Sollte die Menschheit tatsächlich eines Tages das Weltall besiedeln, wird dies nur mit Hilfe von Stiftungen und anderen privaten Förderern zu finanzieren sein. Bis dahin gibt es aber noch etliche Fragen zu klären. Ist eine Stiftung oder ein Trust die bessere Wahl? Braucht die Welt Mischformen zwischen privat- und gemeinnützigen Stiftungen? Und wie geht rechtssicheres Crowdfunden? Auf die Suche nach Antworten begaben sich beim 4. Zürcher Stiftungsrechtstag am 17. Juni über 130 Besucher und 13 Referenten unter der Tagungsleitung von Prof. Dr. Dominique Jakob.

Die Gegenleistung ist auch ein kritisches Stichwort, wenn es um die Finanzierung universitärer Forschung und Lehre durch private Mäzene geht. „Wenn jemand große Summen spendet, soll er auch große Anerkennung bekommen“, so die Überzeugung von Prof. Dr. Ernst Fehr, Direktor des Zürcher UBS International Center of Economics in Society. Die Einflussnahme auf Forschung und Lehre sei dennoch für jeden Förderer tabu, ebenso wie eine Mitsprache in einer Berufungskommission. Andere Spielregeln gelten dagegen bei einer Projektforschung. „Da weiß der Auftraggeber manchmal mehr als ich“, gestand Fehr ein.

Was die öffentliche Bewertung von privater Forschungsförderung betrifft, so werde hierbei oft mit zweierlei Maß gemessen, wie ein Tagungsbesucher aus Hamburg deutlich machte: Bei einer jungen, privaten Hochschule, wie z.B. der Bucerius Law School, sei eine finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft kein Problem. Erhalte dagegen eine altehrwürdige staatliche Hochschule Förderung von privater Seite, werde dies skandalisiert.

Bezweifelte die Notwendigkeit einer gemischten Stiftung im deutschen Recht: Prof. Dr. Rainer Hüttemann. Foto: Julia Jakob

Bezweifelte die Notwendigkeit einer gemischten Stiftung im deutschen Recht: Prof. Dr. Rainer Hüttemann. Foto: Julia Jakob

Wie sinnvoll es ist, Stiftungszwecke zu mischen, war eine Frage, die Prof. Dr. Rainer Hüttemann zunächst für das deutsche Recht diskutierte. „Mischformen zwischen gemeinnützigen und privatnützigen Stiftungen sind möglich, aber Sie sind dann voll steuerpflichtig“, so der Direktor des Instituts für Steuerrecht an der Universität Bonn. Wer für private Zwecke noch Vermögen benötige, tue besser daran, dieses einfach bei der Stiftungsgründung zurückzuhalten. „Das Naheliegende wird oft nicht bedacht.“

Ebenfalls ist Hüttemann besorgt, dass eine kleine Gruppe gemischter Stiftungen die Reputation des deutschen Stiftungswesens gefährden könnte,, das klar in rund 4,5% privatnützige und etwa 95,5% gemeinnützige Stiftungen aufgeteilt ist. „Diese Reinheit ist es, die auch dem Bundesverband Deutscher Stiftungen ein hohes Standing gegenüber der Politik gibt. Politiker sind sich sicher, dass der Verband ausschließlich den Interessen des gemeinnützigen Stiftungswesens verpflichtet ist.“

Sehr angenehm war für den Referenten jedoch der Gedanke, schon im Zivilrecht zwei Stiftungsformen vorzusehen, je nachdem ob privat- oder gemeinnützige Zwecke verfolgt werden. „Dann weiß man schon im Briefkopf, womit man es zu tun hat.“ Allerdings sollte es ebenso möglich sein, dass eine privatnützige Stiftung wie jede Privatperson Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen von der Steuer absetzen kann.

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