Am 8. November fand im Sofitel Hotel Bayerpost im Herzen Münchens der VUV-Gipfel statt. Die Veranstaltung fragte, ob man heute mit Optimismus in die Zukunft blicken könne. Unter anderem wusste Wolfgang Clement Interessantes zu dieser Diskussion beizutragen, sehr zum Gefallen des Fachpublikums, unter das sich auch einige Stiftungen gemischt hatten.
Von Tobias M. Karow


Clement analysierte die Situation nach der Wahl sehr treffend und begeisterte die Zuhörer. Sein Ausblick, wie es vor allem wirtschaftspolitisch weitergeht, zielte darauf ab, die Nuancen im allgemeinen Erfolgsmodell Deutschland zu ergründen. Für ihn müssten nun die Weichen gestellt werden, damit der wirtschaftliche Vorsprung Deutschlands nicht schnell wieder dahin sei. Dabei lauerten die Gefahren sowohl im Inneren wie im Äußeren, und wenn sich Deutschland eines nicht leisten könne, dann sei dies ein Gefühl des “satt seins”. Genau solche Signale dringen aber von den Koalitionsverhandlungen nach außen. Clement ritt die Rhetorikklaviatur herauf und hinunter und begeisterte schlichtweg das Publikum, das sich in der Folge auch zu stehenden Ovationen hinreißen ließ. Entsprechend aufgemuntert folgten die mehr als 300 Gäste im Anschluss daran einer Diskussion von vier Vermögensprofis zur aktuellen Gemengelage und den Aussichten an den Kapitalmärkten. Als die Vermögensexperten dann vor Vermögensverwaltern über die Börse diskutierten, herrschte an manchen Stellen schnell Uneinigkeit über die Interpretation der aktuellen Situation.

Mehr Vertrauen in Unternehmen als Staaten
Hendrik Leber, Geschäftsführer von ACATIS, sprach davon, dass Liquidität derzeit mehr umherhängt, als dass sie in Investitionen gesteckt würde. Was passiere, wenn die Zinsen stiegen, sei nichts anderes als eine Katastrophe. Und weil das alle wüssten, würden die Zinsen auch nicht steigen, nicht nachhaltig jedenfalls. Die Zinssenkung der EZB sei demgemäß überraschend vom Zeitpunkt her aber weniger vom Ausmaß. Dies sei aber auch ein Zeichen von Verzweiflung. In den Emerging Markets konnte bereits beobachtet werden, wie solch eine Katastrophe im Fall der Fälle aussehen könnte. Die Experten beschrieben eindrücklich die Auswüchse der Korrekturen am Aktien- und Anleihemarkt, als die US-Notenbank nur ankündigte, ihre Liquiditätsprogramme zurückzuführen. Als kalte Füße könnte man dies auch bezeichnen. Die Experten waren sich darin einig, dass vor allem Stiftungen aus ihrem Kapitalerhaltungstrieb heraus Aktien in den kommenden 10 Jahren mehr vertrauen müssten als Staaten. Es gebe durchaus Unternehmen, bei denen sich sicher sagen ließe, dass es sie in 10 Jahren noch gibt. Und deren Aktien damit einen gewissen Wert repräsentieren. Bei manchen Anleihen sei derlei nicht mehr sicher, worunter gerade Stiftungen besonders leiden.

Foto: Tobias M. KarowSind Aktien ein Muss?
Eine Chance für Aktien sei zudem, dass die immense Liquidität eines Tages doch an die Märkte schwappt. Solch eine Welle müsse man dann mitnehmen, hieß es einhellig. Aber danach könnte es eine Weile düster werden an den Märkten und damit in vielen Depots. Um die Aussichten zu konkretisieren, wurde der normale Zins ins Verhältnis zur aktuellen Bewertung gesetzt. Läge der Zins auf einem normalen Niveau, bei etwa 5 bis 6%, dann seien Aktien fair bewertet. Da aber das Zinsniveau anormal sei, verfügten Aktien über besondere Spielräume, teurer zu werden. Ferner fehlten auch die Alternativen zu Aktien. Viele Anleihen fielen aus einer möglichen Selektion heraus, Immobilien und Währungen oder Rohstoffe seien zu teuer oder zu wenig nachvollziehbar in ihrer Preisentwicklung. An der Aktie führe kein Weg vorbei, waren sich Hendrik Leber, Volker Gronau, Thomas Herrmann und Stefan Keitel einig. Über die Gewichtung jedoch könne man trefflich streiten. Würde sich der konjunkturelle Silberstreif verstärken, und sich dies in steigende Unternehmensgewinne übersetzen, dann spräche dies für eine markante Übergewichtung von Aktien. Bei alldem sei die größte Gefahr, und das kitzelte Moderatorin Corinna Wohlfeil aus den Diskutanten heraus, 2014 zu prozyklisch unterwegs zu sein.

Erfolg ist Teamsache
Darüber hinaus hielt der diesjährige VUV-Gipfel weitere Highlights bereit. Neben einem aufschlussreichen Vortrag von Jan Uekermann, Major Giving Institute, zum Fundraising bzw. wie sich Freunde und Spender gewinnen lassen, konnte auch Stefan Mönkediek von der Vermögensverwaltung Runte, Stadtmüller & Mönkediek überzeugen. Sein Thema war die richtige Anlagerichtlinie, und wie diese die Basis für zielgerichtetes Agieren einer Stiftung sein könnte. Nicht zuletzt konnte Markus Weise, Bundestrainer der Hockey Nationalmannschaft, in seinem abschließenden Vortrag über Teamgeist die Konzentrationskurve noch einmal merklich kitzeln. Weise sprach von „We’s“ und „Me’s“ und erzählte die Geschichte hinter dem Olympiasieg der Hockeyherren bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in London. Jede Mannschaft habe ihre Mechanismen, ihre Zyklizität, dies es von Zeit zu Zeit zu durchbrechen gelte, um eine neue Dynamik in die Gruppe zu bringen. Für Weise ist ein erfolgreiches Team vor allem jenes, in dem die Individuen hinter den Erfolg des Teams zurücktreten. Seine Beispiele und Zitate, die er unter anderem von Michael Jordan entlehnte, produzierten einige Lacher, hinterließen aber auch nachhaltig Eindruck bei den anwesenden Vermögensverwaltern und Stiftungen. Erst recht, weil sich jeder Einzelne auf diese oder jene Weise angesprochen fühlte. Das war deutlich zu sehen und zu spüren im blau beleuchteten Saal.

Fazit
Der VUV-Gipfel bewies wieder einmal ein Gespür dafür, wie man ein spannendes Programm auf die Beine stellt. Clement spannte den Bogen, und Weise griff diesen am Ende des Tages auf. Dazwischen lag ein dicht gedrängtes Programm, das vor allem ein Plädoyer für die Aktie zu Tage förderte. Dennoch wurde der Hinweis, nicht zu prozyklisch zu agieren, an vielen Stellen in verschiedenen Facetten gestreut. Dies war umso wertvoller, als dass das Plädoyer für die Aktie – wohlgemerkt vor dem Hintergrund eines Hochs im DAX – fast schon zu einhellig ausfiel.

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