10.10.2018 | Von Stefan Dworschak

Wirtschaft trifft Zivilgesellschaft – Das war die F.A.Z.-Konferenz

Stiftungen und Unternehmen haben in Deutschland viele Berührungspunkte und Verknüpfungen. Die erste F.A.Z.-Konferenz Stiftung und Unternehmen gab Gelegenheit, die zahlreichen Facetten dieser Beziehung zu diskutieren, neue Perspektiven kennenzulernen und so gemeinsam an der gesellschaftlichen Wirkung zu arbeiten.

F.A.Z.-Konferenz
Das Kirchenschiff von Sankt Peter ist Schauplatz für die zentralen Programmpunkte, hier die Podiumsdiskussion zum Auftakt der F.A.Z.-Konferenz. Foto. Andreas Varnhorn

Einen differenzierten Blick auf eine komplexe Thematik zu bieten und hierzu Akteure aus dem Dritten Sektor und der Wirtschaftswelt zusammenzubringen: Das war das Ziel der ersten F.A.Z.-Konferenz Stiftung und Unternehmen am 19. und 20. September in Frankfurt am Main. Orga­nisiert von DIE STIFTUNG in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, bot die Konferenz Austausch über die großen Fra­gen der Stiftungs- und Unternehmenswelt, intensive Workshops sowie Raum für persönliche Begeg­nung, um neue Perspektiven zu gewinnen.

Dass dies auch bedeutet, eigene implizite wie expli­zite Annahmen zu hinterfragen, zeigte am Vorabend der Vortrag von Prof. Ulrich Segna in der Villa Bonn. Der Prodekan der EBS Law School an der EBS Uni­versität für Wirtschaft und Recht machte deutlich, dass die bisweilen kursierende strikte Trennung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft in dieser Stren­ge längst nicht mehr besteht, dass Unternehmen heute gesellschaftlich stärker in die Pflicht genom­men werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war – und dass dies auch dem unternehmerischen Selbstverständnis entspricht. Gleichzeitig blickte er enttäuscht auf die zunehmende Monetarisierung von gesellschaftlichem Engagement.

Einblick in die Vielfalt

Mit diesem Impuls der wachsenden Vernetzung zwi­schen Wirtschaft und Zivilgesellschaft war es nicht weit zur Botschaft Thomas de Maizières. Der Bun­destagsabgeordnete, frühere Innenminister und de­signierte Vorstandsvorsitzende der Deutsche-Telekom-Stiftung warb im Austausch mit F.A.Z.-Herausgeber Werner D’Inka dafür, dass der Dritte Sektor eine breite Wirkung für gesellschaftli­chen Zusammenhalt anstreben und hierfür auch noch stärker auf Kooperation mit anderen Akteuren setzen solle.

F.A.Z.-Konferenz
Austausch in der Villa Bonn: Thomas de Maizière, Bundesminister a.D. und designierter Vorstand der Deutsche-Telekom-Stiftung (rechts), im Gespräch mit F.A.Z.-Herausgeber Werner D’Inka. Foto: Andreas Varnhorn

Die Frage, in welcher Konstellation Stiftungen und Unternehmen ihre gesellschaftliche Wirkung am besten entfalten können, war ein Leitmotiv der Konferenz, das sich auch durch den Haupttag in der Kulturkirche Sankt Peter zog. Ebenso wie die Tradi­tion, Erfolg mit anderen zu teilen, mit der Prof. Andreas Barner, Vorsitzender des Kuratoriums der Fazit-Stiftung, bei seiner Begrüßung die Brücke von unternehmerischem Wirken zu stifterischem Gestalten schlug.

Dass die Wirkungsmöglichkeit dieser Verbin­dung nicht zuletzt von der rechtlichen Gestaltung abhängt, stand im Zentrum einer Podiumsdiskussi­on mit Prof. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, Lo­thar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Kör­ber-Stiftung, sowie Dieter Schenk, Vorsitzender des Stiftungsrats der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung. Zur Einführung stellte Prof. Hans Fleisch, Vorsitzen­der des Stiftungsrats der Trox-Stiftung, eine neue Studie zu den unterschiedlichen Ausformungen un­ternehmensverbundener Stiftungen in Deutsch­land. „Es gibt praktisch 100 verschiedene Gestal­tungen“, so Fleisch. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob die Stiftungs-GmbH angesichts ihrer Flexibilität der BGB-Stiftung bei großen Stiftungen vorzuziehen sei – oder ob dies nicht sogar zu viel Flexbilität bedeuten könne. Ebenfalls zum Aspekt Flexibilität konnten die Teilnehmer auch einen kon­kreten Impuls für sich mitnehmen: die Empfehlung, durch Soll-Vorschriften in der Satzung eine Anpas­sung an unerwartete Situationen zu ermöglichen.

Vor den rechtlichen Aspekten steht für Unterneh­mer jedoch die grundsätzliche Frage, ob und in wel­cher Form sie Stifter werden wollen. Im Gespräch mit Petra Gessner, Chefredakteurin des „wir“-Maga­zins, schilderte Alexander Brochier, Geschäftsfüh­rer der gleichnamigen Unternehmensgruppe, sei­nen Weg in den Dritten Sektor, der 1992 mit der Bro­chier-Stiftung begann und mit dem Haus des Stif­tens inzwischen ein Sozialunternehmen umfasst, das andere Stifter sowie Non-Profit-Organisationen unterstützt und Erblasser berät. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel Glück hatte“, erinnert sich der Nürnberger Unternehmer, der sein Wirken im Stiftungsbereich genießt. Und im Grunde sei auch die Stiftung „wie ein neues Unter­nehmen“. In diesem Sinne wirbt er dafür, dass noch mehr Menschen die Freude an der Gemeinnützig­keit für sich entdecken: „Das oberste eine Prozent der Gesellschaft spendet im Schnitt 1.800 Euro im Jahr. Das ist noch Luft nach oben.“

Die Perspektive des Gegenübers zum Unterneh­men nahm Prof. Ulrike Beisiegel ein. Im Gespräch mit Kai Praum, Chefredakteur von DIE STIFTUNG, beschrieb die Präsidentin der Georg-August-Univer­sität Göttingen die Chancen und Herausforderun­gen bei der Kooperation von Wirtschaft und Wis­senschaft. Bei Stiftungsprofessuren, die etwa von Unternehmen finanziert werden, sei es oberste Auf­gabe der Universität sicherzustellen, dass diese nicht isoliert seien, sondern sich mit anderen Fach­bereichen vernetzten. Stiftungen seien zwar natur­gemäß in ihrem Denken in der Regel etwas wissen­schaftsnäher, doch auch mit Unternehmen sei die Vernetzung in den vergangenen Jahren vorange­schritten – auch wenn es noch manche Vorbehalte gebe. „Sozialwissenschaften müssen erkennen, dass sie eine Rolle in der Gesellschaft haben.“

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Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen, im Gespräch mit Kai Praum, Chefredakteur von DIE STIFTUNG, über die Stärkung von Innovationsfähigkeit durch Kooperation. Foto:  Andreas Varnhorn

Gemeinsame Themenarbeit

Während im Plenum gemeinsam die großen Linien gezeichnet wurden, die Pausen Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken boten, richteten die Workshops in den Seminarräumen der Kulturkirche Sankt Peter den Fokus auf konkrete inhaltliche Fra­gestellungen zu rechtlichen und finanziellen The­menbereichen, die die Unternehmens- und Stif­tungswelt beschäftigen. Hans Christian Blum und Dirk Schauer von CMS Hasche Sigle erörterten bei­spielsweise die Frage, wann und in welcher Form eine Stiftung die geeignete Lösung für den Unter­nehmenserhalt ist. Anhand von Fällen aus der Pra­xis erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die Vielzahl möglicher Optionen, etwa der Wahl zwi­schen gemeinnütziger Stiftung und Familienstif­tung, einer Stiftung nach deutschem oder nach in­ternationalem Recht. Immer mit dem Ziel, das Fami­lienunternehmen dauerhaft zu erhalten.

Ganz gleich, auf welches Szenario die Entschei­dung fällt, das Thema des parallel stattfindenden Workshops mit Frank Böhmer und Gabriel Micheli wäre in jedem Fall von Bedeutung: Die beiden Investmentspezialisten der Schweizer Privatbank Pictet stellten ihren Ansatz vor, wenn es um das richtige Management von Stiftungs- und Unterneh­mensvermögen geht. Sie gaben einen Einblick in ihre Methodik, die darauf abzielt, Megatrends, grundlegende Veränderungen etwa ökonomischer, sozialer oder auch technologischer Natur, zu be­stimmen und für die Anleger nutzbar zu machen.

Strategie, allerdings in Managementhinsicht, war auch Thema der zweiten Workshopsession, die die Konferenz nachmittags abschloss. Stefan Stolte vom Deutschen Stiftungszentrum sprach über stra­tegisches Management von unternehmensnahen Stiftungen. Was es bei diesem Komplex zu beachten gilt, hängt nicht zuletzt von den jeweiligen Gege­benheiten ab, etwa der Unternehmenskultur sowie den jeweiligen Wertvorstellungen. Und auch hier geriet erneut das Thema der Flexibilität in den Blick, das für Unternehmer, die es gewohnt sind zu gestalten, häufig zentral ist.

Diese Gestaltungskraft führt im Erfolgsfall zu ei­nem gut florierenden Unternehmen. Pawel Blusz von Rittershaus Rechtsanwälte wies auf die Folgen der Erbschaftsteuerreform hin. Er sah angesichts der drohenden Kosten eine Renaissance (internati­onaler) Stiftungslösungen, um das Vermögen zu si­chern. Blusz verglich dabei das Szenario einer Erb­schaft ohne Stiftungslösungen mit Modellen wie der optionalen Hybridstiftung oder auch der Immobilienstiftung.

Foto-Galerie der F.A.Z.-Konferenz:

Fotos: Andreas Varnhorn

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