Es war einer der politisch spannendsten Tage in Österreich, als 156 NPO-Vertreter am 23. Mai in der Wirtschaftsuniversität in Wien zusammenkamen. Um sich auszutauschen und gemeinsam zu reflektieren: Darüber, was aus dem „Ausnahmezustand“ der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres gelernt werden kann und wie es in diesem Arbeitsbereich weitergehen soll.

Es war einer der politisch spannendsten Tage in Österreich, als 156 NPO-Vertreter am 23. Mai in der Wirtschaftsuniversität in Wien zusammenkamen. Um sich auszutauschen und gemeinsam zu reflektieren: Darüber, was aus dem „Ausnahmezustand“ der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres gelernt werden kann und wie es in diesem Arbeitsbereich weitergehen soll. Die Nachricht, hierfür in Zukunft den Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen an der Spitze Österreichs zu haben, wurde mit großer Erleichterung empfangen.
Von Martina Benz

Neben dem offiziellen Motto „Flüchtlingskrise und das Lernen aus dem Unvorhergesehenen“ dominierte ein weiteres Thema den 14. NPO-Tag in der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien: die Bundespräsidentenwahl in Österreich. Immer wieder wurde Bezug auf die aktuellen politischen Entwicklungen und den ungewissen Ausgang der Wahl genommen – auch die Gespräche in den Kaffeepausen kamen nicht ohne dieses Thema aus. Die Sorge bezüglich möglicher Auswirkungen auf das Land, insbesondere auf die Arbeit in der Flüchtlingshilfe, war groß.

Nachdem es am Tag zuvor bei der Stichwahl kein klares Ergebnis gegeben hatte, warteten die Teilnehmer am Montag gespannt auf die Auszählung der Briefwahlstimmen. Als dann am frühen Abend das Ergebnis verkündet wurde, jubelte der Saal. Knapp hatte der Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen den Kandidat der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Norbert Hofer überholt. Erleichterung machte sich breit unter den anwesenden NPO-Vertretern, von denen viele in der Flüchtlingshilfe engagiert sind –  einige von ihnen seit dem „Ausnahmezustand“ im vergangenen Jahr, andere schon länger.

„Aus den Ausnahmezuständen des letzten Jahres lernen“ war das Ziel dieser Veranstaltung des Kompetenzzentrums für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien. Auf interaktive Art und Weise wurden die Teilnehmer dazu eingeladen, zu reflektieren und sich auszutauschen. Am Nachmittag in kleineren Expertenrunden anhand von Fallbeispielen und zu Themen wie „Resilienz von Organisationen“  oder „Wege aus der Krise“, am Vormittag unter anderem in Dreiergruppen, in denen der Frage nachgegangen wurde, welche Veränderungen die Ereignisse der letzten Monate in der eigenen Organisation hervorgerufen haben. In seiner Arbeitsstelle habe eine Verschiebung von Ressourcen in den Bereich der Flüchtlingshilfe stattgefunden, berichtete einer der Teilnehmer im Anschluss an die Reflektionsphase.

Und worauf kommt es in diesem Arbeitsbereich vor allem an? Um dieser Frage nachzugehen hatte ein Forschungsteam der WU um Prof. Dr. Ruth Simsa (Projektleiterin, NPO&SE Kompetenzzentrum der WU Wien) zwischen Ende Oktober 2015 bis Ende Februar 2016 die Rahmenbedingungen, die Bereitschaft zur Umsetzung eigener Geschäftsideen unter Flüchtlingen, die in der Flüchtlingshilfe tätigen Organisationen, die Freiwilligenarbeit sowie die Belastung Freiwilliger untersucht – anhand acht dokumentierter Freiwilligeneinsätze , 57 Interviews sowie Online-Erhebungsbögen. Die Ergebnisse wurden am NPO-Tag präsentiert. Zu jedem Punkt wurden zudem Empfehlungen gegeben. Der komplette Abschlussbericht und die Zusammenfassung der Studie mit dem Titel „Beiträge der Zivilgesellschaft zur Bewältigung der Flüchtlingskrise“ sind online einsehbar.

NPO-Tag

Prof. Dr. Ruth Simsa beim Vortrag zu „NPOs in der Flüchtlingskrise – Herausforderungen, Aktivitäten, Learnings“. Foto: Susanne Einzenberger

„Wir sind eine konsum- und sachorientierte Gesellschaft und reagieren auf Krisen gerne mit Sachen“, war eine der Beobachtungen von Simsa. Für eine effektive Erstaufnahme und Integrationsarbeit sei es jedoch wichtig, Strukturen zu schaffen. Manchmal müssten auch Kulturmuster, wie zum Beispiel die Hierarchie in der Organisation, geändert werden. Die WU-Forscherinnen und -Forscher hoben zudem Social Media als wichtiges Informations- und Koordinationsinstrument hervor.  Bislang würde das vor allem von neu gegründeten NPO flexibel eingesetzt.

Die Social Media Kanäle waren und sind für die Koordination der riesigen Anzahl Freiwilliger, das Forschungsteam der WU sprach sogar von einem „temporären Überangebot von Freiwilligen“, von großer Bedeutung.  Der effiziente Einsatz der vielen helfenden Hände war den Tag hindurch immer wieder ein wichtiges Thema. Einige zu beachtende Punkte bei der Koordination dieser Menschen sind laut Hoff folgende: ein konkreter Ansprechpartner von der ersten Minute an, klare Aufgaben- und Kompetenzverteilungen sowie Kommunikations- und Feedbackkanäle, ein aktiver Schutz vor Überforderung der Helfer und capacity building bei den Freiwilligenkoordinatoren.

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