06.05.2014 | Von Die Stiftung

„Wir rechnen nicht mit einer schnellen Zinswende“

Im Interview mit Bernd Hashemian über den Stiftungsfonds Westfalen und die aktuelle Lage an den Märkten.

DIE STIFTUNG: Wie sehen Sie die Lage an den Märkten aktuell?
Bernd Hashemian: Die Notenbanken bleiben auch im Jahr 2014 der beherrschende Einflussfaktor für Renten- und Aktienmärkte. Da global weiterhin reichlich Liquidität zur Verfügung gestellt wird, sollten die Zinsniveaus anhaltend niedrig bleiben und die Aktienmärkte mit ihrem im Vergleich attraktivem Dividendenniveau weiterhin eine gute Unterstützung erhalten. Politische Störfaktoren wie die Ukrainekrise sollten nur kurze Zeit für Verunsicherung an den Märkten sorgen, da die positiven Effekte der nach rentablen Anlagemöglichkeiten Suchenden die Liquiditätsschwemme mehr als ausgleichen.

DIE STIFTUNG: Wie haben Sie angesichts dessen im Fonds die jüngsten Hürden umschifft?
Hashemian: Mit einer Aktienquote von gut 20% konnten wir die Schwankungsbreite im Fonds in jüngerer Zeit ganz gut managen, wobei sich aufgrund der positiven Korrelation mit unserem derzeitigen Investitionsschwerpunkt in Unternehmensanleihen spürbare Rückschläge (siehe Sommer 2011) nicht gänzlich vermeiden lassen. Da wir jedoch im Auftrag unserer Stiftungsinvestoren eine mittel- bis langfristige Anlagestrategie verfolgen, werden unvermeidliche Drawbacks in Kauf genommen und das zu erwartende Erholungsszenario transparent kommuniziert.

DIE STIFTUNG: Wir fragten einst nach den Stärken des Fonds. Was wäre heute Ihre Antwort darauf?
Hashemian: Wir haben für uns zwei besondere Erfolgsfaktoren für den Stiftungsfonds Westfalen ausgemacht. Da ist einerseits die Fondsgröße zu nennen, denn in dem teilweise wenig liquiden Anleihemarkt der letzten Jahre wären bei erheblich größerem Fondsvolumen viele erfolgreiche Anleiheinvestments nicht umsetzbar gewesen. Außerdem hat die regelmäßige Teilnahme an Neuemissionen spürbar zur Fondsperformance beigetragen. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor liegt in unserem langjährig treuen Investorenkreis (95% der Fondsinvestoren sind uns bekannt), der es uns erlaubt, den Fonds ohne nennenswerte Liquidität zu steuern und trotzdem auch weniger liquide aussichtsreiche Anleiheinvestments ins Portfolio aufzunehmen.

DIE STIFTUNG: Wo legen Sie aktuell den Schwerpunkt im Fonds bei Aktien und Anleihen?
Hashemian: Im Bereich der Anleihen liegt unser Investitionsschwerpunkt weiterhin bei Direktinvestments in Unternehmensanleihen. Dabei sind wir überwiegend im niedrigen Investmentgradebereich investiert. Wir bevorzugen Zinsbindungen von 3-4 Jahren und haben aktuell im Fonds ein Renditeniveau im Anleihebestand von gut 3,5%. Unsere Aktieninvestments sind durch Zielfonds breit diversifiziert, wobei Europa den Investitionsschwerpunkt darstellt.

DIE STIFTUNG: Konnten Sie das Ausschüttungsniveau konservieren?
Hashemian: Trotz des erheblich gesunkenen Zinsniveaus konnten wir in den letzten 5 Jahren immer gut 3,5% zur Ausschüttung bringen. Dabei werden mindestens die ordentlichen Nettoerträge des Fonds ausgeschüttet. Zur Erhaltung der von unseren Ankerinvestoren gewünschten Ausschüttungskontinuität können ergänzend auch realisierte Kursgewinne zur Ausschüttung gebracht werden. Wir beabsichtigen auch im laufenden Jahr wieder eine Ausschüttung auf gewohntem Niveau vorzunehmen.

DIE STIFTUNG: Was glauben Sie, wird 2014 ähnlich verlaufen wie 2013? Oder eben doch völlig konträr?
Hashemian: Auch wenn wir die Zinstiefs an den Kapitalmärkten bereits gesehen haben sollten, rechnen wir nicht mit einer schnellen Zinswende, die Anleiheinvestoren kurzfristig größere Kursverluste bescheren könnte. Die Zeit der schnellen Kursgewinne dürfte am Rentenmarkt vorbei sein. Am Aktienmarkt rechnen wir mit einer leicht positiven Entwicklung, wobei einige schwache Märkte des Vorjahres wie z.B. Teile der Emerging Markets noch einiges an Aufholpotential bieten könnten. Bis jetzt gibt es wenige Indikatoren, die für das laufende Jahr eine gänzlich konträre Entwicklung der Kapitalmärkte – also starker Zinsanstieg einerseits und starker Rückgang an den Aktienmärkten andererseits – vermuten lassen. Aber auch das Unwahrscheinliche muss fortlaufend überprüft werden, um nicht vom „Schwarzen Schwan“ überrascht zu werden.

DIE STIFTUNG: Dem können wir nur zustimmen. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias Karow.

 

Hashemian_Vorstand Kroos Vermögensverwaltung AGBernd Hashemian ist Manager des Stiftungsfonds Westfalen und Vorstand der in Münster ansässigen Vermögensverwaltung Kroos Vermögensverwaltung AG. Das Unternehmen verwaltet gut 200 Mio. EUR und managt den speziell für das Klientel der Stiftungen aufgelegten Stiftungsfonds Westfalen.

 

 

 

 

 

Über Fragen, Anregungen oder Kritik freut sich Verlagsleiter und Stiftungsfondsexperte Tobias Karow unter karow@die-stiftung.de

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