Ein ehemaliger Bundespräsident und ein amtierender Bundesentwicklungsminister höchstpersönlich – an Prominenz fehlte es bei der 35-Jahr-Feier der Stiftung „Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe“ definitiv nicht. Am 12. November kamen rund 200 Menschen zusammen, um des Gründers zu gedenken und die Arbeit der Stiftung zu feiern.

Ein ehemaliger Bundespräsident und ein amtierender Bundesentwicklungsminister höchstpersönlich – an Prominenz fehlte es bei der 35-Jahr-Feier der Stiftung „Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe“ definitiv nicht. Am 12. November kamen rund 200 Menschen zusammen, um des Gründers zu gedenken und die Arbeit der Stiftung zu feiern.
Von Martina Benz

„Wetten, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schillinge für Menschen in der Sahelzone spendet?“ Diese Worte waren der Grundstein für das Engagement von Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe. Es war Mai 1981 bei der damals noch neuen ZDF Fernsehsendung „Wetten, dass…?“. Obwohl der Schauspieler Karlheinz Böhm seine Wette gewann, kamen 1,2 Mio. DM zusammen. Genug, um das erste Projekt ins Leben  zu rufen – und etwa 1.500 in einem Lager gestrandeten Flüchtlingen ein neues und selbstständiges Leben in Ostäthiopien zu ermöglichen.

Heute, 35 Jahre später, gibt es bereits zwölf Projektgebiete mit über 750 fest angestellten Mitarbeitern im ostafrikanischen Äthiopien. Und am 12. November wurde das in der Residenz München gebührend gefeiert: mit rund 200 Teilnehmern und viel Prominenz auf der Bühne.

Mit „Dankbarkeit und Wehmut“ nahm Ex-Bundespräsident Horst Köhler den bei diesem Anlass erstmals vergebenen Karlheinz Böhm Preis für seinen Einsatz für Afrika entgegen. Ein Einsatz, der sich bereits in vielen Reisen in verschiedene Länder Afrikas und zahlreichen Vorträgen über Zukunft und Unterstützung des Kontinentes geäußert hat: als Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, als Bundespräsident und als Privatperson. Auch bei dieser Gelegenheit betonte er die Relevanz der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa – diese von „krassen Asymmetrien“ geprägte Partnerschaft, die zum gemeinsamen Nutzen heranwachsen könne. Und er gedachte seines 2015 verstorbenen Freundes, dessen Ideale mit der nach ihm benannten Auszeichnung wach gehalten werden sollen. „Lieber Karl – wir vermissen dich“.

Menschen für Menschen

Der Landesrepräsentant von Menschen für Menschen in Äthiopien, Berhanu Negussie (zweiter von links), überreichte Bundespräsident a. D. Horst Köhler (links) den Karlheinz Böhm Preis. Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller (rechts) hielt die Laudatio. Menschen für Menschen Botschafterin Sara Nuru moderierte. Foto: Slavica

Ab jetzt soll der Preis alle zwei Jahre verliehen werden. Die Schirmakazie aus Bronze soll das Vermächtnis und die Vision des Gründers Karlheinz Böhm widerspiegeln. Im Schatten dieses Baumes hat er im äthiopischen Erer-Tal viele Sitzungen mit Gemeindemitgliedern abgehalten, um über ihre Nöte und Bedürfnisse zu sprechen. Denn seine Hilfe zur Selbstentwicklung stellte vor allem die Förderung der Selbstachtung der Menschen in den Mittelpunkt. Und wie der aktuelle Stiftungsvorstand Peter Renner feststellte: „Die Einbeziehung der Menschen vor Ort  ist ein essenzieller Faktor für den langfristigen und nachhaltigen Erfolg der Maßnahmen.“

Als „Afrika-Kenner und -Versteher“ sei Horst Köhler für ihn der glaubwürdigste Preisträger, verkündete Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in seiner Laudatio. „Sie waren und sind Ihrer Zeit voraus“, richtete er die Worte direkt an den ehemaligen Bundespräsidenten, der einmal kritisierte habe, es gebe „zu viele Mundwerker und zu wenig Handwerker“. Weiter zitierte er aus einer früheren Rede desselben: „Wir müssen die Probleme vor unseren Grenzen als unsere Probleme anerkennen“.

Und in seiner Dankesrede verriet Köhler dann auch, wie das funktioniere: Man brauche eine „stetige und intensive Politik des Austauschs, des Zuhörens und des voneinander Lernens“ mit dem afrikanischen Kontinent. Man solle den Menschen treu sein, so wie es Karlheinz Böhm den Menschen in Äthiopien war. Das, sowie seine Emotionalität und seine Wut, habe er sehr an ihm geschätzt und bewundert.

Diese Wut auf Missstände, Elend und Ungerechtigkeit betonte auch der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), Vorsitzender des Stiftungsrats von Menschen für Menschen, in seinen Begrüßungsworten. Sie sei die Hauptantriebskraft für Karlheinz Böhms unermüdliches Engagement gewesen. Ein Engagement für Menschen, die in Ländern leben, „die viel zu reich sind, um so arm zu sein“, so Müllers Worte. Er wolle die Zusammenarbeit mit Menschen für Menschen sehr gerne weiter ausbauen. Mit dem festen Glauben daran, dass wir etwas ändern können „so wir nur wollen und es machen“.

www.menschenfuermenschen.de

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