04.10.2016 | Von Die Stiftung

„Erfahrungen teilen und Lösungen schaffen“

Gerhard Schaller, Geschäftsführer der Sensus Vermögen GmbH, begrüßt die Gäste und appeliert Probleme gemeinsam zu diskutieren und anzugehen. Allseits bekanntes Thema sind die Niedrigzinsen. Der Experte hierfür: der Wirtschaftswaise Professor Peter Bofinger.

Noch ist die Sonne am Hamburger Hafen nicht untergegangen – und schon ist das Sorgenkind Niedrigzins wieder präsent. Der Geschäftsführer der Sensus Vermögen GmbH, Gerhard Schaller, begrüßt die Gäste bei bestem Blick auf die bekannte Kulisse großer Containerschiffen und touristenbeladener Fähren. Probleme gemeinsam diskutieren und angehen – das ist Schallers Appell bei der Einführung in diesen Abend, der sich ganz um das allseits bekannte Thema niedrige Zinsen drehen soll. Der Experte hierfür: der Wirtschaftsweise Professor Peter Bofinger.

Bofinger
Gerhard Schaller, Geschäftsführer der Sensus Vermögen GmbH, begrüßte die Gäste. Foto: Julia Laumer

Als Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen erklärt Bofinger dem Publikum in einer spannenden Stunde anschaulich, worin das fundamentale Problem der derzeitigen globalen Wirtschaftskonstellation bestehe. Aktuell sei unsere Wirtschaft geprägt von verhaltenem Wachstum, nicht aber – und das betont der Referent – von einer Stagnation. Die aktuelle Fiskalpolitik Deutschlands, die Nachfrageimpulse in einer Zeit des chronischen Nachfragedefizits generieren solle, habe nicht die gewünschten Auswirkungen, denn der Bürger kaufe keine Staatsanleihen. Der Grund dafür: mal wieder der Nullzins. Staatsanleihen, die gute Zinsen bringen, existierten momentan schlichtweg nicht, da nicht investiert würde – die „schwarze Null“ sei viel mehr das Ziel des Finanzministers. Und wenn keine Schulden gemacht werden, können auch keine entsprechend verzinsten Staatsanleihen herausgegeben werden.

Doch woher genau kommt diese Situation? Aus dem Problem der zunehmenden Einkommens- und Vermögensumverteilung, so Bofinger. Das Konsumbedürfnis eines jeden Menschen sei irgendwann einmal befriedigt. Dann würde kein Geld mehr investiert und gelange so auch nicht in den realen Wirtschaftszyklus. Bürger und auch Unternehmen, die ihre Gewinne nicht investieren möchten oder können, blieben so auf ihrem Geld sitzen. Die verschiedenen Lösungsstrategien, die in Betracht gezogen werden könnten, zerschlägt der Experte sofort wieder. Sie seien in der Umsetzung nicht realisierbar. Generiere der Staat ein Wachstum durch Produktivitätssteigerung, würden zwar die Abläufe effizienter, im Endeffekt käme aber kein Brutto-Wachstum zu Stande. Der Versuch, wieder mehr Schulden zu machen, um die Binnennachfrage zu verstärken, sei ausgeschlossen, da sich weder Privatinvestoren noch der Staat momentan verschulden wollten. Und im Bereich Export sei die Republik bereits im Gleichgewicht, weshalb ein exportbetriebenes Wachstum weder eine Lösung noch weiter ausbaufähig sei.

In seinen weiteren Ausführungen konzentriert sich der Wirtschaftsexperte auf die Bewertung von Mario Draghis Aktionen als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser habe insofern richtig gehandelt, da er dem Problem der Inflation im Euroraum, welche unter dem EZB-Zielwert liegt, weitsichtig entgegenzuwirken versuchte. Jedoch müsse er jetzt aufpassen, nicht zu viel weiteren Aktionismus zu zeigen, sonst könnte die wirtschaftliche Stabilität gefährdet werden.

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