19.02.2019 | Von Die Stiftung

Bundesstiftung Aufarbeitung – Streit um Fördermittel

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat einen Dokumentarfilm finanziell unterstützt. Nun fordert sie von MDR und NDR 26.000 Euro zurück: In der vorliegenden Fassung, so der Tenor, hätte man das Projekt nicht gefördert. Der MDR weist die Vorwürfe zurück.

Bundesstiftung Aufarbeitung
Die Kirchen hatten wesentlichen Anteil an der Entstehung der Montagsdemonstrationen in der DDR, hier 1990 in Leipzig. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0922-002 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-1990-0922-002, Leipzig, Montagsdemonstration, CC BY-SA 3.0 DE

Die nun ausgestrahlte Fassung habe „mit der ursprünglichen Intention im Förderantrag nichts mehr zu tun“, zitiert eine Meldung des Evangelischen Pressediensts etwa auf evangelisch.de Christine Lieberknecht, die dem Vorstand der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur angehört. Die CDU-Politikerin und frühere thüringische Ministerpräsidentin hatte demnach in der mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ die Dokumentation kritisiert. Es habe Änderungen gegeben, die mit der Stiftung nicht abgesprochen gewesen seien.

MDR weist Vorwürfe der Bundesstiftung zurück

Ursprünglich hätte unter dem Arbeitstitel „Woran glaubt der Osten?“ eine Dokumentation entstehen sollen, die aus der gegenwärtigen Perspektive „die Situation des Glaubens“ bzw. dessen Fehlens in Ostdeutschland erzählen sollte. „Über den Rückgriff auf Zäsuren der DDR-Kirchengeschichte soll deutlich gemacht werden, wie weitreichend die gesellschaftlichen Folgen der repressiven DDR-Religionspolitik bis heute sind und wie die Strukturen der SED-Diktatur die Menschen in den neuen Ländern in Glaubensfragen immer noch prägen“, wird aus der Beschreibung zitiert. Die fertige Dokumentation beleuchtet die unterschiedliche Entwicklung der Kirche in Ost und West, etwa mit Blick auf das Verhältnis zum Staat, die Situation 30 Jahre nach dem Mauerfall – sowie die staatlichen Zahlungen an die Kirchen.

Der MDR weist die Forderung der Bundesstiftung Aufarbeitung zurück, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. „Der Film sei im Auftrag von MDR und NDR von der Produktionsfirma Hoferichter und Jacobs produziert worden.“ Es gebe zwischen der Stiftung und dem MDR keine direkten vertraglichen Vereinbarungen. „Alle im Film enthaltenen Fakten können belegt werden.“

Die Bundesstiftung Aufarbeitung

Die Bundesstiftung Aufarbeitung wurde 1998 gegründet. Sie beschreibt als ihren Auftrag „die umfassende Aufarbeitung der Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in SBZ und DDR zu befördern, den Prozess der Deutschen Einheit zu begleiten und an der Aufarbeitung von Diktaturen im internationalen Maßstab mitzuwirken“. Gemeinsam mit anderen Institutionen und zahlreichen Partnern im In-und Ausland unterstütze sie „die Auseinandersetzung mit den kommunistischen Diktaturen in der SBZ/DDR und in Ostmitteleuropa, um das öffentliche Bewusstsein über die kommunistische Gewaltherrschaft zu befördern“.

Die Dokumentation ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

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