Die nach Nachhaltigkeitskriterien investierten Gelder in Deutschland wachsen seit Jahren mit zweistelligen Prozentwerten, zeigt eine Studie des Forums Nachhaltige Geldanlagen – in diesem Jahr allerdings auch aufgrund einer veränderten Definition. Der Anteil am Gesamtmarkt liegt knapp unter zehn Prozent. Häufigste Anlagestrategie: die Nutzung von ESG-Kennzahlen.

Der Markt für nachhaltige Kapitalanlage wächst deutlich, so das Ergebnis der jährlich publizierten Umfrage „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen“ unter 73 Finanzdienstleistern des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG): Das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland lag am 31. Dezember 2021 bei 501,4 Milliarden Euro und erhöhte sich somit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent. Unter der Kategorie „nachhaltige Geldanlagen“ subsummiert das FNG nachhaltige Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds sowie nachhaltig verwaltete Kunden- und Eigenanlagen. Der größte Anteil entfällt bei diesen auf nachhaltige Publikumsfonds, die insgesamt 246 Milliarden Euro ausmachen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen diese auch die stärkste Entwicklung auf: Ihr Gesamtvolumen hat sich mit einem Wachstum von 130 Prozent mehr als verdoppelt. Auch die Gesamtsumme nachhaltiger Spezialfonds und Vermögensverwaltungsmandate legte im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zu, und beträgt nun rund 164 Milliarden Euro. Nachhaltig verwaltete Kunden- und Eigenanlagen addieren sich auf insgesamt 92 Milliarden Euro.

Gemessen am Gesamtmarkt bleibt der Anteil nachhaltiger Geldanlagen aber weiterhin überschaubar. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) beziffert das Volumen aller Fonds und Mandate in Deutschland zum 31. Dezember 2021 auf 4,3 Billionen Euro. Nachhaltige Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds machen davon 9,4 Prozent aus. Zwar wuchs der Gesamtfondsmarkt um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – da die nachhaltigen Fonds aber wesentlich schneller wachsen, wuchs auch der Anteil der Nachhaltigen Fonds und Mandate am Gesamtmarkt um drei Prozent. Bei den Publikumsfonds haben die nachhaltigen Fonds einen Marktanteil von 16,7 Prozent.

Mehrheitlich Artikel 8-Fonds

Die EU-Offenlegungsverordnung legt eine Einteilung in Artikel 6-, Artikel 8- und Artikel-9-Fonds fest. Artikel-6-Fonds berücksichtigen keine Nachhaltigkeitskriterien, bei Artikel-8-Fonds sind diese berücksichtigt und müssen transparent dargestellt sein. Als Artikel-9-Fonds werden Fonds bezeichnet, die sich auf ein konkretes, nachhaltigkeitsbezogenes Anlageziel verpflichtet haben. Die FNG-Studie zeigt, dass von den nachhaltigen Publikumsfonds 93 Prozent als Artikel-8-Fonds deklariert sind. Sieben Prozent sind Artikel-9-Fonds. Von den 454 von den Fondsanbietern als nachhaltig gekennzeichneten Publikumsfonds tragen zudem 79 (17 Prozent) ein Nachhaltigkeitssiegel.

Nachhaltige Publikumsfonds und Mandate Wachstumsfaktoren

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen

Die Umfrage des FNG fragt auch danach, was die Wachstumstreiber in diesem Markt sind. Da mit der Definition der Offenlegungsverordnung einige Fonds als Artikel-8-Fonds eingestuft wurden, die davor nicht als nachhaltig galten, ist ein Teil des Wachstums auf eine veränderte Definition zurückzuführen. Die Studie weist bei den Publikumsfonds 58 Prozent des Wachstums als „Wertentwicklung/keine Angaben/auf Nachhaltigkeit umgestellte Fonds“ aus. Letzteres betreffe „insbesondere nachhaltige Immobilienfonds mit einem Volumen von 72,2 Milliarden Euro“, so die FNG-Studie. Weitere 40 Prozent des Wachstums bei den Publikumsfonds resultierten aus Mittelzuflüssen.

ESG-Integration vor Ausschlüssen

Nachhaltige Anlagestrategien von Fonds und Mandaten

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen

Ein Blick auf Strategien, die nachhaltige Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds anwenden, zeigt unterschiedliche Herangehensweisen: Mit 82 Prozent ist die ESG-Integration, also die Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Governancekriterien, erstmals die meistangewandte Methode der nachhaltigen Kapitalanlage von Fonds. Die zunehmende Bedeutung der ESG-Integration hat vor allem statistische Gründe. Dieser Aspekt fällt laut FNG ab diesem Jahr stärker ins Gewicht, weil nachhaltige Immobilienfonds innerhalb des letzten Jahres als Artikel-8-Fonds und damit als nachhaltig deklariert wurden.

Ausschlusskriterien nachhaltige Kapitalanlage

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen

Fast gleichauf mit der Berücksichtigung von ESG-Kriterien liegen Ausschlüsse, wie etwa jener von Investments in Kohleverstromung oder Geschäfte mit Waffen oder Tabak, die gerundet ebenfalls auf 82 Prozent kommen. 80 Prozent der Fonds und Mandate nutzen normbasiertes Screening – die Investments verpflichten sich auf die Einhaltung gewisser Kodizes, wie des Global Compact. 71 Prozent stehen im Dialog mit Unternehmen und versuchen, den Kurs des Unternehmens in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu bewegen (Engagement); 65 Prozent nutzen ihr Stimmrecht bei Aktionärsversammlungen in ähnlicher Weise.

Den Best-in-Class-Ansatz, bei dem innerhalb einer Kategorie, wie zum Beispiel einer Branche, die Unternehmen mit den besten ESG-Kennzahlen ausgewählt werden, nutzen 65 Prozent aller nachhaltigen Fonds und Mandate. Seltener finden sich nachhaltige Themenfonds (elf Prozent) und dezidierte Impact-Investing-Strategien (sieben Prozent). Gleichwohl ist das Wachstum bei diesen beiden Anlagestrategien mit 139 Prozent beziehungsweise 80 Prozent groß.

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