19.09.2014 | Von Die Stiftung

Was bitte ist ein WeQ-Modus?

Mit dem Anspruch, den Menschen zu einem sozialeren Wesen zu machen, fand in der vergangenen Woche der Vision Summit im Allianz Forum unweit des Brandenburger Tors statt. Schwerpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „The Future of Society & Economy“ war allerdings die Präsentation einzelner Sozialunternehmen.

Kritische Töne wurden erst gegen Ende der Veranstaltung in einer abschließenden Podiumsdiskussion laut. So bemängelte Gabriele Hartmann vom Softwareunternehmen SAP die immer noch vorherrschende schwarz/weiß-Denke: „Die Wirtschaft ist per se schlecht, der soziale Sektor per se gut, das muss aufhören.“ Entsprechend appellierte Dr. Matthias Fuchs, Leiter Innovation beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, die Angebote und Kooperationsmöglichkeiten von Wirtschaftsunternehmen zu nutzen: „Der Social Entrepreneur alleine wird es nicht richten können.“ Auch Dr. Andreas Rickert, Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Beratungs- und Analysehauses Phineo sprach sich für Kooperationen mit anderen Interessengruppen aus.

Was vom Vision Summit bleibt, ist eine an der TU Dortmund und der EBS Universität Wiesbaden entstandenen Erklärung, die den Titel „Soziale Innovationen für Deutschland“ trug und im Vortragsraum unter den Stühlen auslag. Das Schreiben, das bereits an das Bundesbildungsministerium weitergeleitet wurde, fordert eine ganze Reihe von Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Dazu gehören eine nicht näher beschriebene Reform des Gemeinnützigkeitsrechts, die Integration von CSR-Aktivitäten und Kerngeschäft in Wirtschaftsunternehmen, soziale Innovation als Thema in Lehre und Unterricht sowie die Ausrichtung von Stiftungsaktivitäten auf die Förderung sozialer Innovation. Die Besucher waren aufgefordert, die Erklärung per Online-Petition zu unterstützen. Ob sie tatsächlich eine breite Öffentlichkeit erreicht, bleibt abzuwarten. Bis zum Redaktionsschluss hatte die Erklärung auf dem Online-Portal openpetition.de 76 Unterstützer gefunden, 5.000 sind angestrebt.

Insgesamt ließ der Vision Summit aufgrund des eng getakteten Programms die sonst von Tagungen gewohnte Interaktion mit den Besuchern vermissen. Dies war auch Organisator Peter Spiegel aufgefallen, der die Konferenz aus diesem Grund vertagen wollte und erst nach Gesprächen mit den Referenten hierauf verzichtete. Nun denkt der Leiter des Genisis Institutes ernsthaft darüber nach, im kommenden Jahr gleich zwei Vision Summits zu veranstalten. Der eine soll sich dem Thema Bildung, der andere erneut dem Schlagwort WeQ widmen.

Der Vision Summit
Das internationale Konferenzformat  wurde 2007 von Peter Spiegel in seiner damaligen Rolle als Generalsekretär des Global Economic Network ins Leben gerufen. Anlass war damals der G8-Gipfel im mecklenburgischen Heiligendamm. Entsprechend stand die Diskussion zukunftsorientierter Konzepte für die Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme im Vordergrund.  Inzwischen gilt der jährlich stattfindende Vision Summit als Leitkonferenz für Sozialunternehmen und verwandte Themen. Bildung ist dabei stets ein prägendes Thema. Die Veranstaltung erfreut sich großer Beliebtheit. In diesem Jahr mussten die letzten 100 Anmeldungen abgewiesen werden, da die Kapazitäten des Allianz Forums erschöpft waren

Der Vision Award
Der Preis wird jährlich vom Genisis Institute auf dem Vision Summit vergeben. Die undotierte Auszeichnung würdigt herausragende Vordenker und Innovatoren im sozialunternehmerischen Sektor. Bei seiner erstmaligen Vergabe im Jahr 2007 wurde dieser von der Presse als „Nobelpreis für soziale Innovationen“ bezeichnet. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten unter anderem Prof. Dr. Muhammad Yunus und die Söhne Mannheims.

 

Weitere Informationen

www.visionsummit.org

www.fundacionanabella.org (in spanischer Sprache)

www.de.specialisterne.com

www.querstadtein.org/de

www.goodcouture.de

www.tengelmann.de/home/unternehmen/geschaeftsfelder/e-commerce/tengelmann-social-ventures.html

www.ebs-init.de/petition-si

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