25.11.2015 | Von Die Stiftung

Die Nerven behalten, wenn die Kurse fallen

Wie Stiftungen ihr Geld „richtig“ anlegen sollen, ließ sich an diesem Tag nicht beantworten. Doch war es für viele der rund 30 Besucher wohltuend, einen umfassenden Einblick in die Vermögensverwaltung einer mittelgroßen Stiftung zu bekommen. Stiftungsrechtliche Aspekte kamen auf dem Seminar im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin ebenfalls zur Sprache.

Wie Stiftungen ihr Geld „richtig“ anlegen sollen, ließ sich an diesem Tag nicht beantworten. Doch war es für viele der rund 30 Besucher wohltuend, einen umfassenden Einblick in die Vermögensverwaltung einer mittelgroßen Stiftung zu bekommen. Stiftungsrechtliche Aspekte kamen auf dem Seminar im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin ebenfalls zur Sprache.
Von Gregor Jungheim

 

Was sollen Stiftungen tun, wenn einerseits jedes Investment mit einer Verzinsung oberhalb der Inflationsrate risikobehaftet ist, andererseits die Landesstiftungsgesetze eine sichere und ertragbringende Geldanlage fordern? Das Patentrezept hierfür hat niemand, nicht einmal die Stiftungsbehörden. „Die bayerische Stiftungsaufsicht sagt uns, dass im Zweifel der Zweckerfüllung der Vorrang einzuräumen ist“, berichtete Petra Träg, Geschäftsführerin der in München ansässigen SOS-Kinderdorf-Stiftung auf dem Tagesseminar „Vermögensverwaltung von Stiftungen“. Hierzu hatte das Institut für Erbrecht in das Hotel Steigenberger Graf Zeppelin nach Stuttgart eingeladen. Verleihe eine Stiftung heute zehn Stipendien, die den Lebensunterhalt der Destinatäre abdecken, solle sie dies auch noch in zehn Jahren tun, erläuterte die Geschäftsführerin. Sei es also nur noch möglich, sicher oder ertragreich anzulegen, so müsse Letzterem der Vorrang eingeräumt werden.

Seminar
Petra Träg erläuterte die Vermögensanlage der 22,2 Mio. EUR schweren SOS-Kinderdorf-Stiftung

Die baden-württembergische Stiftungsbehörde mahne derweil an, der Teil der spekulativen Anlagen sollte sich nie auf mehr als 30% belaufen. „Wir stellen fest, dass Stiftungsaufsichten auch innerhalb eines Bundeslandes unterschiedliche Ansichten zum Risiko haben“, bemerkte Träg.

Es hilft also nur Nachdenken und eine Entscheidung treffen. Dies hat die SOS-Kinderdorf-Stiftung durchaus getan. Die Organisation mit einem Stiftungskapital von 22,2 Mio. EUR baut auf die drei Anlageklassen Aktien, Renten und Immobilien. Bei der Auswahl der Unternehmen achte die Stiftung darauf, dass diese eine Rezession aushalten können. „BASF zahlt seit 1952 ununterbrochen eine Dividende“, betonte Träg.

Mit Risikobudgets, bei denen nur ein bestimmter Wertverlust als tolerabel gilt, konnte sich die Organisation bislang nicht anfreunden. Es bestehe immer die Gefahr, dass ein Titel bei Überschreiten einer gewissen Verlustgrenze verkauft und entsprechend die Wertaufholung verpasst werde, so die Geschäftsführerin. „Sie müssen sich einfach fragen: Kann ich damit umgehen, dass die Märkte fallen? Ich kann es aushalten, solange Qualität im Portfolio ist.“

Ebenso wendet die Stiftung beim Thema Nachhaltigkeit nur Ausschlusskriterien an, nicht dagegen einen Best-in-Class-Ansatz. Auch hierfür führte Träge einige Argumente an: „VW war laut der Agentur Oekom Research Best-in-Class bis zum Abgasskandal. Ebenso war die Deutsche Telekom Best-in-Class der Branche, bis sie 6.000 Mitarbeiter entließ, um mehr Gewinn zu erhalten. In solchen Fällen gehen alle auf Best-in-Class verpflichtete Nachhaltigkeitsanleger zur Tür raus und der Kurs fällt.“

Artikel teilen