiert in die Basisanlageklassen Top-Staatsanleihen und Standardaktien. Dieses hochqualitative Fondsinventar bewirtschaften wir sehr aktiv und sicherheitsorientiert. Mit unserer konsequenten Orientierung am Konjunkturzyklus ist es uns in den vergangenen sieben Jahren gelungen, in den meisten Aufschwungphasen von Aktien und Anleihen investiert zu sein und die Abschwungphasen weitgehend zu meiden. Damit haben wir auch in den schwierigen Jahren 2008 und 2011 einen attraktiven positiven Ertrag erzielt. Nur im Jahr 2014 haben wir die Aktienbestände vor dem Hintergrund der Ukrainekrise – im Nachhinein unnötigerweise – verkauft und mussten sie später teurer zurückkaufen. Das hat zu einem Verlust der Aktienquote geführt, den wir aber durch gutes Anleihemanagement ausgleichen konnten. Unter dem Strich steht seit Auflegung von Bantleon Opportunities S im Februar 2008 ein durchschnittlicher Ertrag von mehr als 5% pro Jahr.

DIE STIFTUNG: Wie reagieren Sie aktuell auf den Druck auf die deutsche Staatsanleihe?
Schubert: Als aktiver Durationsmanager haben wir schon früh die Laufzeit des Anleihenportfolios von Bantleon Opportunities S stark verkürzt und den Fonds damit gegen Kursverluste abgesichert. Weil wir von weiter steigenden Renditen bei deutschen Bundesanleihen ausgehen, kann diese Positionierung noch etwas anhalten. Sobald die Renditen wieder fallen, werden wir jedoch die Laufzeiten wieder stark verlängern, um Kursgewinne zu erwirtschaften.

DIE STIFTUNG: Auf was müssen sich Stiftungen einstellen, die vor allem in Anleihen investiert sind? Ist das dort überhaupt noch zu handhaben?
Schubert: Ein Direktinvestment in Anleihen ist im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehr anspruchsvoll, weil die niedrigen Kupons fast keinen Schutz mehr gegen Kursverluste bieten. Da brauchen Stiftungen schon eine sehr zuverlässige Zinsprognose, um Verluste im Anleihenportfolio zu vermeiden. Mit Blick auf die anziehende Konjunktur in der Eurozone sollten aktive Manager im weiteren Jahresverlauf noch von moderaten Kursgewinnen bei Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen profitieren können. Unabhängig davon sind Bundesanleihen und andere Top-Staatsanleihen derzeit wegen tendenziell steigender Zinsen zwar nicht attraktiv, können aber innerhalb weniger Stunden zur am meisten gefragten Anlageklasse werden, wenn einer der globalen Krisenherde eskaliert.

DIE STIFTUNG: Herr Schubert, haben Sie vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

Porträt Jörg Schubert Presse 20141119Jörg Schubert ist Vorstand Kundenbetreuung und Leiter Investment Solutions des Anleihemanagers Bantleon.

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