Die Bildungslandschaft in Deutschland sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, in vielerlei Hinsicht. Das Stiftungsfrühstück am 23. September 2014 in Frankfurt am Main wollte unter dem Thema „Aufstieg und Integration durch Bildung“ den Beitrag beleuchten, den Stiftungen hier leisten können.

Dr. Antje Becker legte ihren Schwerpunkt eher in den Bereich des „Aufstiegs“, hier vor allem den Bereich der Hauptschulen. Sie setze sich dafür ein, den Blick vermehrt auf das zu lenken, was funktioniert, statt dorthin, wo es Schwierigkeiten gibt: „Leider bewerten wir automatisch alles, was mit Hauptschülern zu tun hat, negativ“, meinte sie als einleitende Bemerkung. Dabei haben diese oft hervorragende Konzepte, viele interessante Programme und sehr gut ausgestattete Schulen. Und es sei wichtig Selbstwertgefühl, das Gefühl, in der Gesellschaft gebraucht und gewollt zu werden, an Hauptschüler zu vermitteln. Dies gelänge nicht durch immer neue Skandalmeldungen. Wichtiger sei es, etwas darüber zu lernen, wie man Motivationsstrukturen aufbauen kann oder Ideen zur Skalierung erfolgreicher Projekte zu entwickeln.

Als Beispiele, was große Stiftungen im Bildungsbereich leisten, wie sich aber auch kleine Stiftungen beteiligen können, hatte jeder der Vertreter auf dem Podium ein Projekt mitgebracht. Das START-Stipendium beispielsweise unterstützt jährlich 650 Schüler in 14 Bundesländern mit einem Stipendium. So hat die Stiftung bisher zweitausend Stipendiaten mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg begleiten können. Besonderes Augenmerk, so Bartl, lege man auf die Stärken der einzelnen Personen und den Hintergrund, aus dem sie kommen. Außerdem werde bei der Auswahl genau überprüft, was die zukünftigen Stipendiaten tun und ob das, was sie als Besonderheiten für sich ausgeben, auch tatsächlich den Tatsachen entspricht. Kleinere Stiftungen könnten sich am Projekt beteiligen, indem sie ein Stipendium übernehmen würden. Ein Stipendiat der EBS Universität, Joshua Müller, war sogar vor Ort und konnte den Teilnehmern so persönlich einen Eindruck davon vermitteln, wie wichtig die Unterstützung durch das Stipendium für seinen Weg war. Er betonte vor allem die mentale Nahrung durch das Stipendium und dass er vor allem im persönlichen Sinne stark von der Förderung profitiere. Der Austausch motiviere ihn sehr, vor allem für die ideelle Förderung sei er dankbar.

Dr. Roland Kaehlbrandt betonte, dass Stiftungen die Projekte entsprechend ihrer Rolle auswählen und umzusetzen sollten. „Stiftungen sind nicht für die Flächenversorgung zuständig, sondern für Eckpunkte. Daher sollten sie sich überlegen, wo das wichtigste zu tun ist“, betonte er. Als Beispiel führte er an, dass Familien in schwierigen Bildungslagen existierende Angebote oftmals nicht wahrnehmen. Dadurch würden sie immer abgehängt bleiben. Dies ist besonders gravierend, da Eltern und Familien den meisten Einfluss auf den Werdegang der Kinder haben, nämlich etwa 60%. Der Wunsch, das große Ganze zu verändern, sei natürlich nachvollziehbar, aber kaum umzusetzen. Die Aufgabe von Stiftungen sei nicht, die große Bildungsreform auszurollen, sondern gezielt auszusuchen, was sie machen und erreichen können. Als Beispiel erläuterte er das Vorgehen in seiner Stiftung: „Wir zeigen den Familien den Weg in die Stadtbibliothek, in die Volkshochschule. Wie sie dorthin kommen, was man dort machen kann, wie das konkret funktioniert.“ Hürden abbauen, das sehe er in diesem Fall als Aufgabe. Damit mehr Familien und Kinder die Chance bekommen, bestehende Angebote wahrzunehmen. Gerade bei Familien mit Migrationshintergrund, besonders, wenn es Defizite im Umgang mit der deutschen Sprache gäbe, sind die Hürden zu hoch, als dass die Angebote wahrgenommen werden könnten. An dieser Stelle betonte Dr. Becker, dass es das Ziel sein müsse, dass Kinder selbst befähigt werden, zu lernen. Nur dann sei die Förderung langfristig und nachhaltig.

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