14.09.2012 | Von Die Stiftung

To be discussed: Venture Philanthropy

Stolz konnte Kurt Peleman, Geschäftsführer der European Venture Philanthropy Association (EVPA), von den ständig steigenden Mitgliederzahlen seiner Organisation berichten. Immerhin seien aktuell über 145 Mitglieder in 20 Ländern Teil der EVPA und setzten sich damit für die Verbreitung und den wirksamen Einsatz von Venture Philanthropy in Europa ein.

Von Thomas Schiffelmann

 

Quelle: EVPAEin guter Einstieg für das öffentliche Treffen der 14 deutschen Mitglieder in den Räumlichkeiten der BMW Stiftung Herbert Quandt in München am 11. September. Insgesamt folgten rund 60 Vertreter aus Unternehmen, Banken, Stiftungen und Nonprofit-Organisationen sowie interessierte Privatpersonen der Einladung, um über Social Business, Mission-Related Investment und den Social Reporting Standard zu diskutieren.

Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand BMW Stiftung Herbert Quandt und Vorstandsmitglied der EVPA erklärte, dass die BMW Stiftung die EVPA als Vollmitglied und als strategischer Förderpartner unterstütze, weil sie davon überzeugt sei, dass soziales Risikokapital den Instrumentenkoffer guter und effizienter Gemeinwohlarbeit bereichere. Mit der EVPA teile die BMW Stiftung auch die Ansicht, dass stabile Infrastrukturen und unternehmerische Skalierung den Dritten Sektor stärken.

Denn Venture Philanthropy verbindet Erfahrungen aus dem Stiftungswesen und der Förderpraxis mit erfolgreichen Ansätzen aus dem Private-Equity- und Venture-Capital-Geschäft. Somit versuchen soziale Investoren, Stiftungen und private Förderer gesellschaftlichen Innovationen zum Erfolg zu verhelfen.

Den Vormittag waren die Teilnehmer in vier parallel laufende Workshops aufgeteilt. Den Workshop „Spenden nach den Prinzipien der Venture Philanthropy“ leitete Dr. Christian Meyn, Geschäftsführer der gemeinnützigen Auridis gGmbH, die die Verbreitung wirksamer Angebote für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren, insbesondere aus sozial belasteten Familien, unterstützt. So auch den Papilio e.V. zur Gewalt- und Suchtprävention bereits im Kindergartenalter, der von der geschäftsführenden Vorsitzenden, Heidrun Mayer, vertreten wurde. Trotz ausreichenden Anfangsinvestitionen durch Unternehmen und Stiftungen liege die Schwierigkeit vor allem in der nachhaltigen Finanzierung, so Mayer.

Quelle: EVPAEine Erfahrung, die Auridis auch in der Förderung von Projekten im Ausland gemacht hat. Dort fange man allerdings eher bei der Basisarbeit (Capacity Building) an. Entscheidend sei jedoch immer eine wirkungsorientierte Denkweise. Darum ging es auch am Nachmittag in dem Kurz-Workshop „Wirkungsmessung von gesellschaftlicher Veränderung“. Der Geschäftsführer von children for a better world e.V., Felix Dresewski, brachte dazu ein Beispiel aus seiner eigenen Programmarbeit in die Diskussion ein: Der Jahresbericht des Vereins für das Projekt JUGEND HILFT! wurde erstmalig unter Anwendung des „Berichtsstandards für Soziale Organisationen“ (Social Reporting Standard, www.social-reporting-standard.de) als wirkungsorientierte Berichterstattung erstellt. Claudia Leißner, Projektmanagerin der gemeinnützige Auridis gGmbH und Dr. Barbara Scheck, Investment Manager bei der BonVenture Management GmbH legitimierten als Mitentwickler diesen Ansatz.

Bisher hat sich für diese Darstellungen noch kein einheitlicher Rahmen etabliert, wodurch viele Organisationen unter einem hohen Berichtsaufwand leiden. Für Finanzierer ist es auf Basis der hohen Heterogenität der Berichte schwierig, die Organisationen und Projekte zu identifizieren, die ihren Präferenzen am besten entsprechen. Denn bei der Auswahl von Förderprojekten ist die Wirkung auf die fördernde Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.

Weitere Kurz-Workshops widmeten sich unter anderem unter der Leitung von Felix Oldenburg, Hauptgeschäftsführer von Ashoka Deutschland, den Themen „Venture Philanthropy in der Praxis“ und „Rechtliche Rahmenbedingungen und staatliche Förderung: Was tut die EU für Venture Philanthropy“.

In einem Abschlussplenum gaben Markus Hipp und Dr. Felicitas von Peter, Geschäftsführende Gesellschafterin des Forum für Active Philanthropy gGmbH dann noch einen Ausblick auf die diesjährigen EVPA Annual Conference am 13./14.11.2012 in Dublin (www.evpa2012.com).

Am Ende des Tages zeigte sich Kurt Pelemann sehr erfreut über die rege Diskussion beim German Country Meeting und schloss mit den Worten „We are the once, the world is waiting for. So, good-bye in Ireland!“

Thomas Schiffelmann ist Leiter Marketing der humanitären Hilfsorganisation Handicap International in Deutschland mit Sitz in München. Die Organisation setzt sich weltweit in über 60 Ländern mit über 300 Projekten insbesondere für Menschen mit Behinderung ein. Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen fördern deren Autonomie und echte Integration in die Gesellschaft für ein aufrechtes Leben.

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