21.03.2014 | Von Die Stiftung

Die Philanthropen von nebenan

Die Gründung der mit einem Milliardenvermögen ausgestatteten Joachim Herz Stiftung machte bundesweit Schlagzeilen. Ebenso wie Stiftungen, die als Reaktion auf schreckliche Gewalttaten errichtet wurden und/oder Politprominenz auf den Plan riefen. Stifter, die mit unspektakulären Vermögenssummen ganz bestimmte Projekte fördern oder selbst initiieren, werden dagegen meist nur in ihrer Region und vielleicht noch in Fachkreisen wahrgenommen – sofern sie überhaupt Wert auf Öffentlichkeitsarbeit legen. Doch gerade Engagement wie dieses ist der eigentliche Motor des vielzitierten Stiftungsbooms.

Möglichkeit Treuhandstiftung
Obwohl mit der Vermögensmasse bereits die Gründung einer rechtlich selbstständigen Stiftung möglich war, entschied er sich für eine Treuhandstiftung unter dem Dach der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Sie kauft die Flächen, die Rainer von Boeckhs Organisation betreut. „Es wäre sinnlos, das Rad neu erfinden zu wollen, statt auf die Kompetenz einer großen Stiftung zurückzugreifen“, begründet er seine Entscheidung. Dank der Verwaltung durch die NABU-Stiftung, die Rainer von Boeckh als sehr gut bewertet, kann er sich darauf konzentrieren, durch persönliche Gespräche, Öffentlichkeitsarbeit und auch die Veranstaltung von Reisen weitere Mitmenschen für den Naturschutz zu gewinnen.

Ähnlich handelte Ursula Schmid-Kayser. Selbst mit einem Grundstockvermögen von heute mehr als 1 Mio. EUR existiert ihre Organisation als Treuhandstiftung unter dem Dach der Stiftung Kinderfonds. „Auch eine Zustiftung wäre prinzipiell möglich gewesen, wenn wir damals eine Stiftung mit derselben Ausrichtung und Philosophie gekannt hätten“, sagt Horst Kayser, der heute Stifterrat ist.

Seine Mutter musste im Zweiten Weltkrieg ihre drei kleinen Kinder alleine durchbringen, nachdem innerhalb eines Jahres sowohl ihr Vater als auch ihr Mann gefallen waren. Ursula Schmid-Kayser begann daraufhin unter äußerst schwierigen Umständen, Medizin zu studieren. Teilweise musste sie mit ihren Kindern in einer Klinik leben. Erst ab 1948 gelang es ihr, mit ihrer Arbeit als Ärztin die Familie zu ernähren. Auch nach einer erneuten Heirat im Jahr 1950 blieben ihr die Erfahrungen als allein erziehende Mutter, die bei all ihren täglichen Aufgaben größtenteils auf sich allein gestellt war, im Gedächtnis. „Wenn ich einmal die Möglichkeit habe, hier zu helfen, ist dies die Erfüllung eines Lebenstraumes“, nahm sich die Stifterin vor.

Im Hause Schmid-Kayser hatten deshalb Charity-Aktivitäten eine lange Tradition. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemanns Walter Schmid Ende 2000 entstand der Wunsch, die vielfältigen Unterstützungsmaßnahmen, die bislang an ganz unterschiedliche Empfänger gegangen waren, zu bündeln und zu institutionalisieren. Hieraus ging wenig später die Stiftung hervor.

Ziel der Organisation ist, „dauerhaft unmittelbare Notfälle und Bedürfnisse von Alleinerziehenden und ihren Kindern zu lindern helfen und zusammen mit anderen Stiftern und Stiftungen die Bildungschancen von benachteiligten Kindern zu verbessern“, sagt Horst Kayser. Hierzu arbeitet die Stiftung unter anderem mit der Caritas und den Salesianern Don Boscos zusammen.

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