12.03.2015 | Von Die Stiftung

Strategische Partnerschaften zwischen Stiftungen und Politik?

Immer weniger Bürger haben Vertrauen in ihre Regierungen. Dieses Alarmsignal ist für die OECD Anlass, Kontakt mit der Zivilgesellschaft zu suchen. Am 6. März trafen sich in Paris Vertreter von europäischen und nordamerikanischen Stiftungen mit leitenden Mitarbeitern der OECD.

Im Verlauf des Gesprächs hatten mehrere Stiftungsvertreter die Gelegenheit, den spezifischen Ansatz ihrer Stiftungen darzustellen. So berichtete beispielsweise Ana Marie Argilagos, die die Ford Foundation vertrat, aus eigenem Erleben von den Versuchen der US-Regierung, einen kontinuierlichen Dialog mit Stiftungen zu begründen, und wie Erfolge erst dann sichtbar wurden, als die Regierungsvertreter ihre Meinung überwunden hatten, es ginge im wesentlichen darum, Projekte von Regierung und Verwaltung durch Stiftungen finanzieren zu lassen. Dies zu fordern, schafft, wie ein anderer Teilnehmer sagte, kein Vertrauen, sondern bricht es! Andererseits fragte Angelos Binis, Vertreter Griechenlands bei der OECD: „Wo sind die Stiftungen, wenn es brennt?“ „Wenn man sie bittet, sind sie zur Stelle“, wurde ihm entgegengehalten.

Im Lauf des Tages wurden viele Möglichkeiten gehört, welchen Beitrag Stiftungen leisten können:

  • Sie können Herausforderungen analysieren.
  • Sie können entstehende Trends aufgreifen.
  • Sie können Rat geben.
  • Sie können Katalysatoren sein.
  • Sie können Menschen zusammenbringen.
  • Sie können Gesprächsebenen schaffen.
  • Sie können Positionen diskutieren.
  • Sie können Sachverhalte erforschen.
  • Sie können unabhängige Positionen vorstellen.
  • Sie können experimentieren.
  • Sie können eine Agenda aufzeigen.
  • Sie können ein Thema voranbringen.
  • Sie können informieren.
  • Sie können ein Netzwerk herstellen.
  • Sie können bürgerschaftliches Engagement initiieren.
  • Sie können Philanthropie wecken.
  • Sie können Beiträge zur Umsetzung leisten.
  • Sie können in ein Thema investieren.
  • Sie können im Einzelfall finanzielle Unterstützung anbieten.
  • Sie können Regierungen davor bewahren, vom Markt vereinnahmt zu werden.

Was davon zum Einsatz kommt, hängt vom Thema und anderen Umständen ebenso ab wie von den Möglichkeiten jeder einzelnen Stiftung. Denn sie sind, wie Dharmendra Kanani, der das EFC vertrat, unterstrich, verschieden und handeln individualistisch. Nicht immer, aber oft können sie schnell handeln.

Transnationale Organisationen wie OECD tun sich, so wurde deutlich, relativ leicht, mit Stiftungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zu kommunizieren. Zumal die OECD die nationalen Regierungen beraten könnte, die überwiegend noch in einer Denkweise verharren, die im 19. Jahrhundert geprägt wurde. Diese müssen ihre Position zwischen Regionen, supranationalen Zusammenschlüssen (etwa der EU), multinationalen Wirtschaftsunternehmen und Zivilgesellschaft neu bestimmen. Gerade diese brauchen sie, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Zu Recht, so Sir John Elvidge vom Carnegie UK Trust in seinem Schlusswort, erwarten die Bürgerinnen und Bürger, dass die Stiftungen sich dieser Aufgabe stellen und zuallererst dadurch den Bürgern dienen.

Eine schwierige Frage konnte allerdings nicht mehr behandelt werden. Die OECD hat sich als vordringliches Ziel den Kampf gegen Ungleichheit vorgenommen. Ob gerade dafür die Stiftungen geeignete Partner sind, blieb offen. Immerhin existiert ein nicht geringer Teil von ihnen, weil es Ungleichheit gab. Ein Grund mehr, das Gespräch strukturiert fortzusetzen!

 

Dr._Rupert_Graf_StrachwitzDr. phil. Rupert Graf Strachwitz ist Vorstand der Maecenata Stiftung, München, und Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Berlin. Internationale Philanthropie steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit.

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