Wie Stiftungen ihr Geld „richtig“ anlegen sollen, ließ sich an diesem Tag nicht beantworten. Doch war es für viele der rund 30 Besucher wohltuend, einen umfassenden Einblick in die Vermögensverwaltung einer mittelgroßen Stiftung zu bekommen. Stiftungsrechtliche Aspekte kamen auf dem Seminar im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin ebenfalls zur Sprache.

Auch eine Erklärung für die anhaltende Niedrigzinsphase konnte Träg anbieten: „Überall, wo es ein Überangebot gibt, sinkt der Preis. Und der Preis für Geld ist der Zins.“

Michael Sero, Senior Vice President der dänischen Jyske Bank, betonte allerdings in einem späteren Vortrag: „Wir haben zwar niedrige Zinsen, aber wir haben auch niedrige Inflation.“

Angesichts dieser Entwicklungen ist die Zeit der Klein- und Kleinststiftungen offenbar endgültig vorbei. „Eine rechtlich selbstständige Stiftung unter 2 oder 3 Mio. EUR macht keinen Sinn mehr“, so die Meinung des Tagungsleiters, Rechtsanwalts und Vorstand des Instituts für Erbrecht, Elmar Uricher. Insbesondere dann, wenn ein Stiftungsvorstand immer noch dem Irrglauben anhänge, mündelsicher anlegen zu müssen.

Seminar

Die Vermögensverwaltung für Stiftungen habe sich inzwischen zum wichtigsten Aspekt des Stiftungsrechts entwickelt, stellte der in Zürich lebende Stiftungsjurist Prof. Dr. Dominique Jakob fest.

Auch in der Schweiz sei mittlerweile die Ansicht verbreitet, dass kleine Stiftungen dem Sektor abträglich seien, berichtete Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht an der Universität Zürich. „Dann werden andere Formen empfohlen.“ Die Vermögensverwaltung für Stiftungen habe sich inzwischen zum wichtigsten Aspekt des Stiftungsrechts entwickelt. Eine gesetzliche Regelung hierfür gebe es jedoch nicht. Weit verbreitet sei der Rückgriff auf die prudent investor rule aus dem Aktienrecht, seit kurzem wird auch die Orientierung an den Grundsätzen der Mitarbeiter-Vorsorge empfohlen. „Dies würde aber für viele Stiftungen nicht passen und ist auch veraltet“, wandte der Rechtswissenschaftler ein. Er empfehle deshalb jedem Stifter, selbst Grundsätze zur Vermögensanlage zu entwickeln.

Die eidgenössischen Stiftungsaufsichten beschrieb Jakob als etwas kooperativer im Vergleich zu den deutschen Behörden. Schließlich müsse die Schweiz ihren Ruf als europäisches Stiftungsparadies wahren. „Auch dort kann man nicht einfach alles ändern, aber viele Änderungen sind durch Auslegung der Satzung möglich.“

Ebenfalls sei die Schweiz in Sachen Verbrauchsstiftung liberaler. So werde beispielsweise kein Mindestbestand von zehn Jahren für eine Verbrauchsstiftung verlangt. „Warum soll eine Verbrauchsstiftung nicht fünf Jahre bestehen, wenn dies funktional geboten ist“, fragte der in Zürich lebende Münchner. Das Schweizer Recht lasse so etwas zu.

Das Institut für Erbrecht richtet regelmäßig Veranstaltungen zu stiftungsrelevanten Themen aus.

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