16.01.2015 | Von Die Stiftung

„Weniger anfällig“

DIE STIFTUNG: Sie haben vor gut 15 Monaten das Fondsmanagement des MEAG Fair Return übernommen. Wie würden Sie Ihren Anlagestil beschreiben?
Stefan Amenda: Wir führen das erfolgreiche Konzept der letzten Jahre fort. Vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfeldes vor allem in der Eurozone haben wir den Ansatz jedoch weiter entwickelt und noch breiter ausgelegt.  Bis Mitte 2013 war das Portfolio auf der Rentenseite stark fokussiert auf die Eurozone. Mit dem verbesserten Ansatz ist das Portfolio nun internationaler aufgestellt und somit noch stärker diversifiziert. Zahlreiche Rentenmärkte außerhalb der Eurozone bieten attraktive Renditen bei vertretbarem Risiko. So haben wir beispielsweise unsere Positionen in US-Dollar in den letzten Monaten deutlich erhöht. Auch  in Osteuropa haben wir Anlagen aufgebaut. In Ländern wie Polen oder Ungarn sind die Zinsen im Vergleich zu Deutschland deutlich höher und die Märkte insgesamt aussichtsreicher. Neuen Assetklassen wie Unternehmensanleihen haben wir ein noch höheres Gewicht gegeben, ebenfalls Papieren aus den Emerging Markets.Darüber hinaus haben wir auch das Risikomanagement deutlich verbessert. Wir verfolgen hier ein Value at Risk-Konzept und versehen jede einzelne Assetklasse, in die wir investieren, mit einem eigenem Risikobudget. .

DIE STIFTUNG: Sie sagen, Sie investieren jetzt stärker auch in Emerging Markets. Passt das denn zum konservativen Ansatz des Fonds?
Amenda: Die Bedeutung der Schwellenländer für die Weltkonjunktur nimmt insgesamt zu. Während sich die Konjunktur in Europa nur moderat erholt, sollten Emerging Markets in den nächsten Jahren deutlich stärker wachsen. Zahlreiche Schwellenländer verfügen darüber hinaus mittlerweile über eine deutlich niedrigere Verschuldung im Vergleich zu den entwickelten Volkswirtschaften. Bessere Fundamentaldaten und höhere Wachstumsraten werden daher auch zu Bonitätsverbesserungen bei den Ratinggesellschaften führen. Gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bieten Emerging Markets eine gute Alternative zu den Rentenmärkten vor allem in Europa und den USA. Natürlich gibt es auch Risiken in Emerging Markets, wie die aktuelle Krise in Russland oder die Krise in der Türkei 2013. Hier ist es wichtig, dass jedes Investment sehr genau geprüft wird. Analog zu den anderen Assetklassen vergeben wir auch für Investments in Emerging Markets jeweils eigene Risikobudgets, die wir strikt einhalten. Durch die stärkere Diversifikation machen wir den Fonds insgesamt weniger anfällig für Verwerfungen an den Märkten.

DIE STIFTUNG: Können Sie uns auch noch etwas zur Aufstellung im Aktienbereich verraten?
Amenda: Bezüglich unserer Aktieninvestments sind wir derzeit sehr zurückhaltend. Wir erwarten auf Sicht der nächsten Monate unterdurchschnittliche Erträge aus Aktien, der Aktienanteil liegt momentan bei 5%. Gleichwohl können wir uns vorstellen, dass 2015 ein gutes Aktienjahr wird und wir die Quote in den nächsten Monaten in Richtung 10% erhöhen werden. Ausgehend von den USA erwarten wir zudem moderat steigende Zinsen, die entscheidende Frage ist, wann das passieren wird. Unserer Meinung nach wird es Mitte des Jahres den ersten Zinsschritt nach oben und damit eine erste sichtbare Normalisierung der Geldpolitik geben. In Europa werden die Zinsen ebenfalls leicht steigen, aber das wird bei Zinsen nur knapp über null auch niemanden überraschen.

DIE STIFTUNG: Haben Sie vor dem Hintergrund eine Indikation für die Ausschüttung?
Amenda: Bei der für Stiftungen aufgelegten Tranche des MEAG FairReturn werden wir die Ausschüttungshöhe wieder konstant halten können und für 2014 abermals rund 3% ausschütten. Wir kehren neben den ordentlichen auch einen Teil der außerordentlichen Erträge aus, nämlich beispielsweise realisierte Kursgewinne aus Aktien und Renten.

DIE STIFTUNG: Inwiefern tangiert es Ihr Handeln, wenn Sie wissen, dass Stiftungen Anleger sind?
Amenda: Das Anlagemanagement hat sich grundsätzlich an den Bedürfnissen der Anleger zu orientieren, für Stiftungen agieren wir entsprechend äußerst risikobewusst, d.h. besonders vor- und vor allem umsichtig. Das Fondskonzept  wurde ja einst speziell für die Anforderungen der Münchner Rück Stiftung konzipiert, und diese Stiftungs-DNA ist natürlich für mich maßgeblich.

DIE STIFTUNG: Umsicht ist ja gerade derzeit wohl die wichtigste Tugend im Fondsmanagement.

Amenda: Im aktuellen Niedrigzinsumfeld kommt dem Risiko Management eine zentrale Rolle im Portfolio Management zu. Da die vorhandenen Risiko Budgets aufgrund der niedrigen Zinsen gering ausfallen, müssen wir äußerst verantwortungsvoll mit ihnen umgehen.

Was sind die möglichen Risiken für 2015? Sicherlich steigende Zinsen vor allem in den USA. Die US-Notenbank hat bereits signalisiert, dass die Zinsen schon zur Jahresmitte angehoben werden könnten. Was passiert, wenn die Zinsen schnell und stark steigen, haben wir 2013 gesehen.  Als die Notenbank in den USA Mitte 2013 ankündigte, die Aufkaufprogramme für US-Staatsanleihen auslaufen zu lassen, löste dies Schockwellen an den Märkten aus. Vor allem die Aktienmärkte, aber auch andere Assetklassen wie Emerging Markets oder Unternehmensanleihen kamen massiv unter Druck.
Dr. Stefan Arneth: Wenn die Zinsen zudem schnell stiegen, würde deren relative Attraktivität gegenüber Aktien oder Papieren aus den Emerging Markets steigen. Auch das würde das Spiel mal für eine Weile verändern. Daneben könnten Länder wie Italien oder Frankreich im Falle rasch anziehender Zinsen noch einmal unter Druck kommen, denn dann sind die jetzt zu langsam angeschobenen Reformen der viel beschworene Bumerang.

DIE STIFTUNG: Ist denn der schnell fallende Ölpreis ein Risiko?
Amenda: Der Ölpreis befindet sich seit Mitte des vergangenen Jahres im freien Fall. Russland ist sicherlich mit am stärksten vom Verfall des Ölpreises betroffen. Neben den vom Westen verhängten Sanktionen hat das Land nun auch mit deutlich geringeren Einnahmen aus Ölverkäufen zu kämpfen. Insbesondere der russische Rubel ist seitdem stark unter Druck. Ein weiter fallender Ölpreis wird die aktuell bereits angespannte Lage weiter zuspitzen. Hieran dürfte auch der Westen kein Interesse haben. Aber, man darf auch nicht vergessen, dass der fallende Ölpreis wie ein riesiges Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft wirkt. Es gibt auch Profiteure fallender Ölpreise, deren Anleihen oder Aktien partiell interessant werden könnten, beispielsweise die Türkei. Wichtig ist auch zu wissen, ob die Ölpreise fallen, weil die Nachfrage rückläufig ist oder aber das Angebot einfach zu stark ausgeweitet worden ist. Überkapazitäten im Ölmarkt sind definitiv vorhanden, aber es werden mit den niedrigen Preisen bald wieder einige Anbieter aus dem Markt gedrängt.
Arneth: Das Risiko, das bei den Stiftungen letztlich auch ankommt, ist das Zinsänderungsrisiko. Unser Problem ist doch, dass wir politische Märkte haben. Normal ist das derzeitige Geschehen nicht, es ist stark getrieben von den Maßnahmen der Notenbanken. . Leider wird uns diese Gemengelage noch eine Weile erhalten bleiben.
Amenda: Insgesamt wird 2015 sicherlich eine enorme Herausforderung an den Märkten. Bei Bundesanleihen mit Laufzeiten bis zu 5 Jahren sehen sich Anleger mittlerweile mit Negativrenditen konfrontiert. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren gerade einmal mit noch 0,5%. Die Risikoprämien für Staatsanleihen aus der Eurozone sind auf historischen Tiefständen und auch andere Assetklassen wie Unternehmensanleihen oder Pfandbriefe erscheinen wenig attraktiv. In diesem schwierigen Umfeld könnte sich Cash als durchaus attraktive Assetklasse erweisen.

DIE STIFTUNG: Und Nichtstun ist auch ein Risiko, insbesondere für Stiftungen, oder nicht?
Arneth: Ja, unbedingt. Gerade die bestehenden Investments müssen im Angesichts des aktuellen Umfelds überprüft werden, ob sie deren Ertragsaussichten noch zu dem aktuellem Risiko passen. Viele Produkte in Stiftungsdepots passen nicht zu deren Anlageprämissen, und noch viel weniger zu den allgemeinen Marktprämissen. Auch wenn Stiftungen von Ihrer Natur aus natürlich grundsätzlich eher langfristig ausgerichtet sind, kann das Aussitzen von Risiken heute, vor dem Hintergrund des skizzierten Marktumfelds, ein sehr teurer Fehler sein.

DIE STIFTUNG: Dann hoffen wir, dass 2015 doch in einigermaßen normalen Bahnen verläuft. Haben Sie vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

Zu den Personen:


amenda
Stefan Amenda
ist Fondsmanager des MEAG Fair Return und Leiter des Portfoliomanagements für Institutionelle Fonds, Emerging Markets und Devise bei der Kapitalanlagegesellschaft MEAG. Das Unternehmen ist Vermögensverwalter der Versicherungen Munich.

 

Dr. Stefan Arneth ist Leiter Institutionelle Kunden bei MEAG.

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