25.07.2019 | Von Die Stiftung

Björn-Steiger-Stiftung sieht Notstand in Notfallversorgung

Die Björn-Steiger-Stiftung hat den Notstand in der Notfallversorgung ausgerufen und fordert eine „Revolution“ der Rettungsstrukturen auf Bundesebene. Die „Kirchturmpolitik vieler Landesfürsten“ habe dazu geführt, dass es anders als in anderen Ländern keine einheitlichen Standards gebe.

Die DRF Luftrettung geht auf eine Initiative der Björn-Steiger-Stiftung zurück. Foto: Wolfgang Pehlemann Wiesbaden Germany, Björn Steiger Stiftung Initiative Deutsche Rettungsflugwacht DRF Eurocopter BK-117B-2 Luftrettung Foto 2005 Wolfgang Pehlemann Wiesbaden PICT0018, CC BY-SA 3.0 DE

Durch Krankenhausschließungen hätten sich die Anfahrtszeiten für Rettungswagen teils verdoppelt, im ländlichen Raum sei die Lage mancherorts dramatisch, sagte Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Steigende Einsatzzahlen und wachsender Personalmangel führten zu akuten Versorgungsproblemen. „Wir müssen den Rettungsdienst neu erfinden“, wird Steiger zitiert. Steiger fordert „eine Überwindung der föderalen Strukturen durch den Aufbau von bundesweit maximal 16 Notrufzentralen“. Großbritannien komme mit vier solcher Leitstellen aus, Frankreich mit sieben. Durch die „Kirchturmpolitik vieler Landesfürsten“ gebe es hierzulande 178 Leitstellen, aber keine einheitlichen Standards oder Kontrollen.

„Zivildienst würde viele Probleme lösen“

Die Abschaffung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes habe enorme Personallücken ins Rettungswesen gerissen, so Steiger weiter. „Ich plädiere für die Wiedereinführung des Zivildienstes, weil das viele Probleme lösen würde“, sagte er der NOZ. Für das Personal in den Notrufzentralen forderte er eine bessere rechtliche Absicherung, damit diese vor Regressforderungen geschützt seien, falls sie bei Anrufen entschieden, keinen Rettungswagen loszuschicken. Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für gemeinsame Notfallleitstellen und integrierte Notfallzentren gingen in die richtige Richtung, reichten aber nicht aus, so Stiftungsgeschäftsführer Ulrich Schreiner.

Ineffizient im internationalen Vergleich?

In Deutschland hätten die Disponenten auch in den von Spahn geplanten Leitstellen in der Regel keine andere Möglichkeit, als einen Rettungswagen zu schicken. Um die „Fehlnutzung des Systems“ einzudämmen, müssten aber auch strukturierte beratende Gespräche möglich sein. Zum Vergleich: In Österreich würden bei 600 Anrufen 200 Rettungswagen losgeschickt. In Deutschland seien es bei 600 Anrufen 599 Wagen.

www.steiger-stiftung.de

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