Die Bildungslandschaft in Deutschland sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, in vielerlei Hinsicht. Das Stiftungsfrühstück am 23. September 2014 in Frankfurt am Main wollte unter dem Thema „Aufstieg und Integration durch Bildung“ den Beitrag beleuchten, den Stiftungen hier leisten können.

Die Bildungslandschaft in Deutschland sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, in vielerlei Hinsicht. Das Stiftungsfrühstück am 23. September 2014 in Frankfurt am Main wollte unter dem Thema „Aufstieg und Integration durch Bildung“ den Beitrag beleuchten, den Stiftungen hier leisten können. Und bei der Beschäftigung mit diesem Thema, stellt man schnell fest, dass es sich hier um grundlegende Fragen handelt, die im Bildungsbereich diskutiert werden müssen.
Von Sabine Kamrath

 

„Je umfassender die Bildung eines Menschen ist, desto größer ist seine geistige Unabhängigkeit und Reflexion.“ Im Grußwort zum Stiftungsfrühstück „Aufstieg und Integration durch Bildung“ im Haus am Dom, das DIE STIFTUNG in Kooperation mit der EBS Executive Education ausrichtete, betonte Prof. Rolf Tilmes von der EBS Universität, wie wichtig Bildung als Grundlage der Demokratie ist.

Die Möglichkeit, ein Studium zu absolvieren, und an dieser Stelle auch die Bereitstellung eines Stipendiums, dienen der zukünftigen Absicherung junger Menschen. Die EBS Universität folgt damit dem Anspruch, die Gesellschaft zu fördern und weiter zu entwickeln. In seinem Grußwort warf Rolf Tilmes aber bereits die Frage auf, ob „jünger, schneller, höher“ – ob also Geschwindigkeit – ein erstrebenswertes Gut ist, angesichts von Absolventen, die wahrscheinlich in 50 Jahren noch arbeiten werden. Oder ob es nicht an der Zeit wäre, über Alternativen nachzudenken, welche die Probleme in unserer Gesellschaft anders zu lösen vermögen als durch ein noch „früher“. Höher, schneller, weiter – hat uns das im Bildungssystem bisher voran gebracht? Angesichts von Eltern, welche die Wiedereinführung des G9 fordern, Unternehmen, die 20-jährigen Absolventen erst einmal jahrelange Praktika anbieten, weil sie mit so jungen und lebensunerfahrenen Arbeitnehmern wenig anfangen können?

In einer kurzen Einführung zum Thema griff Tobias Karow, Verlagsleiter des Magazins DIE STIFTUNG, nicht nur Fragen wie diese noch einmal auf. Vor den knapp siebzig Gästen griff er auch eines der zentralen Problemfelder, mit denen der Bildungsbereich in Deutschland zu kämpfen hat, heraus: 16 Bundesländer, 16 Bildungs-Systeme und „bitte alle 4 Jahre alles ändern“, wie er es ausdrückte. Unter den Folgen haben vor allem die Kinder und Jugendlichen in den Schulen zu leiden. Das größte Problem: die fehlende Kontinuität. Außerdem würden Verbesserungsprozesse zu lange dauern und zu langsam umgesetzt, wie Tobias Karow ausführte. Scheitern wir also mit der Aufgabe, jungen Menschen dabei zu helfen, einen Platz einzunehmen in unserer Gesellschaft?

Welche Rolle hier den Stiftungen zukommen kann, wurde im Podiumsgespräch intensiv diskutiert. Ausgehend von der Idee, dass Stiftungen gewissermaßen als eine Art Labor, als Nukleus, Projekte ausprobieren und damit Impulse geben können, versuchten Dr. Antje Becker, gemeinnützige Hertie-Stiftung, Andrea Bartl, START Stiftung und Dr. Roland Kaehlbrandt, Stiftung Politechnische Gesellschaft, den möglichen Beitrag von Stiftungen zu eruieren. Inwiefern kann es Auftrag gemeinütziger Stiftungen sein neue Ideen zu kreieren, um die Gesellschaft zu verändern und wie kann man sie hier unterstützen?

Stiftungen können Lücken identifizieren, welche beispielsweise die Politik im Bildungsbereich gelassen hat, und Ideen dafür entwickeln. Dabei können sie als punktueller Akteur Vorbild sein und Beispiele des Gelingens schaffen. Kaehlbrandt betonte, dass Bildung eine Gemeinschaftsaufgabe sei. Stiftungen haben daher auch Freiheiten in der Zusammenarbeit mit Vereinen, Bildungsträgern oder auch Unternehmen.

Ansätze zur Kooperation gibt es zudem bereits viele, für jede Größe von Stiftung: Kleine Stiftungen können sich beispielsweise mit einem Einzelstipendium niederschwellig beteiligen. In diesen Konzepten tragen große Stiftungen die Entwicklungs- und Systemkosten, kleinere beteiligen sich dann. Durch die Beteiligung anderer Stiftungen wachsen die Projekte in die Fläche. Gerade kleine Partner und Initiativen seien oftmals entscheidend für eine Skalierung, ergänzte Dr. Kaehlbrandt.

Andrea Bartl schloss sich hier an. Wenn Stiftungen in ihren Projekten klein anfangen und Erfolg haben, könne man auch über Skalierungen nachdenken. Hier biete es sich auch an, Kooperationen knüpfen. Entscheidend an dieser Stelle sei, dass die Projekte eine einfache und klare Mechanik haben, das würde die Übertragung bedeutend erleichtern.

Große Baustellen sah Bartl vor allem in der Integration von Flüchtlingen. Der Wert „Sicherheit“, dem ein elementares Gefühl der Bedrohung bei diesen Menschen gegenüberstehe, sei in Problem, mit dem viele Systeme der Integration überfordert seien. Es ist jedoch Realität in unserem Land, dass vermehrt Flüchtlinge ankommen, die Schlimmes erlebt haben und traumatisiert sind. Unsere Gesellschaft müsse ihnen den Rahmen bieten, wieder ein normales Leben führen zu können und Vertrauen aufzubauen. Besonders wichtig sei es hier, Familien zu stärken, damit sie sich entwickeln können.

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