09.05.2016 | Von Die Stiftung

Menschenwürde neu diskutieren

Vom 19.-29. April fand die Berliner Stiftungswoche zum siebten Mal statt. „Von der Würde des Menschen“ lautete das Schwerpunktthema. Viele der über 100 Veranstaltungen widmeten sich der Flüchtlingsthematik, so auch die Stiftungsrede vom einstigen Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio.

Vom 19.-29. April fand die Berliner Stiftungswoche zum siebten Mal statt. „Von der Würde des Menschen“ lautete das Schwerpunktthema. Viele der über 100 Veranstaltungen widmeten sich der Flüchtlingsthematik, so auch die Stiftungsrede vom einstigen Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio.
von Christine Bertschi

 

Zum Auftakt der Berliner Stiftungswoche am 19. April verwandelte sich das Allianz Forum am Pariser Platz in eine Arena. Unter dem Titel „Von der Würde des Menschen“ diskutierten Experten und Interessierte über Sport als Chance, Gesundes Arbeiten und Selbstbestimmtes Älterwerden – jeweils im Blick auf die Menschenwürde und ihre Gefährdung in der großen Politik und im täglichen Miteinander. Das Format der Fish-Bowl sorgte für Abwechslung: Ein freier Stuhl in der Runde bot dem Publikum die Möglichkeit mitzudiskutieren.

Starken Applaus der mehr als 200 Besucher erntete Dr. Marianne Koch. Die Ärztin, Publizistin und TV-Legende („Was bin ich?“) beschäftigt sich seit Langem damit, wie unsere Gesellschaft mit Senioren umgeht: „Die Situation für ältere und alte Menschen in Deutschland liegt im Argen“, so Dr. Koch. „Die Würde Älterer wird deshalb oft verletzt, weil es an Wertschätzung mangelt.“

Schon am nächsten Tag ging es im Allianz Stiftungsforum mit einer Veranstaltung zu Projekten der eigenen Stiftungen weiter: „Gelebte Solidarität durch soziale Inklusion – was Stiftungen dazu beitragen können“ lautete der Titel der Diskussionsrunde. „Das Thema ist nicht nur angesichts der Flüchtlingssituation, sondern auch bezüglich der Spaltung der Gesellschaft aktuell“, begann Regine Lorenz, Leiterin der Allianz Stiftungsforums. Inklusion habe heute längst nicht mehr nur Menschen mit Behinderung als Zielgruppe. Ausgrenzung finde genauso durch Alter, Armut oder etwa fehlende Digitalisierung statt.

Stiftungswoche
Prof. Dr. Gesine Schwan teilte in einer Keynote ihre Gedanken zum Thema Inklusion. Foto: Frederic Schweizer

Ein Europa der Inklusion
Prof. Dr. Gesine Schwan, Gründerin und Präsidentin der Humboldt Viadrina Governance Plattform, ging in ihrer Keynote auf zwei Aspekte der Inklusion ein. Erstens müsse jeder bei sich selbst anfangen: Wer sich nach außen abschotte, verdränge auch innere Impulse. Und schon Kinder können lernen, dass sie darauf achten sollen, beim Spielen niemanden auszuschließen. Zweitens betonte Schwan die geografische Dimension der Inklusion und kam damit auf das Thema Flüchtlingspolitik zu sprechen: „Wenn man nicht mehr merkt, dass Europa die Quelle der Menschenrechte ist, ist Europa nicht mehr Europa“, konstatierte sie. Im Moment finde vonseiten der EU eine abschreckende Exklusionspolitik gegenüber Flüchtlingen statt. „Wir werden uns immer mehr zerstören, auch im Inneren“, gab sie zu bedenken. Die EU solle Anleihen aufnehmen, um die sich Kommunen bewerben können, die gerne Flüchtlinge aufnehmen möchten – und damit ihre Schulen füllen und Dörfer wiederbeleben könnten. „Ein Europa der Inklusion, bottom up, das wäre schön“, so Schwan.

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