22.09.2014 | Von Die Stiftung

„Transparenz muss nach vorne gedacht werden“

Die Anlage des Grundstockvermögens entwickelt sich für Stiftungen zur zunehmend zähen Herausforderung. DIE STIFTUNG erörterte mit fünf Experten gangbare Ansätze für Stiftungen, dem Dilemma zu entkommen, einerseits im denkbar widrigen Kapitalmarktumfeld Erträge zu erwirtschaften, gleichzeitig aber auch die Risiken von Vermögenseinbußen zu minimieren.

Die Anlage des Grundstockvermögens entwickelt sich für Stiftungen zur zunehmend zähen Herausforderung. Schon heute können zahlreiche Stiftungen ihren Zweck mangels Erträgen nicht erfüllen. Schlimmer noch: Es drohen letztlich existenzielle Risiken, denn selbst der Kapitalerhalt ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen kein Selbstläufer. DIE STIFTUNG erörterte mit fünf Experten gangbare Ansätze für Stiftungen, dem Dilemma zu entkommen, einerseits im denkbar widrigen Kapitalmarktumfeld Erträge zu erwirtschaften, gleichzeitig aber auch die Risiken von Vermögenseinbußen zu minimieren.

 

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Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer MMD Multi Manager GmbH

DIE STIFTUNG: Herr Erdmann, was unterscheidet denn einen Stiftungsfonds nun ganz genau von nicht für Stiftungen geeigneten Fonds, und was müssen Stiftungsfonds unabdingbar leisten?
Klaus-Dieter Erdmann: Ein Stiftungsfonds ist aus unserer Sicht ein Fonds, der wie andere auch eine Vermögensverwaltung abbildet, sich dabei aber an den üblichen Vorgaben für die Anlage von Stiftungsgeldern orientiert und diese in seinen Anlagerichtlinien berücksichtigt. Also klassisch vermögensverwaltend, defensiv gemanagt. Aber nicht jeder Fonds, auf dem Stiftung draufsteht, scheint uns wirklich geeignet für Stiftungen. Letztlich kann man diese Frage nicht pauschal beantworten, sondern muss sich jeden Fonds einzeln anschauen, wie er zu den Anforderungen der einzelnen Stiftungen passt, die ja häufig besondere Anforderungen zum Beispiel an die Nachhaltigkeit stellen. Nicht zu vergessen: Stiftungsfonds sollten mit geringeren Kosten verbunden sein. Performancegebühren halten wir nicht für stiftungsgeeignet.

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Christian Jasperneite, Chief Investment Officer M.M. Warburg & Co.

DIE STIFTUNG: Also sprechen wir vorwiegend von defensiven Fonds. Sind sich alle einig, dass defensive Fonds wirklich am besten geeignet sind – und wie definieren Sie defensiv heutzutage eigentlich?
Christian Jasperneite: Defensiv ist tatsächlich ein ganz wichtiges Wort in diesem Kontext. Nur darf man das nicht automatisch gleichsetzen mit einer Aktienquote, die niemals über 25% steigen darf.
Stefan Arneth: Das sehe ich ähnlich. Der Fonds sollte in der Lage sein, in Krisen oder bei schnellen Marktveränderungen Verluste zu begrenzen und zumindest eine schwarze Null realisieren. Wir steuern die Quoten in risikobehafteten Anlageklassen immer vor dem Hintergrund des verfügbaren Risikobudgets. Und hier wäre es zu einseitig, nur auf die Aktienquote zu schauen. Die Risiken von verzinslichen Papieren, insbesondere von Unternehmens- und Fremdwährungsanleihen, müssen ebenfalls vom Risikobudget gedeckt sein.

DIE STIFTUNG: Darauf zielt die Frage. Stiftungen verbinden Defensive mit Aktienquote und Ablehnung von Derivaten. Aber was genau ist heutzutage tatsächlich defensiv?
Jasperneite: Defensiv ist ein Stiftungsfonds, wenn er hinsichtlich seiner Risikosteuerung so aufgestellt ist, dass er nicht konstruktionsbedingt ins offene Messer läuft. Das heißt also, ein Fonds, der eine statische Aktienquote von 30 oder 40% hat, die auch statisch gehandhabt wird und nicht von Überlegungen welcher Art auch immer dynamisch gemanagt wird, hat ein hohes Risiko. Wir meinen, dass ein Fonds heutzutage die Möglichkeit haben muss, taktisch zu allokieren. Diese Taktik kann dann genutzt werden, einen defensiven Charakter herzustellen, aber eben auch, um in ruhigen Zeiten die Aktienquote über das genannte Maß hinaus zu erhöhen. Bislang gilt ja eine Marke von 30% als Obergrenze, vielleicht wird sich das in Zukunft ändern – oder die Änderung ist bereits im Gange. Defensiv darf man also nicht an der Aktienquote festmachen, sondern vielmehr an den Mechanismen, wie sie gesteuert wird.

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