02.11.2018 | Von Sabine Kamrath

„Sie dürfen mehr, als Sie denken“

Wie gewohnt, hat der Gesprächskreis Stiftungsfonds in München im Oktober stattgefunden. In diesem Jahr erstmalig in den Design Offices am Arnulfpark, wo in kreativer und moderner Atmosphäre zu Gesprächen und Diskussionen angeregt wurde.

Gesprächskreis Stiftungsfonds
Austausch über Anlagechancen für Stiftungen: Daniel Blum (Jupiter Asset Management), Andreas Frieden (Bank J. Safra Sarasin), Bernhard Matthes, (Bank für Kirche und Caritas) sowie Moderatorin Sabine Kamrath (DIE STIFTUNG, von links). Fotos: Julia Laumer

Zum Einstieg beschäftigten sich die Gäste mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Kapitalanlage von Stiftungen in einem Vortrag von Stefan Stolte, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums. Darin räumte Stolte mit einigen verbreiteten Vorurteile auf, indem er zunächst auf die gesetzlich festgelegte Ausgangsbasis einging, die, anders als von vielen vermutet, nicht besonders viel aussagt, außer dass das Vermögen als Quelle der Leistungsfähigkeit der Stiftung für die vorgesehene Dauer der Stiftung zu erhalten, sicher anzulegen und sparsam zu verwalten sei.

Unnötig große Angst vor Haftung bei Verlusten

Vorstände sollten sich daher an vier aus der Rechtsprechung und Wissenschaft entwickelten Grundsätzen orientieren: dem Primat des Stifterwillens, dem Verbot der ertraglosen oder rein spekulativen Anlagestrategie, dem Kapitalerhaltungsgrundsatz und dem Gebot, das Risiko-/Renditeprofil auf den Stiftungszweck auszurichten. Ansonsten sollten Vorstände die Freiheiten, die sich dadurch ergeben, in der Vermögensanlage nutzen und sich nicht von Begriffen wie „mündelsicher“ abschrecken lassen, die noch immer durch die Szene umhergeisterten. Auch die Angst vor einer Haftung bei Verlusten sei unnötig groß. Denn durch einen regelbasierten Investmentprozess ließen sich, auch in proaktiver Abstimmung mit der Stiftungsaufsicht, Haftungsprobleme vermeiden, wenn man belegen könne, dass eine Anlageentscheidung zum entsprechenden Zeitpunkt eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung gewesen sei, auch wenn sie sich dann nicht wie erwartet entwickelt habe.

Stefan Stolte, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums, empfahl vier Grundsätze zur Orientierung.

Im anschließenden Vortrag von Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer von Asset Standard, ging es dann unter anderem um die Frage, wie man gute Vermögensverwalter findet, denn, so Erdmann: „Den Besten werden Sie nicht finden. Den gibt es nicht, es gibt viele Gute, auf die sollten Sie sich konzentrieren.“ Dabei stellte er einige Kennzahlen vor und ordnete diese auch in das aktuelle, turbulenter gewordene Marktgeschehen ein. Außerdem ging er ausführlich auf das Thema der Kosten von Fonds ein und erläuterte auch die Unterschiede zwischen der Total Expense Rate (TER), den laufenden Kosten im Kundeninformationsdokument (KID) und der Real TER: „Lassen Sie sich nicht beirren, durch die neuen Pflichten zur Angabe der Kosten können Sie im KID zu jedem Fonds genau sehen, auf welcher Ebene welche Kosten anfallen“, erklärte Erdmann anhand eines Ex-post-Kostenausweises, der nun durch MiFiD II gefordert sei. Auch versuchte Erdmann, die Begriffe Risiko, Performance und Ausschüttung miteinander in Verbindung zu setzen.

Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer von Asset Standard, gibt Tipps für die Suche nach einem geeigneten Vermögensverwalter.

Diese Begriffe nahmen die Fondsvertreter in der anschließenden Diskussionsrunde gerne auf. Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement der Bank für Kirche und Caritas, Daniel Blum, Vertriebsdirektor Süddeutschland der Jupiter Asset Management und Andreas Frieden, Director Client Portfolio Manager der Bank J. Safra Sarasin stellten zunächst jeweils einen Fonds vor, um danach in der Diskussion auf aktuelle Ereignisse, strategische Ausrichtungen der Fonds und Fragen aus dem Publikum einzugehen. Besonders interessiert zeigten sich dabei die Teilnehmer an Aspekten der Nachhaltigkeit und des ethisch vertretbaren Investierens. Blum ging beispielsweise darauf ein, dass Jupiter in Großbritannien bereits vor dreißig Jahren die ersten „grünen Fonds“ aufgelegt habe, und man in der Auswahl der Investments auf bestimmte ökologische, gesellschaftliche und Governance-Themen achte. Matthes erläuterte, inwiefern CAT-Bonds – Katastrophenanleihen, etwa von Versicherungsunternehmen – im Fonds der Bank für Kirche und Caritas ein vertretbares Investment seien, wodurch das eine oder andere Vorurteil gegenüber diesem Investment ausgeräumt werden konnte. Frieden erläuterte anhand der Sarasin Sustainability-Matrix, wie die Titelauswahl des Fonds erfolge, und welche Branchen komplett ausgeschlossen seien – die Automobilindustrie beispielsweise, aber auch Gentechnik.

Es gibt noch Zinsen

Alle drei waren sich einig, dass das aktuelle Marktumfeld zwar unruhig sei, „Sie müssen aber auch sehen, die Jahre vorher waren eigentlich ungewöhnlich ruhig und relativ schwankungsarm, und geprägt von stetem Wachstum“, ordnete Matthes ein. Blum verwies darauf, dass in einem solchen Umfeld Anleihen noch immer als stabilisierende Faktoren im Portfolio fungieren, und dass man diese Anlageklasse nicht ausschließlich aufgrund niedriger Zinsen abschreiben sollte. „Es gibt durchaus auch Bereiche, in denen noch Zinsen bezahlt werden, wie zu Beispiel in den Emerging Markets“, so Blum. Hier konnten er und Matthes sich gut ergänzen und erläuterten, dass mit Emerging Markets nicht nur asiatische Länder gemeint seien, sondern es auch im EU-Raum Kandidaten gebe, in die man relativ sicher und dennoch ertragreich investieren könne.

Teilnehmer im Austausch

Frieden betonte, durch aktuell zunehmende Schwankungen an den Märkten würde sein Team sich in der Titelauswahl nicht beirren lassen. „Sie versuchen, Qualität zu kaufen, die sich langfristig durchsetzt. Diese Unternehmen verlieren nicht substantiell an Wert, wenn es an den Börsen mal auf und ab geht, das sind Werte, die sich ganz langfristig positiv entwickeln“, schloss er. Auch wie die Fondsexperten die gerade vor allem politisch getriebenen Marktbewegungen bewerten, zeigte einmal mehr, dass das Investieren mit ruhiger Hand, im Gegensatz zum kurzfristig auf Chancen setzende Spekulieren, erforderlich sei. „Man sollte nicht die Nerven verlieren und nicht alles mitmachen, sondern sich eine Strategie überlegen und dabei bleiben“, meinte Matthes und schlug damit den Bogen zum Einführungsvortrag von Stolte zurück. Beim anschließenden Imbiss konnten die Gäste untereinander und im Gespräch mit den Fondsexperten noch den einen oder anderen Aspekt vertiefen und sich im persönlichen Gespräch selbst davon ein Bild machen, welche Strategie ihnen schlüssig erscheint und welcher Ansatz zu ihrer Stiftung und ihrem Portfolio passen könnte.

Die Präsentationen der Referenten und Fondsexperten finden Sie hier zum Download:

Der nächste Gesprächskreis Stiftungsfonds findet am 27. November 2018 in Frankfurt am Main statt. Informationen dazu finden Sie hier.

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