04.01.2019 | Von Die Stiftung

Stiftung umbenannt: Profite durch Enteignung von Juden

Die Dr.-Kurt-Hamann-Stiftung wird umbenannt: Die Versicherungsgesellschaft des Namensgebers soll im Nationalsozialismus unter dem Vorsitz Hamanns durch die Enteignung von Juden profitiert haben. Das ergab das Gutachten eines Wirtschaftshistorikers.

Dr.-Kurt-Hamann-Stiftung
Die jetzt umbenannte Dr.-Kurt-Hamann-Stiftung fördert Dissertationen und Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Versicherungswissenschaft an der Universität Mannheim. Foto: Hubert Berberich (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SchlossMannheim-Pano-130616.jpg), CC BY 3.0

Die Dr.-Kurt-Hamann-Stiftung, die an der Universität Mannheim einen Preis für Dissertationen und Abschlussarbeiten in der Versicherungswissenschaft vergibt, wird umbenannt. Sie wird künftig schlicht „Stiftung zur Förderung der Versicherungswissenschaft an der Universität Mannheim“ heißen. Grund für die Namensänderung ist, dass der Namensgeber zur Zeit des Nationalsozialismus an „Arisierungen“ – der Verdrängung von Juden aus Handel, Immobilien und Wissenschaft im Sinne der Nürnberger Gesetze – beteiligt gewesen sei, so der Mannheimer Morgen. Die Zeitung beruft sich auf Aussagen der Hochschule. Der Stiftungsrat habe die Namensänderung bereits im Dezember beschlossen. Sie muss noch durch das Regierungspräsidium genehmigt werden.

Kein Urteil über die persönliche Einstellung

Die Hochschule beruft sich bei dieser Einschätzung Kurt Hamanns auf das Gutachten eines Wirtschaftshistorikers. Hamann (1898-1981) leitete von 1935 bis 1968 als Vorstandsvorsitzender die „Victoria zu Berlin Allgemeine Versicherungs AG“ und weitere Berliner Versicherungskonzerne. Aus dem Gutachten gehe zwar hervor, dass die Quellen „kein Urteil über die persönliche Einstellung Kurt Hamanns zum Nationalsozialismus, der offenbar kein Antisemit war“, erlaubten. Dennoch seien „nachweislich unter Hamanns Mitverantwortung als Vorstandsmitglied und später als Generaldirektor“ durch die Victoria zahlreiche Immobilien jüdischer Eigentümer übernommen worden. „Häufig geschah dies im Zuge von Zwangsversteigerungen, die das Unternehmen gegen jüdische Hypothekenschuldner beantragte“, zitiert der Mannheimer Morgen die Universität.

Die Hochschule habe darum einen Zeichen setzen wollen: „Der Namensgeber eines Preises, der an wissenschaftlich exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verliehen wird, sollte auch moralisch eine klar ausgewiesene Vorbildfunktion erfüllen“.

Der Dr.-Kurt-Hamann-Preis

Die jetzt umbenannte Stiftung vergibt einen renommierten Preis in der deutschen Versicherungswissenschaft: Mit dem Dr.-Kurt-Hamann-Preis wurden seit Gründung der Stiftung 1979 regelmäßig herausragende Habilitationen, Promotionen und Diplomarbeiten auf dem Gebiet der Versicherungswissenschaft an der Universität Mannheim ausgezeichnet.

Einen ähnlichen Namensstreit hat es kürzlich an der Technischen Universität Darmstadt gegeben. Dort verleiht die Adolf-Messer-Stiftung den Adolf-Messer-Preis.

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