12.03.2015 | Von Die Stiftung

Strategische Partnerschaften zwischen Stiftungen und Politik?

Immer weniger Bürger haben Vertrauen in ihre Regierungen. Dieses Alarmsignal ist für die OECD Anlass, Kontakt mit der Zivilgesellschaft zu suchen. Am 6. März trafen sich in Paris Vertreter von europäischen und nordamerikanischen Stiftungen mit leitenden Mitarbeitern der OECD.

Immer weniger Bürger haben Vertrauen in ihre Regierungen. Dieses Alarmsignal ist für die OECD Anlass, Kontakt mit der Zivilgesellschaft zu suchen. Am 6. März trafen sich in Paris Vertreter von europäischen und nordamerikanischen Stiftungen mit leitenden Mitarbeitern der OECD.
von Rupert Graf Strachwitz

 

In ihrem Jahresbericht 2013 weist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnend darauf hin, dass im Durchschnitt der 34 Mitgliedsländer nur 40% der Bürger und Bürgerinnen ihrer Regierung vertrauen. In einigen Ländern sind es kaum 10%. Angesichts des immer exzessiveren Misstrauens der Regierungen gegenüber ihren Bürgern kann dies nicht verwundern. Ausschlaggebend ist aber offenkundig das Versagen vieler Staaten bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Dies, so die OECD, untergräbt auch das Vertrauen in die Wirtschaft und ist deshalb alarmierend, weil „Vertrauen in die Regierung als eines der wichtigsten Fundamente identifiziert worden ist, auf dem die Legitimität und Nachhaltigkeit politischer Systeme ruht“. Bemerkenswert ist, dass innerhalb der OECD die Regierungen der Staaten das höchste Vertrauen genießen, die von anderen gern angegriffen werden (Luxemburg und die Schweiz) und dass der Vertrauensbestand in den nicht der OECD angehörenden BRIICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China, Südafrika) überall größer ist als im Durchschnitt der OECD. Unter den Mitgliedsstaaten liegt Deutschland übrigens ziemlich genau im Durchschnitt.

Die OECD, die nach ihrem Selbstverständnis das Ziel verfolgt, „eine Politik zu befördern, die das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht verbessert“, schließt daraus, dass der Fokus auf Vertrauen der „Gesamtheit der Strukturen und Prozesse, die zur Regelung der Angelegenheiten der Allgemeinheit führen“ (so die UN-Definition von Governance) eine neue Perspektive eröffnet, die „den Bürgern eine wichtigere Rolle zuweist“. Dies ist für die OECD Anlass, verstärkt den Kontakt zur Zivilgesellschaft zu suchen. Im Oktober 2014 fand an ihrem Sitz in Paris die Jahrestagung des International Civil Society Centre statt, dem die großen international tätigen NGOs angehören. Am 6. März 2015 folgte nun ein Arbeitsgespräch mit Vertretern von 10 europäischen und nordamerikanischen Stiftungen sowie des Europäischen Stiftungszentrums (EFC). Mehrere leitende Mitarbeiter der OECD und Delegierte aus einigen Mitgliedsstaaten nahmen daran teil. Dazu muss man wissen, dass im Lauf eines Jahres rund 50.000 Personen an Konferenzen bei der OECD teilnehmen. Es herrscht, so wurde betont, große Offenheit gegenüber Außenstehenden, mit denen man auf gleicher Augenhöhe diskutieren will.

Die Vertreter der Stiftungen – aus Deutschland waren die Bertelsmann und die Maecenata Stiftung dabei – hatten überwiegend bereits in einer Arbeitsgruppe mitgearbeitet, die unter Leitung des Carnegie UK Trust versucht, strategisches Stiftungshandeln zu befördern. Dr. Rolf Alter, der zuständige Direktor bei der OECD eröffnete das Gespräch, indem er die Zyklen der inhaltlichen Bestimmung von Politik (policy cycles) in Erinnerung rief und fragte: „Wo fügen sich die Stiftungen ein? Wo stehen sie heute? Wo wollen sie morgen sein?“

Einig war man sich ohne Einschränkung, dass Stiftungen auf jeden Fall an der Entwicklung und Formulierung von Inhalten, vielleicht an der Umsetzung, sicher an der Evaluierung, aber keinesfalls an der Entscheidung beteiligt sein könnten. Dafür fehlt ihnen das Mandat, auf das es andererseits gerade in der Entwicklungsphase gar nicht ankommt. Hier ist in der modernen Gesellschaft jeder willkommen und legitimiert, der ernsthaft und aufrichtig einen Beitrag leisten will. Martyn Evans, CEO des Carnegie UK Trust, ging aber einen Schritt weiter. „Stiftungen sind privilegiert! Sie haben Zeit und Ressourcen, um nachzudenken. Daraus müssen sie etwas machen“, forderte er und unterstrich damit die Verpflichtung der Stiftungen, sich in inhaltliche strategische Prozesse einzubringen, freilich ohne den Anspruch zu erheben, diese dominieren zu wollen.

Artikel teilen