21.03.2014 | Von Die Stiftung

Die Philanthropen von nebenan

Die Gründung der mit einem Milliardenvermögen ausgestatteten Joachim Herz Stiftung machte bundesweit Schlagzeilen. Ebenso wie Stiftungen, die als Reaktion auf schreckliche Gewalttaten errichtet wurden und/oder Politprominenz auf den Plan riefen. Stifter, die mit unspektakulären Vermögenssummen ganz bestimmte Projekte fördern oder selbst initiieren, werden dagegen meist nur in ihrer Region und vielleicht noch in Fachkreisen wahrgenommen – sofern sie überhaupt Wert auf Öffentlichkeitsarbeit legen. Doch gerade Engagement wie dieses ist der eigentliche Motor des vielzitierten Stiftungsbooms.

Daneben dürfte es sich gerade für Gründer kleinerer Stiftungen lohnen, sich zu vernetzen. Eberhard Wegener engagiert sich unter anderem beim Arbeitskreis Soziales des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und beteiligt sich an den Stiftungstagen der Ulmer Stiftungen. „Durch die Nominierung zum bundesweiten Feri-Stiftungspreis habe ich andere Stifter kennen gelernt und wurde zur Teilnahme an Stiftertagen motiviert“, berichtet Rainer von Boeckh.“ Auch wenn dauerhafte Verbindungen mit anderen Stiftungen und Verbänden nicht zustande kamen, habe er dadurch viele wichtige Erfahrungen gesammelt. Horst Kayser ist noch einen Schritt weiter gegangen. Als Vorstandsmitglied unterstützt er die Münchner Stiftung Stifter für Stifter bei ihren Aktivitäten für eine Kultur des Stiftens in Deutschland. Eine wohltuende Aufgabe, wie Horst Kayser findet: „In dieser Funktion lerne ich praktisch täglich Menschen kennen, die sich austauschen wollen und auf Erfahrungen anderer zurückgreifen wollen.“

Ausblick
Menschen wie Eberhard Wegener, Rainer von Boeckh und die Familie Kayser zeigen, dass zivilgesellschaftliches Engagement auch mit ganz normalen bürgerlichen Ersparnissen möglich ist – sofern Stifter genau wissen, was sie wollen, für ihre Anliegen auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben und nicht gleich zur Rettung der Welt antreten. Setzt sich diese Erkenntnis durch und wächst parallel dazu die Skepsis gegenüber dem Staat als gesellschaftlicher Problemlöser, so könnten Stifter wie diese bald die Nachfolge von Feuerwehrleuten, Gemeindemitarbeitern oder der guten Seele aus dem Sportverein als Vorbilder zivilen Engagements antreten. Denn ihr Beispiel zeigt, dass es durchaus gelingen kann, gewisse Veränderungen selbst anzupacken – und dies mit weniger Ressourcen, als gemeinhin angenommen.

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