09.05.2016 | Von Die Stiftung

Menschenwürde neu diskutieren

Vom 19.-29. April fand die Berliner Stiftungswoche zum siebten Mal statt. „Von der Würde des Menschen“ lautete das Schwerpunktthema. Viele der über 100 Veranstaltungen widmeten sich der Flüchtlingsthematik, so auch die Stiftungsrede vom einstigen Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio.

Drei Beispiele von Projekten, die von Stiftungen der Allianz gefördert werden, standen anschließend im Mittelpunkt. Die Rollstuhl Basketball Schulliga vereint alle sieben Förderschulen Berlins, nun sollen bald auch Schüler der Regelschulen miteinbezogen werden und Basketball im Rollstuhl spielen. „Sport kann ein wunderbares Element sein, um Menschen auf verschiedenen Ebenen zu verbinden“, so Dr. Markus Nitsche, Vorstand der Stiftung Allianz für Kinder. Wenn das Spielfeld und die Regeln feststehen, brauche es keine Sprache, und Hierarchien aus dem Alltag fallen auch weg.

Stiftungswoche
Dr. Lutz Spandau, geschäftsführender Vorstand der Allianz Umweltstiftung, im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo. Foto: Frederic Schweizer

Die Allianz Kulturstiftung unterstützt das Flüchtlingscafé „Neue Nachbarschaft“ im zentralen Berliner Stadtteil Moabit. Die Flüchtlinge bekommen dort die Möglichkeit, bei Deutschstammtischen die Sprache zu lernen, aber auch eigene Projekte zu verwirklichen und soziale Kontakte zu knüpfen. „Das ist der Anfang des Aufbaus der Zivilgesellschaft in den Herkunftsländern, da viele wieder zurückwollen“, erklärte Stiftungsgeschäftsführer Michael M. Thoss.

Das dritte vorgestellte Projekt überrascht durch seine Interdisziplinarität: die Allianz Umweltstiftung arbeitet mit der Jugendgerichtshilfe zusammen. Dr. Lutz Spandau, geschäftsführender Vorstand der Stiftung, erklärte gleich zu Beginn: „Viele denken, eine Umweltstiftung sollte sich doch für Blümchen und Viecher einsetzen – heute muss aber umfassender gedacht werden.“ Schließlich kommt das Projekt nicht nur den jugendlichen Erststraftätern zugute, sondern auch dem Naturschutz, indem die Jugendlichen in Oberbayern die Wälder pflegen. Nach einem Jahr konnte den zwölf Jugendlichen Lehrstellen vermittelt werden, neun von ihnen wurden nicht mehr straffällig. „Ein wunderbares Ergebnis für eine Umweltstiftung“, so Spandau.

Hinter verschlossenen Türen
Nicht alle konnten oder wollten ihre Meinung zur Flüchtlingskrise so offen kundtun wie Gesine Schwan. Aber Gesprächsbedarf bestand an vielen Orten: Der Vernetzung der Akteure aus Politik und Praxis hat sich die Vodafone Stiftung angenommen. Während die meisten Veranstaltungen der Berliner Stiftungswoche öffentlich zugänglich sind, schuf die Vodafone Stiftung einen Raum, in dem hinter verschlossenen Türen diskutiert werden konnte. Nur sieben der über 100 Veranstaltungen der Berliner Stiftungswoche waren als „geschlossene Veranstaltung“ angekündigt – und vier davon beschäftigten sich mit geflüchteten Menschen.

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