02.10.2018 | Von Sabine Kamrath

Über den Tellerrand hinaus

Beim Gesprächskreis Stiftungsfonds in Hamburg wurde über aktuelle Themen aus der Stiftungsbranche referiert und diskutiert. Thema war unter anderem die Anlage des Stiftungsvermögens. Es wurde betont, wie wichtig der Dialog zwischen Stiftungen ist.

Moderatorin Sabine Kamrath im Gespräch mit Achim Lange, Hamburger Sparkasse, Bernhard Matthes, Bank für Kirche und Caritas, sowie Allan Larsen, Jyske Bank (von links). Fotos: Julia Laumer

Alle zwei Jahre gastiert der Gesprächskreis Stiftungsfonds in Hamburg, auch in diesem Jahr wieder in Kooperation mit funds excellence am 11. September im Haus der Philanthropie der Hilfsorganisation Plan International. Kathrin Hartkopf, Geschäftsführerin der Stiftung Hilfe mit Plan, begrüßte die anwesenden Stiftungsvertreter und verdeutlichte, wie wichtiger der fachliche Dialog sei und dass gerade im Stiftungsbereich das Denken überwunden werden müsse, dass jeder auf seiner eigenen Insel allein zurecht käme.

Rechtliche Verpflichtung zu Beratung im Kundensinn 

Die Aufforderung zum Dialog nahmen die beiden Referenten des Tages ebenfalls mit auf. Sowohl Thomas Soltau, Vorstand von FondsDISCOUNT.de, als auch Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der Asset Standard GmbH riefen die Stiftungen dazu auf, mit ihren Beratern in der Kapitalanlage zu sprechen. Unter dem Titel „MiFiD 2, Regulatorik, Kostentransparenz und Depoteröffnung – Was gilt es bei der Anlage des Stiftungsvermögens in Fonds zu beachten?“ ging Soltau auf die Neuerungen zur Depoteröffnung und -verwaltung ein. Beispielsweise erklärte er, welche Auswirkungen MiFiD 2 auf die Vermögensberatung habe und welchen Nutzen Stiftungen daraus ziehen könnten. „Die sogenannte Wohlverhaltenspflicht wurde verschärft, was auch bedeutet, dass der Berater Ihnen nichts verkaufen darf, was für Sie unter Kosten- und Nutzenaspekten nicht sinnvoll ist. Im Endeffekt sind die Berater dadurch gezwungen, stärker im tatsächlichen Kundensinn zu beraten, und nicht im Sinne der Bank.“ Zudem seien Vergütungen auf Provisionsbasis weitgehend eingeschränkt worden und alles müsse in der Kostenübersicht ausgewiesen werden. „Theoretisch können Sie das im Zahlenwerk zu dem entsprechenden Produkt alles sehen. Und wenn Sie das nicht verstehen dort oder nicht finden, lassen Sie es sich so lange erklären, bis Sie es verstanden haben. Sie haben ein Recht darauf, als Kunde, und als Vorstand ist es auch Ihre Pflicht“, erklärte er.

Allerdings seien durch den gestiegenen Aufwand an Kommunikation, Dokumentation und Transparenz auch kaum noch schnelle Entscheidungen möglich. Zudem sei bereits die Tendenz erkennbar, dass gerade kleine Stiftungen nicht mehr im Rahmen einer Vermögensberatung zu betreuen seien, sondern nur noch im Hinblick auf eine Anlage- und Abschlussvermittlung. Es gäbe aber noch eine ganze Palette an Anbietern, bei denen auch kleinere Anlagesummen willkommen seien, meinte er. Gerade in Hinblick darauf, dass Stiftungen nach MiFiD 2 nun als Privatpersonen und nicht mehr als institutionelle Investoren eingestuft würden, sei es weiter wichtig, sich Gedanken zu machen, ob man von seiner Bank nicht auf Antrag als professioneller Kunde hochgestuft werden könne. Dies sei möglich, wenn man ein Bankguthaben oder einen Depotwert von über 500.000 EUR vorweisen könne, durchschnittlich zehn Geschäfte „im erheblichen Umfang“ pro Quartal durchführe und der entsprechende Stiftungsvertreter mindestens ein Jahr berufliche Erfahrung am Kapitalmarkt habe.

Thomas Soltau erklärt, welche Auswirkungen MiFiD 2 auf die Vermögensberatung hat und welche Vorteile Stiftungen daraus ziehen könnten.

Klaus-Dieter Erdmann schloss daran mit seinem Vortrag zu aktuellen Themen aus der Welt der Stiftungsfonds an. Neben Erläuterungen zu Performance-Zahlen, Risikoklassen und Erläuterungen zur aktuell gestiegenen Volatilität in den Märkten allgemein ging er auch auf das Investmentsteuer-Reformgesetz ein, das seit dem 1. Januar 2018 in Kraft ist. Er errechnet beispielhaft die steuerliche Mehrbelastung, die sich aus der Gesetzesreform ergibt, welche sich für den herangezogenen Fonds im Bereich von 0,0148% bewege und damit zu vernachlässigen sei. „Wenn der Fonds gute Erträge erwirtschaftet, sollten diese kleinen Beträge keine wirkliche Rolle spielen“, schloss er.

Laut Klaus-Dieter Erdmann spiele die steuerliche Mehrbelastung für Fonds mit guten Erträgen keine Rolle.

In der Podiumsdiskussion mit den drei anwesenden Fondsexperten wurde diese Ansicht geteilt. Denn auch wenn viele Fondsanbieter sich dazu entschlossen hätten, spezielle Tranchen für gemeinnützige Stiftungen aufzulegen, so sei dies mehr aufgrund des Drucks innerhalb der Branche und Marketing-Zwecken geschehen. „Die Mehrbelastung der Administration durch eine solche Tranche rechtfertigt in unseren Augen den Aufwand nicht, auch wenn wir die Tranche nun haben“, meinte beispielsweise Bernhard Matthes, Bereichsleiter Portfoliomanagement der Bank für Kirche und Caritas. Er stellte den BKC Treuhand Portfolio vor und ging auch auf die Potenziale ein, die in den europäischen Emerging Markets, wie etwa in Polen oder baltischen Ländern liegen würden. Hier würden im Moment gute Erträge erzielt. Er verwies auch darauf, dass unter „Emerging Markets“ viele interessante Regionen der Welt fallen würden, nicht nur die üblichen Beispiele aus Lateinamerika oder Asien, welche im Moment wirtschaftliche Turbulenzen erleiden. Auch hätten sich einige andere Risikofelder etwas entspannt, wie etwa Italien, wo sich die Bankenlandschaft langsam stabilisiere.

Nachvollziehbare Bewertungen, dänische Pfandbriefe

Achim Lange, Abteilungsleiter Haspa Private Banking der Hamburger Sparkasse schloss sich daran an. Er ging zudem auf die aktuellen Preise für Aktien ein und formulierte die Sorge, dass manche Bereiche stark überwertet seien und man sich fragen müsse, ob hier der real entgegenstehende Wert gegeben sei. „Manche Unternehmen werden so gehypt, und dabei erwirtschaften die nicht einmal Gewinne, geschweige denn, dass sie eine Dividende zahlen“, erklärte er und meinte damit unter anderem Werte wie Amazon oder Facebook. Im Hamburger Stiftungsfonds suche man natürlich nach Potential, allerdings werde in einer konservativen Strategie auch darauf geachtet, dass die Bewertungen nachvollziehbar seien.

Ein völlig anderes Konzept stellte Allan Larsen vor. Als Head of FX and Mortgage Bonds bei der Jyske Bank A/S, einer dänischen Bank, ging er auf das System der Pfandbriefe ein, mit denen dänische Immobilienkredite finanziert würden. Diese werden im Jyske SICAV Danish Bonds gebündelt und somit Investoren über diesen Fonds zugänglich gemacht. Dabei sei der Investmentprozess sehr transparent und verlässlich: „Das Land und die Emittenten haben ein Triple-A-Rating“, erklärte Larsen, nicht ohne Stolz. „Wer hat das schon und zahlt trotzdem aktuell noch Renditen? Und das ganze seit 1797 ohne einen einzigen Ausfall in den Danish Mortgage Bonds.“ Die Erträge seien vernünftig und stabil und damit für Stiftungen eine Alternative zu herkömmlichen Investments.

Die verschiedenen Schwerpunkte der vorgestellten Fonds wurden beim anschließenden Mittagessen von den Teilnehmern noch in kleineren Runden diskutiert und die Fondsexperten zu ihren Ansätzen befragt, bevor sich nach ausgiebigem Dialog auch die letzten verabschiedeten.

Die Präsentationen der Referenten und Fondsexperten finden Sie hier zum Download:

Der nächste Gesprächskreis Stiftungsfonds findet am 16. Oktober 2018 in München statt. Informationen dazu finden Sie hier.

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