19.09.2014 | Von Die Stiftung

Was bitte ist ein WeQ-Modus?

Mit dem Anspruch, den Menschen zu einem sozialeren Wesen zu machen, fand in der vergangenen Woche der Vision Summit im Allianz Forum unweit des Brandenburger Tors statt. Schwerpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „The Future of Society & Economy“ war allerdings die Präsentation einzelner Sozialunternehmen.

Hinter dem von Peter Spiegel geprägten Begriff steckt die Überzeugung, dass aktuell eine Abkehr von der mit IQ beschriebenen Ich-Fixierung hin zu einer Orientierung auf gemeinschaftsbezogene Ziele und Prozesse stattfindet. Für den Leiter des die Tagung ausrichtenden Genisis Institutes müsse man eben ständig neue Begriffe erfinden, um weitere gesellschaftliche Bereiche für die Anliegen der Sozialunternehmen zu gewinnen. Zuerst war von Social Entrepreneurship die Rede, dann von Social Innovation und nun eben von WeQ, bekundete er auf der Eröffnungsveranstaltung der Konferenz.

In der Tat schien er mit dieser Sicht auf das 21. Jahrhundert im Allianz Forum nicht allein zu sein. Iris Gleicke, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, regte an, dass sich die Politik gegenüber Anregungen aus der Bevölkerung öffnen könne. Der Zukunftsforscher Prof. Dr. Harald Welzer bekundete: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, deren Zweck nur darin besteht, innovations- und wettbewerbsfähig zu sein.“ Und der bekannte Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther betonte: „Wir müssen Formen des Zusammenlebens finden, in der Menschen keine Angst voreinander haben.“ Die Bedürfnisse nach Schutz durch die Gemeinschaft und einem selbstbestimmten Leben in Einklang zu bringen, sei dabei die größte Herausforderung. „Unser erstes Semester gilt der Resozialisierung“, berichtete Prof. Ulrich Weinberg von der HPI School of Design Thinking in Potsdam. „Die Studierenden denken, sie können vernetzt arbeiten, weil sie bei Facebook sind und merken dann, sie können es nicht.“

Welchen Beitrag nun Sozialunternehmen für eine besser funktionierende Gemeinschaft leisten können, ging die Konferenz in zahlreichen Einzelpräsentationen auf den Grund, die den Schwerpunkt des Vision Summit bildeten. Bekannte Organisationen wie Wikipedia, die Elektrizitätswerke Schönau Discovering Hands oder Dialog im Dunkeln teilten sich die Bühne mit jungen, weniger etablierten Akteuren. Herausragend war hier ein von Laura Haverkamp (Ashoka) und Nobert Kunze (Social Impact Lab) moderiertes Format, bei dem den Teilnehmer ihr Geschäftsmodell in einer Minute vorstellen mussten. Auch in der knapp bemessenen Zeit gelang es einigen von ihnen, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wie z.B. querstadtein, das biographische Stadtführungen von ehemaligen Obdachlosen durch ein Berliner Viertel anbietet. Oder auch Good couture, das Handtaschen aus Restprodukten herstellt und von jedem Verkauf den Schulbesuch eines Kindes finanzieren kann. Und weil auch die Firma weiß, dass das alles reichlich unglaubwürdig klingt, erfährt jede Kundin den Namen des geförderten Kindes.

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