17.08.2017 | Von Die Stiftung

„Wichtig ist die Planbarkeit der Ausschüttung“

Im Gespräch mit Ulrich Deissner, Vorstand der Bürgerstiftung Braunschweig und Vorsitzender des Anlageausschusses des Bürgerstiftungsfonds, über die besondere Konstruktion des Sondervermögens.

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Ulrich Deissner ist Vorstand der Bürgerstiftung Braunschweig und Vorsitzender des Anlageausschusses des Bürgerstiftungsfonds. Foto: Bürgerstiftung Braunschweig

DIE STIFTUNG: Herr Deissner, bewährt sich die besondere Konstellation mit Stiftungsverantwortlichen im Anlageausschuss des Fonds?
Ulrich Deissner: Ja, außerordentlich. Neben der Expertise von drei Portfoliomanagern der Nord/LB steht mit den Mitgliedern des Ausschusses und mit den ständigen Gästen Fachwissen zur Verfügung. Darüber hinaus, und das ist außerordentlich wichtig, „denken wir Stiftung“ und bringen so für Stiftungen wichtige Aspekte in die Anlageentscheidungen ein. Das sind Themen wie Nachhaltigkeit und das Denken in Dekaden. 

DIE STIFTUNG: Hohe Allokationsfreiheit für das Management, Einsatz von Derivaten, Verzicht auf einen Vergleichsindex – sind Sie Trendsetter?
Deissner: Wir haben bereits bei der Entwicklung der Fondsidee 2012 die problematische Zinssituation gesehen. Wir wollten auf die Herausforderungen vorbereitet sein, um alle möglichen Instrumente nutzen zu können, ohne die konservative Anlagestrategie in Frage zu stellen. Wir haben festgestellt, dass wir die Freiheiten in diesem Umfang nicht benötigen. So war die Aktienquote nie höher als 40 Prozent. Derivate setzen wir ausschließlich zu Absicherungszwecken ein. Diesen Lerneffekt werden wir nun umsetzen. 

DIE STIFTUNG: Der Fonds ist derzeit zu mehr als 50 Prozent in Renten investiert. Wie gehen Sie mit dem Zinsänderungsrisiko um?
Deissner: Der Bürgerstiftungsfonds ist grundsätzlich konservativ ausgerichtet. Daher investiert das Fondsmanagement einen wesentlichen Bestandteil in Anleihen. Dadurch können wir für Stiftungen planbare Ausschüttungen sicherstellen. Das aktuelle Zinsumfeld ist derzeit außergewöhnlich herausfordernd. Eine klassische Buy-and-Hold-Strategie ist aus unserer Sicht nicht angebracht. Die Berater des Fondsmanagements, das Private Banking der Nord/LB, setzen ein aktives Rentenmanagement um. In die Strategie fließen sowohl Zinsunterschiede zwischen Staats- und Unternehmensanleihen als auch zwischen Euro und US-Dollar. Kurzfristig sehen wir Zinsrisiken insbesondere bei europäischen Anleihen ein. In den USA wiederum gibt es interessante Möglichkeiten. Die Währungsrisiken sichern wir voll ab. Dennoch kann das Bild in den nächsten Wochen wieder differenzierter aussehen. Wie sich die Zinsen entwickeln werden, ist kaum zu prognostizieren.

DIE STIFTUNG: Im aktuellen Factsheet heißt es, eine Nachhaltigkeitsstrategie inklusive Teilhabe und Gleichberechtigung werde umgesetzt. Schränkt Sie das nicht zu sehr bei der ETF- und Fondsauswahl ein?
Deissner: Unsere Nachhaltigkeitsstrategie ist einzigartig. Mit anderen Stiftungen und Stiftern haben wir eigene Nachhaltigkeitskriterien entwickelt und unsere Werte definiert. Das macht natürlich eine Investition in andere Fonds unmöglich. Mit der Nord/LB und der Imug haben wir ein Kennzahlensystem entwickelt, das aus über 2.000 Unternehmen diejenigen herausfiltert, die unseren nachhaltigen und qualitativen Kriterien entsprechen. Gleichzeitig investieren wir grundsätzlich in jede Branche und werden ausreichend breit streuen.

DIE STIFTUNG: Viele Stiftungen geben als Renditeziel drei Prozent p.a. nach Kosten aus, um ihren Zweck überwiegend erfüllen zu können. Ist dieses Ziel realistisch?
Deissner: Ja, eine Rendite von drei Prozent p.a. erachten wir als realistisch. Vorausgesetzt man bewirtschaftet die Rentenseite aktiv. Außerdem sind Aktien mit einer soliden Dividendenpolitik maßgeblich für die Zielrendite und den dauerhaften realen Kapitalerhalt notwendig. Wichtiger für Stiftungen ist allerdings die Planbarkeit der Ausschüttung, diese beträgt im Bürgerstiftungsfonds 2,50 Euro je Anteil.

Zur Person: Ulrich Deissner war 2003 Gründungsstifter der Bürgerstiftung Braunschweig. Der selbständige Kaufmann ist seitdem Mitglied des Vorstandes und Vorstandsvorsitzender.

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