19.09.2014 | Von Die Stiftung

Was bitte ist ein WeQ-Modus?

Mit dem Anspruch, den Menschen zu einem sozialeren Wesen zu machen, fand in der vergangenen Woche der Vision Summit im Allianz Forum unweit des Brandenburger Tors statt. Schwerpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „The Future of Society & Economy“ war allerdings die Präsentation einzelner Sozialunternehmen.

Mit dem Anspruch, den Menschen zu einem sozialeren Wesen zu machen, fand in der vergangenen Woche der Vision Summit im Allianz Forum unweit des Brandenburger Tors statt. Schwerpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „The Future of Society & Economy“ war allerdings die Präsentation einzelner Sozialunternehmen.
Von Gregor Jungheim und Tobias M. Karow

 

Als Ana Bella Estévez die Bühne betrat, war für einen Moment alles anders. Vergessen waren die Unannehmlichkeiten eines überfüllten Veranstaltungsortes, dessen zentraler Vortragsraum fließend in das Foyer überging. Dies hatte bei allen Programmpunkten ein entsprechendes Grundrauschen von den Gesprächen an den Stehtischen zur Folge, das selbst Moderatorin Andrea Thilo auf dem Podium wahrnahm. Vergessen war auch die Enge des Foyers selbst, das einen Halbkreis um den Vortragsraum bildete, kaum breiter als ein ICE war und in den Pausen dennoch fast 700 Menschen Platz bieten musste. Für einen Moment verfolgte jeder, der in Hörweite war, gebannt ihre Dankesrede für den Vision Award.

Ana Bella Estévez beeindruckte ihre Zuhörer mehr als Thorkill Sonne, Gründer einer Specialisterne genannten Personalvermittlung für Autisten mit Sitz in Dänemark, und an diesem Vormittag des 11. September ebenfalls Preisträger. Und auch wenn ihr Englisch einen starken spanischen Akzent hatte, erhielt sie mehr Applaus als selbst Prof. Dr. Jeremy Rifkin. Der US-Ökonom und Bestsellerautor hatte am Vorabend erläutert, dass wir uns im Angesicht von Youtube, Spielzeug-Tauschringen für junge Familien und Carsharing und am Übergang zu einer Tauschgesellschaft befinden, in der das Eigentum an Bedeutung verliert.

Dabei sah ihr Leben vor wenigen Jahren noch nicht danach aus, als ob sie mal ein ganzer Saal feiern würde. „Jede vierte Frau erfährt im Laufe ihres Lebens Gewalt in ihrem sozialen Umfeld“, sagte Estévez. „Ich bin eine davon.“ Elf Jahre lang wurde sie von ihrem Mann misshandelt, bis sie den Mut fasste, mit ihren Kindern zu fliehen. Bald darauf richtete Estévez eine Telefonberatung für Frauen in ähnlichen Situationen ein. Die von ihr gegründete Fundación Ana Bella betreut heute jedes Jahr 1.200 von häuslicher Gewalt Betroffene.

Als sie den vom Berliner Genisis Institute verliehenen Preis entgegen nahm, wurde Estévez mit stehenden Ovationen verabschiedet. Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho hätte ihr vermutlich den Titel „Kriegerin des Lichts“ in Anlehnung an eines seiner Bücher verliehen. Auf dem Vision Summit wurde Estévez dagegen attestiert, das Publikum in den WeQ-Modus gebracht zu haben. Ein Kunstwort, das geradezu gebetsmühlenartig bei jeder Gelegenheit von etlichen Referenten wiederholt wurde.

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