09.05.2016 | Von Die Stiftung

Menschenwürde neu diskutieren

Vom 19.-29. April fand die Berliner Stiftungswoche zum siebten Mal statt. „Von der Würde des Menschen“ lautete das Schwerpunktthema. Viele der über 100 Veranstaltungen widmeten sich der Flüchtlingsthematik, so auch die Stiftungsrede vom einstigen Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio.

Die Idee für die Veranstaltung mit dem Titel „Verbesserter Arbeitsmarktzugang von geflüchteten Menschen“ entstand über ein Projekt, dass die Vodafone Stiftung seit letztem Jahr fördert: Der Verein Prinzip Heimat e.V. will mit „Hotel Utopia“ ein Hotel als Sozialunternehmen gründen, das geflüchteten Menschen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten im Hotel- und Gastronomiebereich bietet. So werden aus Geflüchteten Gastgeber aus aller Welt. Doch noch stoßen die Initiatoren an bürokratische Grenzen, und die politischen Stakeholder wissen oft nicht, was in der Praxis funktioniert und wo Probleme auftauchen. „Deshalb wollten wir alle Seiten an einen Tisch bringen und haben zu einem Mittagessen eingeladen“, erklärte Alice Steinbrück, Referentin des Programmbereichs Social Entrepreneurship.

Die Teilnehmer waren sich einig: Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist ein entscheidender Faktor zur Integration. Eine Hürde sahen sie dabei nicht nur in der Finanzierung, sondern an erster Stelle in den Köpfen: Firmen, aber auch ihre Mitarbeiter müssen überzeugt werden von den Vorteilen der Integration. Dazu müsse Rechtssicherheit geschaffen werden für die Arbeitgeber – etwa, dass ein eingestellter Flüchtling seine Ausbildung hier beenden kann und nicht plötzlich nach zwei Monaten abgeschoben würde. Letztlich wurde beim Mittagessen in der Vodafone Stiftung nicht nur geredet, sondern auch Lösungsvorschläge erarbeitet. In Form eines Handlungspapiers sollen die Empfehlungen der Teilnehmer politischen Stakeholdern zur Verfügung gestellt werden.

Stiftungswoche
Udo Di Fabio ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht hielt die diesjährige Stiftungsrede über die Würde des Menschen. Foto: Berliner Stiftungswoche/Yehuda Swed

Menschenwürde und Staatsgrenzen
Die Berliner Stiftungsrede hielt dieses Jahr der einstige Verfassungsrichter Prof. Dr. Udo Di Fabio. Unter dem Titel „Die Würde des Menschen in einer offenen Welt“ ging er der Frage nach, wie viel Grenzziehung notwendig und erlaubt ist, ohne das Menschenbild westlicher Gesellschaftsordnungen zu verletzen. Und wie sich Freiheit und Selbstbestimmung der Flüchtlinge bewahren lassen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht im Grundgesetz. Eigentlich unmissverständlich, doch die Juristen wissen: „Je einfacher und klarer die Sätze sind, desto größer ist der Interpretationsbedarf“, erklärte Di Fabio. „Für wen gilt die Menschenwürde, wer kann sich auf das Schutzversprechen berufen? Gilt das weltweit für alle Menschen oder ist das abhängig von der Institution des Verfassungsstaates, der auch seine eigene Identität und Funktionsfähigkeit schützen muss?“ Die Globalisierung und die fortschreitende Europäisierung erzeugen einen Bedarf, über die Würde des Menschen neu zu diskutieren, so Di Fabio. Und dafür bot die Berliner Stiftungswoche reichlich Gelegenheit und Plattformen.

www.berlinerstiftungswoche.eu

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