20.06.2014 | Von Die Stiftung

What role for foundations

Foundation 3.0, das Motto des Schweizer Stiftungssymposiums, klang nicht nur vielversprechend, es war vielversprechend. Die Schweizer Stiftungslandschaft kann nicht unbedingt mit der deutschen verglichen werden – sie ist kleiner, konzentrierter. So waren auch nur 200 Teilnehmer anwesend und nicht 2.000 wie auf dem Deutschen Stiftungstag 2014.

Foundation 3.0, das Motto des Schweizer Stiftungssymposiums, klang nicht nur vielversprechend, es war vielversprechend. Die Schweizer Stiftungslandschaft kann nicht unbedingt mit der deutschen verglichen werden – sie ist kleiner, konzentrierter. So waren auch nur 200 Teilnehmer anwesend und nicht 2.000 wie auf dem Deutschen Stiftungstag 2014. Doch mit diesen zweihundert waren die wesentlichen Akteure der Stiftungsszene in der Schweiz an einem Fleck versammelt. Das Who-is-who nutzte rege die Gelegenheit des Austausches und zur Weiterentwicklung von Ideen, Kooperationen und Projekten.
von Sabine Kamrath

 

Das Programm bot eine Vielfalt von Themen und Diskussionsmöglichkeiten. Unter dem Leitspruch „What role for foundations“, der im ersten Vortrag als Fazit und Auftrag formuliert wurde, wurde der Rahmen gesetzt, der Problematiken und Herausforderungen zusammenfasste. Am Ende des Tages wurde die Frage wieder aufgegriffen, und die Teilnehmer konnten sie mit ihren neu gewonnenen Kenntnissen weiter überdenken.

Eröffnungsrede als zentraler Impuls
Laurent Haug, Publizist und bekannt für seine herausfordernden Thesen, formulierte in seinem Vortrag „How technical trends drive the future of society“ präzise die Herausforderung: Viele Stiftungen sind sich unschlüssig, was sie in der digitalen Welt erwartet und wie sie damit umgehen sollen. Den Unwägbarkeiten der „neuen Welt“ sei man nicht gewachsen, indem man ihnen hinterher hechle, sondern sein Schicksal selbst in die Hand nehme, fasst er die Problematik des Zuschauens und Abwartens zusammen. „The best way to predict the future is to invent it“, zitierte er Alan Kay. Der Fokus auf die eigene Rolle in der Zivilgesellschaft sei entscheidend. Denn die Gesellschaft durchlebt durch den digitalen Wandel tiefgreifende Veränderungen und hat niemanden, den sie hier um Rat fragen kann. Könnten Stiftungen sich nicht dieser Aufgabe annehmen?

Vermutlich schon, das Problem ist hier nur die Stiftungsgestaltung an sich, die an einer (oftmals) älteren Satzung hängt. Es sei also notwendig, die eigene Mission genau zu betrachten und sie in unsere Zeit zu „übersetzen“ und zeitgemäß zu interpretieren. Mit einer genauen Vorstellung davon, wo der Platz der Stiftung in der Welt ist und was man erreichen will, könne erst die Arbeit beginnen. Nach diesen grundlegenden Überlegungen, und nur so, sei die Arbeit wirkungsvoll. Stiftungen könnten dann ihre Ressourcen und ihr Vermögen dazu nutzen, die Gesellschaft bis in Regierungsebenen hinauf mit ihren Ideen zu konfrontieren, um langfristig von der Mikroebene auf systemrelevanten Ebenen zu gelangen.

Bereits dieser Ansatz ist bemerkenswert, geht er doch davon aus, dass Stiftungen in der Schweiz tatsächlich breitenwirksam Konzepte entwickeln wollen. Offensichtlich wird dies außerhalb der Stiftungslandschaft so aufgenommen, denn Haug ist in erster Linie Publizist und nicht in der Stiftungsszene tätig. Es wird also medial in der Schweiz das Bild vermittelt, dass Stiftungen den Anspruch haben, mit ihrer Arbeit in der Breite zu wirken.
In Deutschland ist dem nicht so, hier ist das Bild in der Öffentlichkeit vielmehr oft, dass es wenige große, und sonst vor allem viele kleine Stiftungen gibt, die sich sehr eng umgrenzt in einem kleinen Feld engagieren; in Nischen, von Liebhabern konzipiert. Dies wird im Dialog in der Stiftungsszene sogar so transportiert, beispielsweise auf dem deutschen Stiftungstag (oder von unserem Medienhaus).
Der Anspruch des Schweizer Stiftungssymposiums, gesamtgesellschaftlich anzugreifen, wird in der Schweiz also deutlich mehr betont als in Deutschland.

Natürlich steht es außer Frage, dass es auch in der Schweiz sehr viele Stiftungen gibt, die sich in einem kleinen Bereich engagieren. Aber festzuhalten ist, dass der Anspruch, die Gesellschaft als Ganzes durch die Stiftungsarbeit zu bereichern, schon in der Eröffnungsrede betont wurde.

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