12.12.2014 | Von Die Stiftung

Im Gespräch mit Klaus-Dieter Erdmann (MMD Multi Manager GmbH) über Manager- statt Marktmeinung und die Vorteile eines Dachfondskonzepts

DIE STIFTUNG: Hinter dem Fonds VMF steckt mehr als drei Buchstaben. Was genau?
Klaus-Dieter Erdmann: Letztlich standen zwei Überlegungen dahinter. Stiftungen überlegen ja sehr stark, ob sie Anlageentscheidungen selbst vornehmen oder delegieren sollen. Wenn eine Stiftung delegiert, hat sie das Risiko auf einen Manager, einen Kopf konzentriert. Der kann aber auch mal falsch liegen, weshalb wir der Meinung sind, Stiftungen sollten mehrere Köpfe zu Rate ziehen, wenn sie delegieren. Darüber wiederum sollte es auch zu einer Streuung über verschiedene Investmentstile hinweg kommen, um die Gefahren großer Schwankungen zu reduzieren. Der andere Aspekt war, Stiftungen eine Lösung aus einer Hand anzubieten, die für sie auch den buchhalterischen Aufwand reduziert. Kauft eine Stiftung den Fonds, sind es nur noch wenige Buchungen, die im Jahr gemacht werden müssen. Einmal für den Kauf der Anteile, und dann pro Jahr zwei weitere Male, um die Ausschüttungen zu erfassen.

DIE STIFTUNG: Das ist dann schon relativ dicht dran an der eierlegenden Wollmilchsau.
Erdmann: Ganz so euphorisch wäre ich nicht. Eine Stiftung mit 500.000 EUR Vermögen ist für mich nicht individuell verwaltbar, weshalb eine Fondslösung viele Probleme einer Stiftung lösen kann. Da wir zudem die Fondsmanager kennen, können Stiftungen davon ausgehen, über den VMF gute Manager von Stiftungsfonds und stiftungsgeeigneten Fonds im Depot zu haben. Wir schauen quantitativ nach Wertentwicklung, Kursabschlägen und Verlustperioden, aber auch qualitativ danach, wie stabil und stringent der Anlageprozess des Fondsmanagers ist, wie gut dessen Infrastruktur und vor allem auch dessen Reputation ist.

DIE STIFTUNG: Also brauchen Sie letztlich eine Manager- statt einer Marktmeinung?
Erdmann: Genau, denn die Manager sind ja Spezialisten auf die Märkte bezogen. Wenn ich weiß, welcher Manager in welcher Marktphase performt, ist das für den VMF schon die halbe Miete.

DIE STIFTUNG: Jetzt kommt das große Aber: Der Fonds ist ein Dachfonds, und da denken Anleger wie auch Stiftungen sofort an Kostenkaskaden.
Erdmann: Das ist sicher richtig, aber gerade an den Kosten haben wir ordentlich geschraubt. Einmal reduzieren wir die Kosten auf der Ebene der Zielfonds, indem wir in institutionelle Tranchen investieren, also zu Kosten weit unterhalb der für Stiftungen normalerweise zugänglichen Publikumstranchen. Zum anderen haben wir mit Depotbank, Kapitalverwaltungsgesellschaft und uns als externem Berater drei Akteure, die sich sehr zurückgehalten haben bei den Kosten. Wir sprechen also von Verwaltungskosten auf Dachfondsebene in Höhe von insgesamt ca. 0,36%.

DIE STIFTUNG: Welche Fonds sind denn aktuell enthalten?
Erdmann: Momentan haben wir acht Fonds aufgenommen, unter anderem aus dem Stiftungsfondsbereich den LAM Stifterfonds und den MEAG Fair Return. Aus dem Bereich der stiftungsgeeigneten Fonds sind es beispielsweise der 4Q-Income Fonds und der StarCap Winbonds Plus.

DIE STIFTUNG: Wie haben Stiftungen bislang auf den Fonds reagiert?
Erdmann: Die schönste Rückmeldung hatte ich erst vor kurzer Zeit, als ich den Fonds auf einem Gesprächskreis vorgestellt hatte: Dort sagte mir die Geschäftsführerin einer Stiftung, sie hätte mich vor drei Wochen kennen lernen müssen, denn jetzt hätte sie bereits ein individuelles Mandat vereinbart. Das war schon eine interessante Erfahrung, wenn man sieht, welchen Aufwand auch eine 500.000-EUR-Stiftung auslösen kann und wie sich dieser aber relativ einfach weitgehend vermeiden lässt.

DIE STIFTUNG: Investieren denn Stiftungen unter ihresgleichen?
Erdmann: Das kann ich eindeutig bejahen. Der Großteil der aktuell 13 Mio. EUR Fondsvolumen wird von Stiftungen gehalten, und wir gehen mit dem Produkt auch eigentlich nur auf Stiftungen zu. Die Idee ist aus Gesprächen mit Stiftungen entstanden, das Konzept auf Stiftungen zugeschnitten, da weiß ich dann gar nicht, warum Stiftungen nicht auch die wesentliche Investorengruppe im Fonds sein sollen. Mir ist das auch wichtig, dass Stiftungen nicht immer nur als Anhängsel in Fonds angesprochen werden. Das kommt mir in der Branche immer häufiger noch zu kurz.

DIE STIFTUNG: Aber wir arbeiten daran, dass Stiftungen hier eine stärkere Lobby haben. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Erläuterungen.

Das Interview führte Tobias M. Karow

 

KD Erdmann_klein

Klaus-Dieter Erdmann ist Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH, einem Research- und Beratungshaus für aktiv gemanagte Fonds. In dieser Funktion ist er auch Fondsmanager des Vermögensmanagement-Fonds (VMF) für Stiftungen.

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