14.03.2019 | Von Die Stiftung

Sutor-Bank: Große Stiftungen setzen auf Aktien

In einer Kurzstudie hat die Sutor-Bank die Kapitalanlage der 30 größten Stiftungen in Deutschland untersucht. Es zeigt sich, dass gerade große Stiftungen oft einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen aus Aktiendividenden beziehen.

Kurzstudie Sutor Bank Sutor-Bank
In einzelnen Fällen finanzieren Stiftungen ihre Aktivitäten zu über 90 Prozent durch Aktiendividenden. Foto: Rainer Sturm/pixelio

Gerade kleine und mittelgroße Stiftungen halten beim Thema Geldanlage an Anleihen fest und tun sich schwer mit Aktieninvestments – und das, obwohl wir bereits vor etwas über zehn Jahren, im Oktober 2008, in die Phase stetig sinkender Zinsen eingetreten sind. Erst kürzlich teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit, dass nicht vor 2020 mit einer Anhebung der Leitzinsen von aktuell 0,0 Prozent – was unter Berücksichtigung der Inflationsrate de facto einer Vermögensentwertung gleichkommt – zu rechnen ist.

Die Sutor-Bank hat sich die Frage gestellt, ob große Stiftungen mit Blick auf ihre Finanzierung möglicherweise andere Wege gehen als kleinere Stiftungen – etwa indem sie einen höheren Aktienanteil als die gerne pauschal angenommenen 30 Prozent in ihren Portfolios halten. Dazu hat die Sutor-Bank von den 30 größten gemeinwohlorientierten Stiftungen in Deutschland die öffentlich zugänglichen Publikationen, wie etwa Jahresberichte, im Hinblick auf Haupterlösquellen und Vermögensaufteilung untersucht.

Oft wird auf Aktien gesetzt

Studie zur Kapitalanlage großer Stiftungen
Dirk Schoch leitet das Stiftungsbüro der Sutor-Bank. Foto: Sutor-Bank.

Das Ergebnis zeigt, dass das Thema Aktie bei großen Stiftungen durchaus eine bedeutende Rolle für ihre Finanzierung spielt – manchmal sogar eine etwas zu bedeutende. Von den 30 untersuchten großen Stiftungen finanzieren zehn, also exakt ein Drittel (33 Prozent), ihre Projekte zum überwiegenden Teil aus Dividendenausschüttungen von AG-Beteiligungen – in einzelnen Fällen sogar zu über 90 Prozent. Die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung etwa unterhält nach eigener Darstellung mit den Erträgen aus ihrer Unternehmensbeteiligung an der Thyssenkrupp AG ihr Förderprogramm im In- und Ausland. Der Bertelsmann-Stiftung standen gemäß Jahresbericht 2018 im vergangenen Jahr 125,8 Millionen Euro für gemeinnützige Projektarbeit zur Verfügung – davon stammten 120,8 Millionen Euro (96 Prozent) aus der mittelbaren Beteiligung am Bertelsmann-Konzern. Immerhin neun Stiftungen (30 Prozent) setzen in erster Linie auf eine Vermögensverwaltung. Der Aktienanteil ist nicht immer exakt bezifferbar, liegt bei den meisten aber bei um die 30 Prozent. Sieben Stiftungen (23 Prozent) finanzieren sich vorwiegend über den Geschäftsbetrieb von Tochtergesellschaften, häufig etwa soziale Einrichtungen. Erträge aus GmbH-Beteiligungen erhalten zwei Stiftungen, eine Stiftung finanziert sich vorwiegend über Spenden, eine weitere in erster Linie durch Immobilienbesitz.

Fazit: „Ja“ zu Aktien, aber nicht alles auf eine Karte setzen

Man hätte annehmen können, dass große Stiftungen ihr Kapital überwiegend breit diversifiziert anlegen – was jedoch nicht der Fall ist. Zwar ist es erfreulich, dass der Aktienanteil zum Teil deutlich über den üblichen 30 Prozent liegt. Gleichwohl ist ein nahezu ausschließlicher Fokus auf Dividendenausschüttungen kritisch zu sehen. Denn durch eine übermäßige Aktienbeteiligung ist der Hebel deutlich größer, wenn es zu höheren Schwankungen und geringeren Ausschüttungen kommt. Trotz ausreichender Rückstellungen könnte schlimmstenfalls die Finanzierung einiger Förderprojekte oder die Personaldecke auf dem Spiel stehen.

Der Zwischenweg heißt sowohl für große als auch für kleinere Stiftungen vielmehr, auf eine stärker ausgewogene Vermögensverteilung zu setzen. Dividendenstarke Aktien gehören stets dazu, und weiterhin Zinspapiere. Trotz der Niedrigzinsphase gibt es auch im Anleihesegment Chancen auf stabile Erträge, etwa bei Unternehmensanleihen. Immobilien können auch eine Rolle spielen, sofern mit regelmäßigen Mieterträgen zu rechnen ist und der Umfang stimmt. Die Sutor-Bank betreut seit vielen Jahren Stiftungen und hat noch nie etwas von pauschal festgelegten Anteilen für einzelne Anlageklassen gehalten: Ein fixer Aktienanteil von 30 Prozent etwa mag für manche Stiftung zutreffend sein, für andere eben nicht. Für große wie auch kleine Stiftungen gilt daher, die finanziellen Anforderungen stets individuell zu analysieren.

Über den Autor:
Dirk Schoch ist bei der Sutor-Bank für die Betreuung von Kunden aus dem Dritten Sektor zuständig.

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