28.04.2017 | Von Die Stiftung

Zwischen nichts machen und zu viel machen

DIE STIFTUNG lud am 4. April zum Gesprächskreis Stiftungsfonds nach Düsseldorf. (Urheber: DIE STIFTUNG/Julia Laumer)

Zum ersten Gesprächskreis Stiftungsfonds in diesem Jahr lud DIE STIFTUNG am 4. April, dieses Mal in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf. Wie bei diesem Veranstaltungsformat üblich, ging es auch dieses Mal wieder vor allem darum, aufzuklären, Verständnis zu schaffen und so zum Nachdenken über die eigene Anlagestrategie in Stiftungen nachzudenken. Denn Risiko entstehe immer dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun, wie Warren Buffet einmal gesagt hat.

Etwa 30 Stiftungsvertreter nutzten die Gelegenheit, sich von vier Fondsmanagern aus erster Hand über deren Anlagevehikel zu informieren, sie aber auch mit ihren eigenen Überlegungen zu konfrontieren.

Stiftungsfonds nicht gleich Stiftungsfonds

Bevor es zur Podiumsdiskussion mit Alexander George, Abteilungsdirektor – Stiftungen und Family Offices der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA, Bassem Diab, Executive Director bei J.P. Morgan Asset Management, Christoph Schwarzmann, Senior Director Private Wealth Clients bei der Pioneer Investments Kapitalanlagegesellschaft mbH und Hauke Hess, Geschäftsführer Portfolio Management der Veritas Investment GmbH kam, stimmten zunächst zwei Experten mit kurzen Fachvorträgen die Besucher auf das Thema „Stiftungsfonds“ ein. Dr. Franz Schulte, Partner bei PKF Fasselt Schlage Duisburg und Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH, machten beide darauf aufmerksam, dass Stiftungsfonds nicht gleich Stiftungsfonds ist: Mangels rechtlicher Definition gelte es im Einzelfall stets zu prüfen, ob ein Fonds etwa ausschließlich Stiftungen als Investmentvehikel offensteht oder er „nur“ besonders geeignet für Stiftungen ist.

Schulte stellte den Gästen einen 10-Punkte-Plan für die Vermögensanlage von Stiftungen vor (siehe Unterlage), welcher bei Beachtung vor allem die rechtlichen Risiken ausschließen soll. Erdmann stellte Möglichkeiten des Vergleichs unterschiedlicher Fonds vor und gab Hinweise auf Leistungsindikatoren und deren Aussagekraft (siehe Unterlage). Er warnte vor den drei schlechtesten Ratgebern bei der Vermögensanlage: Angst, Gier und Steuervorteile.

Stiftungen hilft „Ewigkeitsgedanke“

„Das momentan größte Risiko ist, als Anleger gar nichts zu machen“, startete danach Bassem Diab mit einem Appell in die von Sabine Kamrath moderierte Podiumsdiskussion und plädierte für ein aktives Vermögensmanagement in Stiftungen. Zyklische Auf- und Abschwungphasen seien – anders als systemische Krisen – ganz normal in der Geldanlage und sollten daher auch Stiftungen nicht beunruhigen – im Gegenteil. Ihr „Ewigkeitsgedanke“ helfe ihnen sogar dabei, vorübergehende Tiefs auszusitzen.

Hauke Hess schlug grundsätzlich in dieselbe Kerbe, betrachtete das Anlageverhalten allerdings eher von der Marktseite: „Die beste Performance wird in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen im Jahr erreicht, der Rest ist eher langweilig“, stellte er fest. Er sieht das Risiko daher eher in einem zu schnellen Abkehren von einmal gemachten Anlageentscheidungen, deren positive Auswirkungen sich noch nicht eingestellt haben, aber zu erwarten sind. Ansonsten besteht das Hauptrisiko für den Fonds aber natürlich in den Schwankungen des Aktienmarkts: „Das muss ich bereit sein, auszuhalten“, sagte Christoph Schwarzmann, der in puncto Länderrisiken Europa als jene Region sieht, die am meisten in diesem Jahr überraschen könnte.

Durchaus vielfältig diskutierten die Fondsexperten auch den momentanen Hype um Immobilieninvestitionen („Stiftungen kaufen teilweise nur, weil ‚Immobilie‘ draufsteht“) sowie die Frage nach einer angemessenen Aktienquote im Anlageuniversum einer Stiftung, die momentan teilweise bereits jenseits der „30-Prozent-Faustregel“ liegen. „Ich warne davor, sich sklavisch in Aktien zu stürzen“, sagte Alexander George. Vielmehr seien die individuellen Ziele der Stiftung zu berücksichtigen. Vor der Investition in Immobilien riet er Stiftungen dazu, auch die Investition in einen Immobilienfonds zu prüfen, die durchaus vergleichbare Renditen bringen können, aber deutlich einfacher zu handhaben seien und sich die Stiftung nicht das Klumpenrisiko einer Immobilie in das Portfolio holt.

Ethik und Rendite schließen sich nicht aus

Abschließend gefragt nach der Bedeutung von Investmentfonds, die nachhaltigen Anlagekriterien folgen oder genügen, erkennt lediglich Alexander George eine stärker werdende Nachfrage auf Anlegerseite. Immer mehr Anleger würden erkennen, dass sich individuell-ethische Kriterien und langfristige Renditeerwartungen nicht ausschließen. Christoph Schwarzmann und Bassem Diab hingegen können eine gestiegene Nachfrage nach Nachhaltigkeitsfonds nicht beobachten. Hauke Hess wiederum erwartet eine zunehmende Nachfrage nach individuellen, auf die Wünsche der Anleger zusammengestellte Fonds.

Die Präsentationen der beiden Referenten sowie Informationen zu den vorgestellten Fonds finden Sie hier zum Download:

Vortrag Dr. Franz Schulte

Vortrag Klaus-Dieter Erdmann

Informationen Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA

Informationen J.P. Morgan Asset Management

Informationen Pioneer Investments Kapitalanlagegesellschaft mbH

Informationen Veritas Investment GmbH

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