06.03.2015 | Von Die Stiftung

Wände streichen ist out

Die BMW Stiftung und die Taproot Foundation luden Ende Februar zum „Global Pro Bono Summit“ nach Berlin ein. Besucher aus 23 Ländern tauschten sich in vier Tagen über Entwicklungen und Ideen in ihrem Gebiet aus.

Die BMW Stiftung und die Taproot Foundation luden Ende Februar zum „Global Pro Bono Summit“ nach Berlin ein. Besucher aus 23 Ländern tauschten sich in vier Tagen über Entwicklungen und Ideen in ihrem Gebiet aus.
Von Christine Bertschi

 

„Pro Bono bringt mehr als Wände streichen in der Kita!“ – darüber waren sich alle Teilnehmer des Global Pro Bono Summits einig. Vom 24.-27. Februar richteten die BMW Stiftung und die US-amerikanische Taproot Foundation den Summit zum dritten Mal aus. In Berlin trafen sich Pro-bono-Vermittler von 32 Organisationen aus 23 Ländern, die sogenannten „Global Fellows“. Zu ihnen gesellten sich 14 deutsche Intermediäre und Firmenvertreter. Insgesamt gab es rund 60 Besucher. Sie alle versuchen, die Expertise von – meist größeren – Unternehmen in den Non-Profit-Sektor zu vermitteln. Und zwar so, dass den NPOs keine Kosten entstehen und der Wissenstransfer möglichst nachhaltig wirkt.

Claudia Leißner von Proboneo (rechts) im Gespräch mit Global Fellows
Claudia Leißner von Proboneo (rechts) im Gespräch mit Global Fellows

In den Vereinigten Staaten ist pro bono – für das Gemeinwohl – ein weit verbreitetes Phänomen mit einem 15-Mrd.-USD-Markt. In Deutschland ist die Bewegung noch relativ jung, mithilfe der BMW Stiftung soll sie hier verbreitet werden. Die gemeinnützige Proboneo GmbH zum Beispiel ist ein Pionier, den die BMW Stiftung eng begleitet. Proboneo hat sich gegründet, um engagierte Fach- und Führungskräfte mit NPOs zusammenzubringen, sodass dem gemeinnützigen Part keine Kosten entstehen. „Gemeinnützige Organisationen sind meist stark unterfinanziert, und gehen gleichzeitig die dringendsten gesellschaftlichen Probleme an“, so Claudia Leißner, Gründerin und Geschäftsführerin von Proboneo. „Dank pro bono können Vertreter des ersten und zweiten Sektors etwas für die Gesellschaft und für sich tun, dabei ihr Fachwissen nutzen und weitergeben, es aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten“, erklärt die Gründerin.

Die BMW Stiftung und die Taproot Foundation wollen die Pro-bono-Bewegung global vorantreiben. Armin Piálek, Projektmanager für Soziale Innovationen bei der BMW Stiftung und Co-Organisator des Summits, betont aber vor allem das Know-how der Intermediäre: „Sie sind die Experten im Raum und wir geben ihnen eine internationale Plattform.“ Die Global Fellows wissen aus ihrem Arbeitsalltag, was gemeinnützige Organisationen brauchen, wo die Interessen der Unternehmen liegen und was für die Vermittler wichtig ist. „Deshalb geben wir ihnen viel Raum für Diskussionen und Austausch. Die Panels sind interaktiv gestaltet, wir lassen die Fellows selbst Vorträge halten, statt Experten von außen einzuladen.“ Wie viel Redebedarf bestand, zeigte sich nach Pausen und Kleingruppenarbeiten: die Intermediäre zurück auf ihre Plätze zu bringen und Gespräche zu unterbrechen war schier unmöglich.

Den öffentlichen Sektor miteinbeziehen
Dass ein Panel im Familienministerium abgesagt werden musste, war denn auch kein Problem. Zum Thema Partnerschaften mit dem öffentlichen Sektor sprach stattdessen Jia Chuan Kwok, Vorsitzender der Conjunct Consulting aus Singapur. Sein Land stehe vor großen sozialen Herausforderungen, die Lebenserwartung stieg in 15 Jahren um 10 Jahre. „Jeder hat seine Rolle zu spielen bei der Unterstützung von Pflegebedürftigen“, so Kwok. Er plädiert für ein Public-Private-People-Partnership, wobei das Ministerium für Soziales die Koordination übernehme. „Auf den verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand können wir anknüpfen und gemeinsam pro bono vermitteln“, erklärte Kwok. Doch was, wenn die Regierung wechselt, fragte das Publikum. „Dieses Problem haben wir in Singapur nicht“, sagte Kwok und lachte – das Land wird seit der Unabhängigkeit 1965 von der gleichen und einzigen Partei regiert. Welche Möglichkeiten in welchen Ländern bestehen, diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen: Der slowakische Präsident etwa übt sein Amt pro bono aus – daran könnte angeknüpft werden.

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