19.09.2014 | Von Die Stiftung

Was bitte ist ein WeQ-Modus?

Mit dem Anspruch, den Menschen zu einem sozialeren Wesen zu machen, fand in der vergangenen Woche der Vision Summit im Allianz Forum unweit des Brandenburger Tors statt. Schwerpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „The Future of Society & Economy“ war allerdings die Präsentation einzelner Sozialunternehmen.

Wie immer kam auch das Thema Bildung nicht zu kurz. Fast schon Stammgast ist Margaret Rasfeld, die als Vordenkerin einer modern-innovativen Bildungslandschaft gilt. Für sie geht es immer wieder darum, im Bildungsbereich Strukturen zu verändern, ja diese regelrecht aufzubrechen. Rasfeld war dabei fast schon rastlos und heimste enormen Beifall ein, als sie ihr neues Buch präsentierte, das den treffenden Namen „Schulen im Aufbruch – Eine Anstiftung“ trägt. Die Bildungsinnovatorin, so jedenfalls wird Rasfeld allerorten vorgestellt, weiß, auf was es bei der Erneuerung des Bildungssystems ankommt. Sie ist selbst Schulleiterin und hat eine Modellschule „gebaut“, in der viele neue Konzepte ausprobiert wurden, und die Wert auf die Wertschätzung des einzelnen Schülers legt. Lernen fängt für Rasfeld, die bereits Trägerin des Vision Awards war, nicht beim Lehrplan an, und hört schon gar nicht dort auf, sondern integriert weit mehr Bestandteile, die ein Kind oder einen Jugendlichen zum Innovator in eigener Sache werden lassen.

Begeistern konnte auch Mathias Weidner, Gründer und Geschäftsführer der werte aus bildung gGmbH. Für ihn verstecken sich in jedem einzelnen Menschen so unendlich viele Talente, dass es fast schon fahrlässig ist, wie wenig Möglichkeiten und Wege unser Bildungssystem sucht, diese Talente zu suchen, zu finden und zu fördern. Mit seinem Sozialunternehmen geht Weidner nun neue Wege und lehnt sich dabei an das Konzept der Waldorfschulen an. Es ist vor allem die Professionalität, mit der er sein Projekt vorantreibt, die die Zuhörer im Allianz Forum begeisterte.

Weidner kommt aus dem Segment der Unternehmensberatung, entsprechend geradlinig plant er Maßnahmen und deren Finanzierung. Dabei folgt Weidner einem Masterplan, der vor allem Bildungs- und Pädagogikvielfalt vorsieht. Seine Mission ist es, das Einerlei der Lehrpläne aufzubrechen und neue Impulse im System zu setzen – und damit dann auch bei jedem Einzelnen, der Teil dieses Systems ist: also Schüler und Lehrer gleichermaßen. Der Vision Summit lieferte damit einmal mehr interessante Denkanstöße, die wie im Falle von Mathias Weidner stark unternehmerisch getrieben waren und sind. Schon früher warf der Vision Summit die Frage auf, ob soziale Probleme nicht stärker auch mit unternehmerischen Prinzipien gelöst werden könnten. In diesem Jahr gab es hierzu augenscheinlich ein paar Antworten mehr zu vernehmen. Einen gesonderten Messebereich wie in den Vorjahren gab es dagegen nicht.

Mehr Interaktion mit den Besuchern boten die insgesamt 14 Workshops am Nachmittag, die über das gesamte Gebäude verteilt waren. Auf einer Veranstaltung zu  Impact Investing wurde Tengelmann Social Ventures vorgestellt, ein Unternehmen der Eigentümerfamilie Haub, das gezielt Risikokapital für Sozialunternehmen bereitstellt. Zu den Geförderten gehören aktuell das Fairtrade-Unternehmen Coffee Circle, der Domainanbieter .hiv und die an Kinder gerichtete Plattform Kiddify.com.

Ebenso kamen auf dem Workshop Crowdfunding und Crowdinvesting zur Sprache. Einigkeit bestand hier unter den Teilnehmern, dass dies auch bei sehr ehrenwerten Vorhaben aufgrund des Risikoprofils keine Alternative zum Sparbuch darstellen könne. Andreas Korth, Geschäftsführer des Good Growth Institutes in Hennef bei Bonn und aktives Mitglied im Forum Nachhaltige Geldanlagen, machte auf eine oftmals vernachlässigte Form des Impact Investing aufmerksam – die Ausübung der Stimmrechte zur Verhinderung bedenklicher Geschäftspraktiken. „Wären sich alle Nachhaltigkeitsfonds einig, sich hier zu engagieren, kämen bei manchen Unternehmen 15% der Stimmrechte raus“, so Korth. Weitere Workshops widmeten sich Themen wie Gründungsberatung für Sozialunternehmer, Investorensuche, Personalauswahl und einer auf soziale Innovationen gerichteten Unternehmenskultur.

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