23.02.2018 | Von Martina Benz

Norddeutscher Fundraising-Tag 2018: „Erst mal cool bleiben“

Um sich auf alle Höhen und Tiefen im Fundraising vorzubereiten, sind am 21. und 22. Februar Fundraiser aus ganz Deutschland in Hamburg zusammen gekommen. Ein kleiner Einblick in Tag zwei des Norddeutschen Fundraisingtags.

Fundraising
Auf dem Norddeutschen Fundraisingtag dreht sich zwei Tage lang alles um das Thema Fundraising. Foto: Martina Benz

„Erst mal cool bleiben und auskotzen lassen!“ Diesen Tipp hat Medienberater Jörg Schumacher den rund 200 Teilnehmern des 13. Norddeutschen Fundraisingtags am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg gegeben. Denn diejenigen, die für ihre Organisation nach außen treten und Gelder sammeln, müssten sich so einiges anhören – von der üblichen Kritik an den leidigen Verwaltungskosten bis hin zur Diffamierung des Fundraisers als „Bettler“. „Ein dickes Fell zulegen und Kontermöglichkeiten vorbereiten“, riet deshalb Schumacher. In einem Rollenspiel hatte er gemeinsam mit Thomas Neukirchen von „Fundgiver Social Marketing“ gezeigt, wie das geht.

Viele offene Fundraising-Fragen bezüglich der Datenschutzreform

Zwei Tage  lang hatte sich im Gemeinde- und Tagungszentrum Hauptkirche St. Michaelis alles rund um das Thema Fundraising gedreht – an Tag eins in ganztägigen Praxis-Seminaren, an Tag zwei bei einer Mischung aus Vorträgen und Workshops.

Die neue Datenschutz-Grundverordnung, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt und auch die kleinsten Vereine und Stiftungen betrifft, war eines der Workshop-Themen. Allerdings blieben auch nach 90 Minuten viele Fragen offen: Was ist vorbereitend zu tun, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden? Muss ich Daten wieder löschen und wenn ja, wann? Und was ist eine Mindestdokumentation, die jeder einhalten muss? Sie war eine der wenigen konkreten Handlungsanweisungen des Workshops: „Ein erkennbares Bemühen ist die beste Absicherung“, erklärte der Referent Wieland Kirch, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Kanzlei Schomerus & Partner. Organisationen sollten deshalb einen groben Entwurf eines Datenschutz-Konzeptes wagen – und zwar schnell. Denn: „Irgendwas machen ist besser als gar nichts.“ Doch die vielen offenen Fragen lassen eine Schlussfolgerung zu: Es fehlen Musterlösungen, Datenbanken und gesammelte Informationen, wo vor allem kleinere und mittlere Organisationen sich online informieren können.

Viele Follower durch gutes Community-Management

Deutlich ermutigender war da der Workshop von Mario Dresing des „Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.“, der den Teilnehmern den Aufbau von Offline-Communities näherbrachte. 12.000 Unterstützer in zwölf Jahren – der Verein, der sich für den globalen Zugang zu Wasser und Hygiene einsetzt, scheint zu wissen, wie man begeistert. In ihrer „Community-Arbeit“ zieht die Organisation vor allem junge Unterstützer durch niedrigschwellige Engagementmöglichkeiten an. Eine davon: Pfandbecher auf Konzerten sammeln. Indem die Besucher auf ihr Pfand verzichten, spenden sie an Viva con Agua – und erfahren dadurch ganz nebenbei von deren Arbeit. In 50 Städten hat der Verein inzwischen Ableger, etwa 4.000 Menschen sind für ihn aktuell aktiv und organisieren Benefizkonzerte und Partys, sammeln Pfand oder helfen beim Bau des eigenen Vereinshauses. „Wir arbeiten professionell, aber wir behalten immer unsere Verrücktheit bei“, so Dresing. Er bezieht sich dabei auf Aktionen, wie den gemeinsamen Fußmarsch von Hamburg nach Basel. Denn das macht die Kultur der Organisation aus: ein großes, internationales Netzwerk sowie viel Freude und Begeisterung.

Norddeutscher Fundraisingtag 2019

Dazu ermutigten auch Jörg Schumacher und Thomas Neukirchen  am Ende des Tages die Teilnehmer: „Macht weiter so mit eurer Arbeit, die die Welt verändert“. Der 14. Norddeutsche Fundraisingtag ist hierfür bereits geplant: Am 19. und 20. Februar 2019 geht es weiter – traditionsgemäß in der Hansestadt Hamburg.

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