09.11.2016 | Von Die Stiftung

Wohin mit dem Wasser im Stausee?

Netzwerken, neue Entwicklungen im Schweizer Stiftungssektor und die Gesellschaft im Wandel – unter diesen Schlagwörtern kamen am 3. November rund 200 Teilnehmer im Hotel Schweizerhof in Luzern zusammen, um dem Schweizer Stiftungstag des Verbands proFonds beizuwohnen. Das Motto in diesem Jahr: „Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus der Stiftungen und NPO“.

Netzwerken, neue Entwicklungen im Schweizer Stiftungssektor und die Gesellschaft im Wandel – unter diesen Schlagwörtern kamen am 3. November rund 200 Teilnehmer im Hotel Schweizerhof in Luzern zusammen, um dem Schweizer Stiftungstag des Verbands proFonds beizuwohnen. Das Motto in diesem Jahr: „Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus der Stiftungen und NPO“.
Von Martina Benz

 

Enorme gesellschaftliche Veränderungen, demografischer Wandel, Ressourcenverknappung, ökologische Probleme, Digitalisierung. Die Welt, in der Stiftungen heutzutage aktiv sind, befindet sich im Wandel. Nichts ist mehr wie früher. Weder die täglichen Herausforderungen, noch die Lösungen, die dafür gefunden werden. Aber: „Ist eine Welt besser, in der man mit Geld mehr produzieren kann als mit Arbeit?“ Diese Frage stellte Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, beim diesjährigen Schweizer Stiftungstag in Luzern in den Raum.

Was er damit meinte? Stiftungen sollen aufwachen und statt sich über Niedrigzinsen zu beklagen, ihrer Rolle als „große Pioniere und Eigentümer“, wie Oldenburg sie nannte, gerecht werden. „Stiftungen sind keine Geldsäcke. Sie haben zwei Hände: das Vermögen und den Ertrag“, so Oldenburgs Meinung. Und diese beiden Hände sollten zusammenarbeiten, denn der Stiftungszweck stehe über beiden. Die Investition in Soziales sei eine Möglichkeit.

Zudem betonte er, wie wichtig es sei, die „Brücke zur nächsten Stiftergeneration“ zu schlagen. Eine Generation, die flexibel, unternehmerisch, grenzüberschreitend und wachstumsorientiert sei. Die Probleme machten heute nicht mehr an Grenzen halt, doch hätten die Menschen auch noch nie so viel gesunde Lebenszeit in Kombination mit solch starker Vernetzung zur Verfügung gehabt. Das sei eine enorme Chance. Man müsse nur den Wachstumsmotor finden. Und hierbei lohne sich ein genauerer Blick auf unternehmerische Erfolgsgeschichten. Wie zum Beispiel Zalando, das in fünf Jahren zu einem der wichtigsten Online-Versender geworden ist. Was in der Wirtschaft funktioniert, bringt auch in der Philanthropie Erfolg, ist der Generalsekretär sich sicher. Man müsse nur „für jedes Ziel das richtige Werkzeug finden“. Und die nächste Generation gleich zu Beginn des unternehmerischen Erfolgs mit ins Boot der Gemeinnützigkeit holen und sie für das Stiftungsengagement begeistern. Wenngleich man sich auch anderen Rechtsformen öffnen sollte, könnten Stiftungen nämlich häufig das beste Instrument sein, um Risiken einzugehen. Aufgrund ihrer „Bestandsgarantie“, wie Oldenburg es bezeichnete. Die Stiftungsszene befinde sich momentan in einer Situation des Staudamms: „Es fließt kein Wasser, aber es gibt Wasser im See“.

Schweizer Stiftungstag
Luzern war in diesem Jahr die Gastgeberstadt des Schweizer Stiftungstags, veranstaltet vom Dachverband proFonds. Foto: Martina Benz

Dieses Bild griff Dr. Christoph Degen, Geschäftsführer des Dachverbands proFonds, im Anschluss an den Vortrag mit Freude auf: „Habt ihr gehört? Wasser ist da, also keine Angst.“ Er meinte dies als Zuruf an die Rechtskommission und die Gegner der Motion Luginbühl, einer parlamentarischen Initiative (paIV) zur Stärkung des Stiftungsstandorts Schweiz. Ein Seitenhieb also auf SwissFoundations. Denn im Gegensatz zu proFonds ist der Verband Schweizer Förderstiftungen Gegner dieser Initiative, welche die Gefahr einer „Verschlimmbesserung“ des geltenden Rechts bürge, wie der Verband in einem Positionspapier mitteilte.

Der am 3. November aktuelle Stand in Sachen paIv von Ständerat Werner Luginbühl (BDP) wurde im Programmpunkt „Aktuelles aus dem Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrecht“ von proFonds wertneutral behandelt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats noch nicht darüber entschieden. Inzwischen hat sie die parlamentarische Initiative Luginbühl mit 13 zu 6 Stimmen abgelehnt. Die endgültige Entscheidung über die Initiative liegt nun bei den Gesamträten.

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