02.11.2018 | Von Die Stiftung

Frankfurter Stiftungstag: Wie kooperieren Stiftungen und Staat?

Der Frankfurter Stiftungstag bot Vertretern von Stiftungen, Politik und Gesellschaft die Möglichkeit, sich über diese Kernfrage des Stiftungswesens auszutauschen. Frankfurt ist mit 640 ansässigen Stiftungen ein beliebter Stiftungsstandort. Allein die Vernetzung der Akteure ist ausbaubar.

Frankfurter Stiftungstag 2018
Der Frankfurter Stiftungstag 2018 fand in der Neuen Börse am Börsenplatz statt. Foto: gemeinfrei

Der Frankfurter Stiftungstag 2018 drehte sich rund um die Frage, wie Staat und Stiftungen zusammenarbeiten können. Konkret diskutierten die Teilnehmer des Stiftungstags, der zweijährlich von der Industrie- und Handelskammer (IHK) und dem Verein „Initiative Frankfurter Stiftungen“ veranstaltet wird, die Möglichkeiten der Kooperation auf städtischer Ebene. In diesem Jahr waren laut Veranstalter etwa dreihundert Gäste vor Ort. Sie diskutierten in vier Dialogforen die Themen Kultur, Soziales, Biodiversität sowie Bildung und Integration. Abgerundet wurde der Stiftungstag mit Vorträgen des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann und Soziologieprofessor Helmut Anheier von der Hertie School of Governance.

Dialoge zu Schlüsselthemen

In den Dialogforen konnten die Vertreter von Stiftungen, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ihre Perspektive zu den Schwerpunktthemen einbringen. Im Forum „Bildung und Integration“ machte Sylvia Weber, Frankfurter Stadträtin und Dezernentin für Integration und Bildung, direkte Vorschläge, wie Stiftungen kommunale Einrichtungen unterstützen können.

So nannte sie zum Beispiel die Sprachförderung entlang der Biographie als einen möglichen Fokus für ein Engagement des dritten Sektors. Gerade an den Übergängen vom Kindergarten in die Grundschule wäre es laut der Dezernentin wünschenswert, Unterstützung für förderbedürftige Kinder zu bieten. Zudem bezeichnet Weber die kulturelle Bildung von Migranten als Schlüsselthema. Hier könnten Stiftungen durch Wirksamkeitsstudien unterstützen oder sich direkt personell in der Stabsstelle „Kulturelle Bildung“ einbringen.

Stiftungsvertreter äußerten die Auffassung, dass Stiftungen und Vereine für viele Problemstellungen bereits Lösungen bieten würden. Oftmals fehle aber die Vernetzung und das Wissen über bereits bestehende Angebote von staatlichen Einrichtungen oder anderen Stiftungen. Dezernentin Weber versprach, dass eine gemeinsame Plattform die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure voranbringen soll.

Frankfurts Stiftungsdichte auf Platz vier

In der anschließenden Abendveranstaltung fand Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann lobende Worte für den Stiftungsstandort Frankfurt mit seinen 640 Stiftungen. Mit einer Stiftungsdichte von 76 pro 100.000 Einwohnern belege Frankfurt Platz vier im deutschlandweiten Vergleich. Hier komme die friedliche Historie Frankfurts als Handelsstadt zum Tragen. Auch historisch habe man Zusammenhalt gefördert und Konflikte gemieden.

Helmut Anheier, Soziologieprofessor an der Hertie School of Governance, brach in seinem Vortrag eine Lanze für Stiftungen mit geringem Budget. Diese sähen sich oftmals mit dem Vorwurf konfrontiert, mit ihren Geldern wenig bewegen zu können.

Dies gelte auch für fördernde Stiftungen, die etwas mehr als die Hälfte aller Stiftungen in Deutschland ausmachen. Ein Großteil dieser Stiftungen – 42 Prozent gemessen an der Gesamtzahl – verfügt über ein jährliches Budget von unter 100.000 Euro. Auf diese entfallen nur zwei Prozent der insgesamt im Stiftungssektor getätigten Ausgaben von über 13 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen die größeren, fördernden Stiftungen („professionelle Philanthropen“),  die zehn Prozent aller Stiftungen ausmachen, aber rund 22 Prozent der Ausgaben tätigen.

Trotz des geringeren finanziellen Einflusses betonte Anheier die Bedeutung kleinerer Stiftungen: Diese trügen bedeuten zu der Verwurzelung des Stiftergedankens in der Gesellschaft bei. Durch ihre Netzwerke verfügten gerade kleinere Stiftungen über spürbaren Einfluss in der Gesellschaft. Außerdem verteilten sich kleinere Stiftungen geographisch proportional zur Bevölkerungsdichte und sorgten für ein breitflächiges Engagement in Deutschland.

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